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Ende des Schuljahres

Chapter 7 by Meister U Meister U

Die Kollegstufenfahrt nach Rom. Franziska saß auf ihrem Bett in der Jugendherberge, das Zimmer war groß, vollgestopft mit elf Schülern, die sechs Mädchen die in das Zimmer gehörten plus fünf Jungs zu Besuch.

Franziska war aufgeblüht. Sie hatte sich auf einen soliden Zweierschnitt hochgearbeitet. Ihre Noten waren besser geworden, ihre Sicherheit war gewachsen. Die Lehrer hatten es bemerkt. Ihre Eltern auch. Aber am meisten hatte sie es selbst gespürt.

Und Frederick. Er war auch besser geworden. Viel besser. Sie hatten zusammen gelernt, zusammen geschwitzt, zusammen die Nächte durchgearbeitet. Und manchmal, wenn sie die Karteikarten zur Seite legten, passierten andere Dinge.

Aber jetzt war Rom. Jetzt war die Freiheit.

Die Grappaflasche kreiste. Es war schon einiges vernichtet worden. Die Gesichter waren rot, die Stimmen lauter, die Hemmungen geringer.

"Wir spielen '10 Fragen'", rief Leonie plötzlich. Sie war die Lauteste, die Unbeschwerteste. "Die Gruppe stellt zehn intime Fragen. Und zwar wirklich intime. Alles muss wahrheitsgemäß beantwortet werden."

Ein Raunen ging durch die Gruppe. Einige lachten, andere wurden rot. Franziska spürte, wie ihr Herz schneller schlug.

"Keiner kann sich drücken", fügte Leonie hinzu. "Wer nicht mitmacht, ist ein Spielverderber."

Franziska schluckte. Sie wollte kein Spielverderber sein. Aber gleichzeitig spürte sie dieses vertraute Kribbeln. Dieses Gefühl, gezwungen zu werden. Ausgeliefert zu sein.

Ihr Blick suchte Frederick. Er saß auf dem Bett gegenüber, seine Wangen waren leicht gerötet von dem Grappa. Er zuckte fast unmerklich mit den Schultern. Was soll's?

Leonie zog den ersten Zettel.

"Tobias!", rief sie. "Du bist dran."

Tobias, groß, sportlich, der Typ, der immer der Mittelpunkt war, grinste breit. "Immer her mit den Fragen."

Es ging gleich richtig zur Sache.

"Wie oft hast du schon mit jemandem geschlafen?", fragte Julia.

Tobias zögerte kurz. "Drei Mal."

"Wie war es?"

"Das ist doch schon die zweite Frage", protestierte er.

"Na und?", rief Leonie.

Tobias lachte. "Es war... okay. Das erste Mal war peinlich. Das zweite Mal besser. Das dritte Mal richtig gut."

"Mit wem?", fragte Max.

"Das ist die dritte Frage. Mit Laura. Letztes Jahr auf der Abschlussfahrt."

"Was ist deine geheimste Fantasie?"

Tobias wurde rot. Richtig rot. Er griff nach der Grappaflasche und nahm einen kräftigen Schluck. "Das... das ist nicht für eure Ohren."

"Regel ist Regel!", rief die Gruppe im Chor.

"Okay, okay", stöhnte er. "Also... ich fantasier manchmal, dass ich auf einer Party bin und eine Fremde mich in den Nebenraum zieht. Und dann tut sie Dinge mit mir, die ich nicht kenne."

Die Gruppe lachte. Franziska spürte, wie ihre Wangen brannten. Sie stellte sich vor, wie es sein würde, wenn sie gezogen wurde. Wenn die Fragen auf sie kamen.

Das Kribbeln wurde stärker.

Die Fragen wurden immer intimer. "Hast du schon mal jemanden beim Sex beobachtet?" "Was ist deine Lieblingsstellung?" "Hast du schon mal etwas gemacht, wofür du dich schämst?"

Tobias beantwortete alles. Ehrlich. Manchmal zögernd. Aber er tat es.

Und dann, nach der zehnten Frage, atmete er erleichtert aus.

"Mein Gott", sagte er. "Das war härter als die Matheprüfung."

Die Gruppe lachte. Aber Franziska hörte nicht hin. Sie starrte auf den Korb mit den Zetteln. Ihr Herz raste.

Irgendwann würde sie gezogen werden. Irgendwann würden die Fragen auf sie kommen.

Leonie griff in den Korb und zog den nächsten Zettel. Sie hielt ihn hoch, las den Namen und ein breites Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

"Franziska!", rief sie. "Du bist dran."

Franziskas Herz setzte einen Schlag aus. Ihr Puls raste sofort los. Sie spürte, wie die Hitze in ihr Gesicht stieg, noch bevor die erste Frage überhaupt gestellt war.

"Keine Angst", sagte Leonie mit einem verschmitzten Lächeln. "Wir beißen nicht. Aber wir wollen alles wissen."

Die Gruppe lachte. Franziska suchte Fredericks Blick, aber er schaute zur Seite, sein Gesicht war ausdruckslos. Ihr Magen zog sich zusammen.

"Also", begann Julia. "Fangen wir leicht an. Hattest du schon mal Sex?"

Franziska schluckte. "Nein", sagte sie leise.

"Wirklich gar nicht?", hakte Max nach. "Nicht mal rumgemacht?"

"Doch", sagte sie zögernd. "Rumgemacht schon. Aber nicht... nicht richtig."

"Mit wem?", fragte Laura.

"Das ist doch schon die dritte Frage", protestierte Franziska schwach.

"Regel ist Regel", sagte Leonie. "Du musst antworten."

Franziska biss sich auf die Lippe. Sie dachte an Frederick. An seine Hände auf ihrer Haut. An seine Lippen, die sie nie berührt hatten. "Mit... mit niemandem Bestimmtem. Einfach so. Auf Partys. Nichts Ernstes."

Die Gruppe schien zufrieden. Aber dann kam die nächste Frage. Geschickt formuliert, fast beiläufig, von Julia.

"Du hast doch ein Geheimnis", sagte sie. "Irgendwas, das du niemandem erzählst. Ich seh es dir an. Was ist es?"

Franziska erstarrte. Sie spürte, wie ihre Wangen glühten. Die anderen beugten sich vor, neugierig, gierig nach Enthüllungen.

"Das ist... das ist zu persönlich", brachte sie hervor.

"Regel ist Regel", wiederholte Leonie. "Du musst."

Der Grappa in ihrem Blut machte es schwer, klar zu denken. Die Blicke der anderen brannten auf ihr. Sie spürte, wie das Kribbeln in ihr wuchs. Das Gefühl, gezwungen zu werden. Ausgeliefert zu sein.

"Also gut", sagte sie leise.

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