Was ist der nächste Auftrag?
Eine persönlich heikle Mission
Der Geruch in Raum 304 ist immer derselbe: eine Mischung aus altem Kaffee, staubigen Aktenordnern und der schwachen, metallischen Note der Klimaanlage. Ich schließe die schwere Eichentür hinter sich, das Klicken des Schlosses ist das einzige Geräusch in der sterilen Stille. Ein Mann sitzt mir gegenüber am Tisch, ein Franzose namens Dubois, dessen Gesicht eine Landkarte aus feinen Linien und tiefsitzenden Schatten ist. Er nickt mir kurz zu, eine Geste, die mehr Müdigkeit als Begrüßung ausdrückt. Sein Blick wandert nicht zu meinen erschöpften Augen oder den hellblonden Haaren, die mir schlicht über die Schultern fallen. Er sieht nur die Agentin.
„Setzen Sie sich, Vanessa“, sagt er, seine Stimme so rau wie trockenes Laub. „Wir haben eine neue Situation. Eine… besondere.“
Ich setze mich auf den Stuhl gegenüber ihm, die Hände flach auf ihren Oberschenkeln. Ich warte. Im Dienst ist Schweigen eine Waffe, und ich weiß, wie man sie einsetzt.
Dubois schiebt eine Akte über den Tisch. Das Cover trägt kein Foto, nur einen Namen: Mbango. „Zentralafrika. Ein Dschungel so groß wie Frankreich, und dieser Mann hält einen Teil davon in seinem Würgegriff.“ Er öffnet die Akte. Ein scharfes, kontrastreiches Foto eines Mannes mit intensiven Augen und einem Bart, der wie ein Busch um seinen Mund wächst.
„Er war zwei Jahre in Deutschland, im Exil. Studierte dort, lernte die Sprache, hasste jede Sekunde. Jetzt führt er eine Rebellenarmee gegen die Regierung, die wir – Frankreich und Deutschland – mit Waffen und Beratern stützen.“
Ich bleibe regungslos. Ein weiterer Kriegsherr in einem Land, das schon zu viele gesehen hat. Die Gleichung ist mir vertraut.
„Das Problem ist nicht seine Taktik“, fährt Dubois fort und seine Finger trommeln nervös auf der Akte. „Sein Camp ist ständig in Bewegung, er vertraut niemandem außer den Männern seines eigenen Stammes. Drohnenangriffe sind nutzlos, Spione werden vor ihrer Ankunft entdeckt. Er ist ein Geist im Dschungel.“ Er macht eine Pause, und die Stille im Raum wird dicker, schwerer. „Aber er hat eine Schwäche. Eine Obsession.“
Er dreht die Akte um. Auf der nächsten Seite ist kein Foto, nur ein ausgedruckter Text. Ich lese die ersten Sätze und mein Körper spannt sich fast unmerklich an. Mbango will ein Kind. Nicht irgendein Kind. Er will ein Kind von einer blonden, deutschen Frau. Es ist sein Fixpunkt, sein Mythos, der Beweis für seine Macht, dass er nicht nur die Regierung besiegen, sondern auch die Kultur seiner ehemaligen Peiniger auf die ihm genehme Art infiltrieren kann.
Dubois beobachtet meine Reaktion, oder deren Abwesenheit.
„Er glaubt, dies würde ihm eine Art göttliches Recht geben, über das Land zu herrschen. Eine Verbindung zwischen seiner afrikanischen Stärke und der europäischen Herkunft, die er verachtet und gleichzeitig begehrt. Er spricht davon in seinen Propaganda-Nachrichten. Es ist Wahnsinn, aber es ist ein planbarer Wahnsinn.“
Meine Finger zucken. Ich verstecke die Bewegung, indem ich meine Hände ineinanderlege. Die Implikationen klären sich in ihrem Kopf wie Blut im Wasser. Es geht nicht mehr um das Ausschalten eines Ziels aus der Ferne. Es geht um Infiltration auf der intimsten Ebene.
„Wir haben nur eine Möglichkeit, an ihn heranzukommen“, sagt Dubois leise, und die Worte hängen wie Rauch in der Luft. „Jemanden zu schicken, der genau seinem Bild entspricht. Jemand, der seine Aufmerksamkeit erregt und ihn so lange ablenkt, bis… bis die Arbeit erledigt ist.“
Er sah mich direkt an, und in diesem Moment ist er nicht der Chef eines Geheimdienstes, sondern ein Mann, der eine unmögliche Frage stellt.
„Sie passen auf sein Profil, Vanessa. Blond, europäisch, und Sie haben die Fähigkeiten, die niemand sonst hat.“
Die Stille, die folgt, isst ohrenbetäubend. Ich höre das leise Summen der Klimaanlage, das eigene Herz, das einen langsamen, schweren Schlag gegen meine Rippen macht. Dies ist nicht nur eine Mission. Dies ist ein Angebot, ihren Körper, ihre Zukunft, ihre Seele als Waffe einzusetzen.
„Wie soll das funktionieren?“, frage ich, meine Stimme ist ruhiger, als ich es erwartet habe. Ein glatter, professioneller Ton, der die Risse in meine Fassade verdeckt.
Welche Unterstützung bekommt Vanessa?
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