Hällt Vertrauen an?

Drei Monate und ein Geheimnis

Chapter 132 by petra1 petra1

Samstagabend schlaufe ich neben Lukas, ich kann nicht einschafeln, meine Gedanken kreisen.

Es sind jetzt gut drei Monate, seit Lukas und ich zusammen sind. Lukas hat zwar noch seine eigene Wohnung, aber die meiste Zeit lebt er bei mir. Seine Zahnbürste steht neben meiner, seine Hemden hängen im Schrank, und im Kühlschrank gibt es plötzlich Dinge, die ich allein nie gekauft hätte. Es fühlt sich richtig an. Vertraut.

Der erste Monat war ein Traum, viel Sex mit reizvollen BDSM Spielen. Dies obwohl ich im Vorfeld dachte, das könne mich nicht reizen. Dann war klar zuspüren wie Markus unsere Beziehung belastete. Dennoch war es immer noch viel besser als zu besten Zeiten mit Bernd. Immer noch schöne erotische Abenteuer, aber ich hatte Angst, dass könnte sich ändern.

Aber gestern, beim Nachtessen, angeregt von Lena, mit Lukas und Markus kam die Erlösung, die Spannungen verschwanden. So rückt mein Geheimnis in ein neues Licht.

Ich bin schwanger. Nach nur drei Monaten mit Lukas.
In
der schierigen Phase mit Lukas war es für mich klar, ich behalte es für mich und treibe ab.
Und jetzt, wo die Spannungen verschwunden sind, was soll ich machen?

Nach Bernd hatte ich lange kein wirkliches Interesse mehr an Sex gehabt. Die Verhütung hatte ich irgendwann einfach abgesetzt – es schien ja sowieso niemand in Sicht. Beim allerersten Mal mit Lukas, als er mich so zärtlich und gleichzeitig hungrig geküsst hatte, flüsterte er nur: „Kein Kondom, oder? Es passt schon.“ Ich hatte welche im Nachttisch. Für Notfälle. Ich habe sie nicht geholt. Warum? Weil er irgendwann mal gesagt hatte, dass er sich Kinder wünscht? Weil ein Teil von mir tief drinnen gar nicht so streng verhüten wollte? Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass ich es zugelassen habe.

Seit zwei Wochen weiß ich es. Achte Woche. Zwei blaue Streifen, die mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt haben.

Ich wollte nie Kinder. Nie. Die Vorstellung, meine Freiheit aufzugeben, meine Karriere, meine neu entdeckten Seiten – das alles für Windeln und schlaflose Nächte? Mit Bernd ist das Thema niemals ernsthaft aufgekommen, mit Lukas bei den letzten schwierigen Wochen auch nicht.

Aber gestern hat sich etwas verändert. Das Eis zwischen Lukas und Markus ist gebrochen. Lukas wirkt wieder sicherer, präsenter. Und plötzlich bin ich mir nicht mehr sicher, was ich wirklich will.

Freiheit ohne Kind – oder doch diese große, ungewisse Sache namens Familie?

Die kleine Krise der letzten Wochen hat mir gezeigt, dass ich nicht zu hundert Prozent auf einen Partner zählen kann. Nicht wirklich. Ich muss bereit sein, ein Kind auch allein großzuziehen. Der Gedanke macht mir Angst. Und gleichzeitig… löst er etwas in mir aus.

Irgendwann, nach Stunden des Grübelns, aber nach langem tiefen Schlaf wache ich entspannt auf.

Und schnell Gedanken wieder beim Kind, behalten oder nicht? Und plötzlich ist da dieses sonderbare Gefühl.

Ich liebe Herausforderungen. Immer schon. Im Job, in meinem Körper, in meiner Sexualität – ich habe gelernt, mich Dingen zu stellen, die mich zuerst verunsichern. Warum sollte das bei einem Kind anders sein? Ich könnte das schaffen. Allein. Wenn es sein muss.

Der Gedanke gibt mir eine überraschende Kraft. Ein ruhiges, klares Selbstvertrauen breitet sich aus. Ich wäre eine privilegierte Single-Mutter. Mein Einkommen als Buchhalterin in leitender Position ist mehr als solide. Ich könnte mir Hilfe leisten, eine gute Wohnung, Sicherheit. Das Notfall-Szenario fühlt sich plötzlich nicht mehr wie Scheitern an, sondern wie ein starkes Backup. Ein Sicherheitsnetz, das mich unabhängig und selbstsicher macht.

Ich werde es austragen. Mit oder ohne Lukas.
Irgendwann werde ich es Lukas sagen, nicht sofort, einfach mal die nächsten Wochen bei guter Gelegenheit.

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