What's next?
Ein neuer Mitstreiter
Nach dem Frühstück sollte Sieghart aufbrechen, um einen Auftrag zu erledigen, den er abends von Theodan bekommen hatte, doch Theodan träumte schlecht und schickte James als Verstärkung mit. Sie sollte einen möglicherweise sehr wertvollen, zukünftigen Agenten abchecken.
Die meiste Zeit der Reise schwärmte James entweder von Vicky oder er versuchte Sieghart darzustellen, in welch misslichen Lage sich seine Geliebte befand und, dass man sie dort schnellstens rausholen müsse.
Theobald hatte dies vorhergesehen und ihn darauf vorbereitet, dennoch fiel es Sieghart schwer, James zu sagen, dass das unmöglich wäre, ohne die ganze Mission zu gefährden. James wusste, dass das stimmte, dennoch war ihr Streit immer wieder kurz davor zu eskalieren. Daran lag es wohl, dass sie so unaufmerksam waren und in deine Szene hineinstolperten, die sich erst viel später als Glücksfall herausstellen sollte.
Sieghart bremste viel zu spät ab und der Wagen kam gerade noch vor drei Gestalten, die mitten auf der Reichsstraße standen, zum Stehen. Die beiden jüngeren traten nach dem älteren Mann und trieben ihn so vor sich her, den Wagen ignorierten sie, der Alte hatte nichts bemerkt. Sieghart hatte eine grobe Personenbeschreibung bekommen und sein Instinkt identifizierte den Alten rasch, als den möglichen Agenten.
Er sprang vom Kutschbock und rief:
”Haltet ein, was soll das!”
Die beiden Schurken sahen ihn kurz an und wandten sich wieder dem Alten zu.
Ein Bolzen traf Sieghart in den Rücken und er ging in die Knie. James blendete ganz automatisch die beiden Banditen, nahm Schild und Speer und sprang im Zickzack vom Wagen, wobei er einen Heiltrank zu Sieghart warf. [Dazu muss gesagt werden, dass James seit seinem ersten Abenteuer alle Tränke in Schläuchen aufbewahrt, Glass ist teuer und hält nichts aus.]
Er musste schnell den Schützen finden, bevor der nachladen konnte, denn sonst stünden seine Chancen schlecht.
Das letzte, was der Schütze sah, war James grimmiger Blick. James hatte ihn wiedererkannt, es war einer der Männer, deren Steckbrief er Dagobert anfertigen ließ.
Erst als er fast schon wieder bei Sieghard war, ärgerte er sich darüber, den Namenlosen umgebracht zu haben, ohne ihn noch zu befragen. Aber es war ohnehin besser so, weil Sieghart bewusstlos geworden war, bevor er den Heiltrank trinken konnte. James hatte schon zu viel Routine darin, Bolzenwunden zu versorgen und auch dass sein Freund sterben würde, wenn er eine Fehler machte, bracht ihn als Arzt nicht aus der Ruhe. Er schnitt das Ende ab, drehte Sieghart auf den Rücken, um ihm dann gleichzeitig den Trank einzuflösen und den Rest des Bolzens aus der Brust zu ziehen.
Sieghard kam langsam wieder zu sich und erst jetzt bemerkte James, dass der Alte ihn schon länger beobachtete, die zwei Bastarde, immer noch geblendet, krochen auf allen Vieren davon.
“Vielen Dank, Herr. Mögen die Zwölfe mit euch sein!”, sagte der Alte und verbeugte sich.
James sah sich den Alten genauer an, er muss einst ein stattlicher Mann gewesen sein, den Augen nach war er sicher über 80, auch wenn sein Körper noch relativ fit wirkte. Er trug Sandalen, einen grauen löchrigen Umhang mit Rotweinflecken und einen kleinen Rucksack. Er hatte noch alle Zähne, aber er stank nach Alkohol.
“Was wollten die beiden von dir?”
“Die haben nur gemacht, was der Tote ihnen befohlen hat. Mein Name ist Orgiastis, Herr.”
“Und was wollte der von dir?”
“Er hat mir gedroht, mich umzubringen, dann habe ich ihm gesagt, dass ein Agent kommen wird, um mich abzuholen, so wie der Brief es mir aufgetragen hat.”
“Und dann hat er sich auf die Lauer gelegt, aber nicht mit zweien gerechnet”, mischte sich Sieghart ein. Er hatte sich erhoben und klopfte James dankend auf die Schulter, war aber noch etwas blass.
“Ich bin sehr froh, dass er tot ist, er..”, aber Orgiastis brach den Satz ab.
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