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Chapter 4 by Daemony Daemony

What's next?

Ein unangenehmer Nachgeschmack

Als Jasmin wieder zu sich kam, wusste sie zunächst nicht, wie viel Zeit vergangen war. Sie kniete auf dem Boden ihres Arbeitszimmers. Direkt vor dem Besucherstuhl. Das Holz der Dielen drückte schmerzhaft, als ob sie zu lange in dieser Haltung verharrt wäre. Das Licht im Raum hatte sich verändert. Die Sonne stand tief am Himmel und warf lange, schiefe Schatten über den Teppich.

Was?

Wie?

Einen Augenblick lang blieb sie verwirrt sitzen. Dann stemmte sie sich langsam hoch. Streckte die Beine.

Ihr Blick fiel auf den Schreibtisch. Dort stand noch die Kaffeetasse, die sie ihrem Besucher gebracht hatte. Unberührt. Kalt. Die Oberfläche des Kaffees lag dunkel und still in der Tasse wie ein mystischer Teich, durch den man in eine andere Welt abtauchen konnte.

Ein Frösteln durchlief sie.

Sie war doch eben erst aus der Küche gekommen. Was hatte sie danach getan? Sie versuchte sich zu erinnern. In Gedanken verfolgte sie jeden Schritt zurück. Sie wusste noch, dass sie hereingekommen war. Sie wusste noch, dass Matthias Kordt auf diesem Stuhl gesessen hatte. Sie wusste noch, dass sie ihm den Kaffee reichen wollte.

Danach...

Nichts.

Die Erinnerung brach ab wie ein Weg, der über eine Klippe führte.

Ihr Herz begann schneller zu schlagen.

Sie griff nach der Tischkante. Für einen Augenblick schwankte der Raum um sie herum.

In ihrem Mund lag ein unangenehmer Geschmack. Bitter. Säuerlich. Und auf seltsame Weise vertraut.

Sie erstarrte.

Ein Verdacht regte sich in ihr. Zunächst nur schemenhaft. Dann deutlicher. Sofort versuchte sie, ihn zurückzudrängen.

Nein.

Das konnte nicht sein. Unmöglich. Nicht aussprechen. Nicht einmal daran denken.

Doch je heftiger sie sich dagegen wehrte, desto beharrlicher kehrte das Gefühl zurück.

Es war geschehen. Das, woran sie sich nicht erinnerte. Ihr Körper wusste es, während ihr Verstand sich weigerte, es zu akzeptieren.

Scham stieg in ihr auf. Jene namenlose Scham, die Menschen befällt, wenn sie spüren, dass ihnen etwas genommen wurde, das sie nicht zurückholen können.

Sie presste die Lippen zusammen. Schluckte. Der Geschmack war noch immer da. Unverkennbar.

"Nein", flüsterte sie. Was hatte er getan? Was hatte sie getan?

Ihr Blick wanderte suchend umher.

Das Zimmer war leer. Matthias Kordt war verschwunden. Keine Spur deutete darauf hin, wann oder wohin er gegangen war.

Sie hielt sich an der Kante des Schreibtischs fest, um nicht zu stolpern, während sie zu ihrem Stuhl ging.

Erst jetzt bemerkte sie den Zettel. Sie hätte schwören können, dass er vorher nicht dort gelegen hatte. Mit zitternden Fingern griff sie danach.

Die Handschrift war ihr unbekannt. Die Buchstaben wirkten altmodisch, beinahe wie aus einer anderen Zeit.

23 Uhr in der Krypta unter der Kirche.
Pünktlich.

Jasmin las den Satz zweimal. Dann ein drittes Mal. Es gab nur eine Person, die das geschrieben haben konnte. Woher wusste er von der Krypta unter der Johanneskirche? Sie war nicht öffentlich zugänglich und nur durch die Sakristei erreichbar. Die Tür war stets verschlossen.

Unwillkürlich zerknüllte sie den Zettel und warf ihn in den Papierkorb.

Sie sollte diesen Unsinn vergessen. Sie sollte Robert anrufen. Oder noch besser die Polizei verständigen. Irgendetwas tun, das ein vernünftiger Mensch tun würde. Und doch saß sie einfach nur da, tief in Gedanken versunken.

Eine Stimme, die nicht ihre eigene war:

Gehe hin.

Als sie erschrocken den Kopf hob, war der Raum leer. Und dennoch war sie sicher, die Worte gehört zu haben.

Was sie nicht wusste: Ob sie dem Befehl gehorchen würde.

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