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Chapter 20
by
kleinehexe
What's next?
Du hast mich enttäuscht, Jasmin!
„Hallo Jasmin.“
Die Stimme hinter ihr war ruhig und dennoch trafen sie die Worte völlig unerwartet. Erschrocken drehte sie sich herum und sah ihn. Wie selbstverständlich saß er auf ihrem Sofa in ihrem Wohnzimmer, provozierend breitbeinig und locker zurückgelehnt, mit einem halbvollen Glas Rotwein in der Hand. Als wäre er in ihrem Heim zu Hause und sie die Fremde, betrachtete er sie nachdenklich. Er ließ sich sichtbar Zeit dabei, die Situation auszukosten. Noch einmal nippte er an dem Glas, bevor er es auf dem Tisch abstellte und sich erhob.
„Du hast mich wirklich sehr enttäuscht, Jasmin!“ Mit diesen Worten war er vor sie getreten und sah sie streng an. Es war nicht der Blick des Mannes, der vor einigen Tagen in der Spelunke einen Deal mit ihr machen wollte. Jetzt war es der Blick eines Richters, der mit den beiden Schergen hinter sich und den Dreien hinter ihr auch gleich noch 5 seiner Vollstrecker mitgebracht hatte.
„Warum nur Jasmin?“ Seine Stimme war weder laut noch aggressiv, und genau das machte ihr Angst. Ihr war übel und ihre Kehle fühlte sich trocken an. Sie hatte das Gefühl, als wäre die Luft im Raum zu dick zum Atmen. „Ich dachte, wir wären uns einig und hätten einen Deal!“, bohrte er weiter.
„… ich, …“ Weiter kam sie nicht. So wie sie ansetzen wollte, flog ihr Kopf zur Seite. Ihre Wange brannte, während das Entsetzen und der Schreck ihr die Tränen in die Augen trieb.
„Ich will Deine Ausflüchte nicht hören!“, ging er sie jetzt unmittelbar an. „Wir hatten einen Deal. Du solltest Dich heraushalten und tun, was ich Dir sage! Das war die Abmachung! Vielleicht erinnerst Du Dich ja noch. Das war am Vormittag. Und noch am selben Tag am Nachmittag spielst Du die Heldin. Du mischst Dich hier in Dinge ein, die Dich nichts angehen.“ Sie hatte gespürt, dass es nicht der richtige Moment gewesen wäre, ihm zu widersprechen oder sich zu rechtfertigen. Sie wollte ihn nicht provozieren oder gar noch weiter reizen. Stumm ertrug sie wie ein Schulmädchen seine Predigt, während er sie auf den knarrenden alten Holzdielen umkreiste.
„Und weißt Du, was das Schlimmste daran ist?“ Mit diesen Worten war er direkt vor ihr stehengeblieben und sah ihr eindringlich in die Augen. „Ich habe Dir vertraut und Du hast mich enttäuscht.“ Es herrschte für einen Moment Stille zwischen ihnen und sie wusste nicht, ob sie jetzt sprechen sollte. Eigentlich wusste sie überhaupt nicht, was sie hätte sagen sollen. Wenn es denn überhaupt über ihre Lippen gekommen wäre, egal was, es wäre nur falsch gewesen in diesem Moment.
