Gibt es noch weitere Begegnungen auf dem Weg zu Eylems Wohnung?
Eine Polizeistreife
Die ungleiche Truppe passierte die Bahnhofstraße. Von hinten näherte sich ein Fahrzeug, wurde langsamer und hielt schließlich neben ihnen an. An der Beschriftung und den Blaulichtern auf dem Dach erkannte Eylem den Streifenwagen aus den Augenwinkeln, ohne genau hinsehen zu müssen.
Im ersten Augenblick war sie erleichtert. Dann wurde ihr eiskalt.
Verdammt. Wenn das hier bekannt wird, bin ich im Revier unten durch. Und es wird blitzschnell durch den Flurfunk rumgehen. Dann kann ich Berlin vergessen.
Sie senkte rasch den Kopf, sodass die längst zu einer wilden Mähne aufgelösten langen Haare über ihr Gesicht fielen.
Die Seitenscheibe senkte sich surrend.
"Guten Abend, Wachtmeister. Wie können wir ihnen helfen?" Svetlana strahlte geradezu vor übertriebener Freundlichkeit.
"Für mich sieht es eher so aus, als bräuchten Sie Hilfe."
Autsch. Die Stimme kenne ich. Brehme. Hoffentlich erkennt er mich nicht.
Damit war Eylem zumindest klar, warum die Beamten im Wagen sitzen blieben, anstatt auszusteigen, wie es Vorschrift gewesen wäre. Brehme stand kurz vor der Pensionierung und machte keinen Hehl daraus, dass er kurz vor Schluss keine Lust mehr hatte, sich noch anzustrengen. Und als Anstrengung zählte für ihn jede Form unnötiger Bewegung und ganz besonders Papierkram.
Svetlana nahm Eylem in den Arm und drückte sie wie eine beste Freundin an sich.
"Nein, alles gut. Susi hat heute auf einem Junggesellenabschied gestrippt und die Begeisterungsfähigkeit der jungen Männer dabei etwas unterschätzt. Es ist aber nichts Schlimmes passiert. Wir bringen sie nur nach Hause. Trotzdem danke für das Angebot."
"Ah! Eine Polizeistripperin", schmunzelte Brehme. "Ich hatte mich schon über die Uniformbluse gewundert. Sieht verdammt echt aus – wenn sie nicht kaputt wäre."
"Ja, die haben wir von einem Kostümverleih", griff Eylem den Gedanken auf. "War auch nicht billig. Aber der Trauzeuge, der die Party organisierte, bezahlt alles. Sie sehen, es ist kein Schaden entstanden, Herr Polizeirat."
Polizeioberkommissar, korrigierte Eylem in Gedanken, aber bestimmt war Brehme geschmeichelt, weil man ihn mit einem höheren Rang betitelte.
"Wir können Sie nach Hause fahren. Oder in ein Krankenhaus, wenn es Ihrer Freundin nicht gut geht."
Eine zweite Stimme, jünger. Wenn sich Eylem nicht irrte, war das Michael Meier, der frisch aus der Ausbildung kam. Dort bekam man eingetrichtert, dass es ein Dienstvergehen war, hilflose Personen zurückzulassen. Er würde darauf bestehen, dass sie einstieg.
Mist.
Sie musste die beiden unbedingt loswerden.
Eylem verlieh ihrer Haltung mehr Körperspannung, um nicht hilfsbedürftig zu wirken, und lallte mit verstellter Stimme: "Nicht nötig. Mir geht es gut und ich wohne auch gleich da vorne."
"Trotzdem..."
"Lass gut sein, Michi", schnitt ihm Brehme das Wort ab. "Den Mädels geht es gut, das hörst du doch. Nichts, um das wir uns kümmern müssten."
Eylem konnte quasi sehen, wie er dem jüngeren Kollegen die Hand auf die Schulter legte und ihn durchdringend anschaute, um ihm klarzumachen, dass er keine lästigen Aufgaben, sondern seine Ruhe wollte. Brehme hatte genau das oft genug mit ihr gemacht, als sie zusammen gefahren sind.
"Schönen Abend noch, die Damen."
Das Fenster surrte hoch und der Wagen nahm wieder Fahrt auf.
Als die Rücklichter verschwunden waren, lachte Svetlana laut auf.
"Die haben wir aber voll verarscht. Na, war das geil oder war das geil?" Sie gab Eylem einen Schlag auf den Po. "Jetzt aber ab nach Hause."
0 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.