„Weißt Du“, fuhr er langsam, aber deutlich ruhiger fort, „eigentlich regel ich so etwas anders. Also, genau genommen regeln ein paar von meinen Jungs das für mich. Wenn eine meiner Stuten nicht mehr recht in der Spur läuft, dann nehmen sie die beiseite und machen ihr klar, wie ich mir das vorstelle. Verstehst Du das? Aber in Deinem Fall ist das leider anders. Ich brauche Dich hier. Ich weiß, dass der Gemeinderat am Donnerstag über die Zulassung des Clubs entscheidet. Auch wenn Du dort keine direkte Stimme hattest, so hat Dein Wort doch Gewicht. Ich habe zu viel Zeit und Geld in das Projekt gesteckt, um jetzt, so kurz vor dem Ziel, zu scheitern.“
Aufmerksam war sie seinem fast schon Plädoyer gefolgt, welches ihr die Einladung wieder in Erinnerung gerufen hatte. Tatsächlich war sie gebeten worden, zu dem Projekt als Vertreterin der Kirche vor dem Gemeinderat Stellung zu beziehen und sich zu positionieren. Innerlich zerrissen hatte sie es zur Kenntnis genommen und irgendwie fast schon verdrängt. Zu viel war in den letzten Tagen mit ihr und in ihrem Leben passiert. Im Hinterkopf gebar sie aber jetzt spontan die Idee, ob das nicht der rettende Strohhalm sein könnte, den sie bisher vergeblich gesucht hatte. Zum ersten Mal traute sie sich, seinem ernsten Blick Paroli zu bieten, mit dem Wissen, dass er es war, der sie brauchte.
Sie sah, dass er es bemerkt hatte. Nur für den Bruchteil einer Sekunde war da dieses leichte Zucken in seinem Mundwinkel. Der eher flüchtige Ausdruck von Belustigung huschte über sein Gesicht, als hätte er einen winzigen Funken Trotz in den Augen eines aufmüpfigen Kindes entdeckt. Im selben Augenblick gewann er seine Haltung zurück, trat noch einmal dichter an sie heran und sprach leise, fast schon liebevoll zu ihr: „Nur weil Du weißt, dass ich Dich brauche, denk nicht, dass Du eine Wahl hast! Wie geht es eigentlich Deinem Mann? Glaub mir, mein Arm ist lang!“ Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Schlagartig hatte er sie wieder zu dem Kaninchen vor der Schlange gemacht und die Oberhand zurückgewonnen. Sie schluckte schwer bei dem Gedanken an Robert. Wusste er etwas?
„Du wirst Dich jetzt und hier entscheiden, besteht unser Deal noch oder nicht?“ Mit diesen Worten ließ er sie stehen und begab sich zum Sofa. Als wäre er daheim, machte er es sich bequem und fragte sie. „Ja oder nein? Deine Entscheidung!“ Mit dem Blick eines Richters, der eine Antwort erwartete, betrachtete er sie. Sie wusste, dass er recht hatte. Sie hatte ****. Nicht jetzt und nicht hier. Die Vorstellung daran, was einem Nein folgen würde, wollte sie sich nicht ausmalen. Ihre Bestätigung war stumm und fast schon trotzig, aber das sanfte Nicken schien ihm nicht zu reichen.
„Ich kann Dich nicht hören, Jasmin!“, fragte er erneut laut und gereizt nach. „Du wirst Dich aus allem heraushalten und tun, was ich Dir sage?“ Sie sah seinen erwartungsvollen Blick zu seiner Frage, wissend, dass dies ihre letzte Chance war.
„Ja“, antwortete sie leise und kleinlaut, hoffend, dass es damit endlich vorbei wäre. Zufrieden blickte er auf das Häufchen Elend herab, das da vor ihm stand und **** hatte. Er hatte sie da, wo er sie haben wollte. Sie war der Spatz in seiner Hand. Er griff zur Flasche, um sich in seinem Glas noch einmal nachzuschenken. Im letzten Moment stoppte er und fragte, wie aus Höflichkeit, nach „Oh, darf ich?“ Auch ohne ihre Antwort abzuwarten, floss der Wein gluckernd in das Glas. Er lehnte sich zurück und betrachtete sie.
„Wie kann ich sicher sein, dass das nicht wieder nur irgendwelche Lippenbekenntnisse von Dir sind, Jasmin? Beweise es!“ Sein Blick dabei war fragend und fordernd zugleich. Er sah die Verunsicherung in ihren Augen. Es amüsierte ihn, zu sehen, wie sie auch ohne mit den Achseln zu zucken ratlos überlegte, was er jetzt von ihr erwartete.
Der gönnerhafte Ton seiner Stimme traf sie wie der Schlag.
„Okay, zieh Dich aus!“
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