Wieso ist sie plötzlich so vorsichtig?
Die letzte Mission hat den Ausschlag gegeben
"Ähm..." Langsam hob Connor den Arm. "Ich versteh ja eine gewisse Vorsicht gegenüber Außenstehenden, aber wir können doch zumindest bei anderen Zarathustras etwas lockerer sein, oder? Ist ja nicht so, als ob die besonders motiviert wären, uns zu verpetzen."
"Leider können wir uns da nicht mehr so sicher sein", gab Steffen zurück. "Im Moment pushen die Medien sehr hart die Story von den Killerterroristen. Der sogenannte Anschlag in Berlin vor ein paar Tagen, der hat immer noch Auswirkungen. Vielleicht hast du davon gehört, BM. Da könnten andere schon auf den Gedanken kommen, dass Untergrundgruppen wie die unsere nicht ihre Ideale vertreten. Hathor und ich sind uns einig, dass wir zumindest in der nächsten Zeit besonders aufpassen müssen."
Connor schwieg betroffen an, und Alex war klar, wieso - die Aktion im Gesundheitsministerium hatte ja dazu dienen sollen, seine Identität zu schützen.
Einen Moment lang hing die Stille unangenehm im Raum, bis sie Maja schließlich wieder brach. "Also, mein Angebot steht auf jeden Fall. Ich bin diskret. Ich werd von keinem von euch irgendwelche persönlichen Daten notieren. Wenn ihr mir Sachen zur Analyse mitgebt, teil ich euch Nummern zu, und ihr bekommt die Ergebnisse dann unter den Nummern zurück."
"Und das war es dann erstmal", schloss Steffen die Runde. "Maja ist noch den ganzen Tag hier und reist morgen früh ab. Es wird dauern, bis ihr wieder eine Gelegenheit habt, mit ihr zu sprechen. Überlegt euch also gut, ob ihr das hier nicht nutzen wollt."
Alex und Tamara hatten ja bereits ihre Ergebnisse, weshalb sie Majas "Dienste" nicht mehr brauchten, aber unter den anderen schien wohl reges Interesse zu herrschen - nur Diana, Lorena, und Steffen schienen kein Gespräch mit ihr zu suchen. Am meisten Zeit mit ihr verbrachte Sandy, der kürzeste "Termin" war der von Connor, der nach nur fünf Minuten bereits wieder zurück war und ein wenig enttäuscht wirkte. Das war aber der einzige etwas zwiespältige Eindruck, den Alex von ihr hatte, alles andere schien gut zu verlaufen.
Er selbst verbrachte den Tag halb mit Tamara, halb mit der Arbeit an seinem Motorrad, und es war bereits etwas später am Nachmittag, als er Maja wieder sah. Sie kam aus der Villa und ging in Richtung See, wobei sie sich bis auf ihre Unterwäsche entkleidet hatte und sich beim Laufen sichtbar streckte und räkelte. Alex musste bei dem Anblick schmunzeln - offenbar war es ihr auch nicht angenehm, den ganzen Tag im Haus zu sitzen. "Na, ein bisschen frische Luft schnappen?" rief er ihr zu.
"Hm?" Maja wandte sich überrascht um, lächelte dann und lief auf ihn zu. "Ah, ja, das trifft es ganz gut. Meine Firma sitzt mitten in der Stadt, und ich komm selten raus in die freie Natur. Und ihr habt es hier ja wirklich schön!"

Alex wischte sich die Hände ab und trat zu ihr. "Ist das nicht ziemlich stressig, so zu leben wie du? Immer in Gefahr, enttarnt zu werden, wenn du uns hilfst..."
Ein kurzes Grinsen huschte über Majas Gesicht. "Nicht so stressig wie euer Leben im Untergrund", konterte sie. "Und ganz ehrlich, egal wie ich lebe, in Gefahr bin ich immer. Gegen das Zarathustra-Gen kann ich nichts machen. Wenn rauskommt, dass ich es habe, bin ich dran, und meine Kinder und der Rest meiner Familie mit mir. Ich hätte vor ein paar Jahren mal die Chance gehabt, mich zu outen und für den Staat zu arbeiten. Aber das kam für mich nicht in Frage. Ich hab zu viel von dem mitbekommen, was die anstellen. Ehe ich das mitmache, tauche ich selbst unter!"
"Ich nehme mal an", meinte Alex, "als du deine Kinder bekommen hast, da wurden Zarathustras noch nicht so verfolgt wie heute?"
"Bei zweien. Sören und Karina wurden geboren, da waren die ersten Gesetze gerade verabschiedet." Sie seufzte. "Ich wäre gerne normal aufgewachsen, hätte gerne einfach nur ein ganz normales Leben gehabt. Aber meine Familie mütterlicherseits, die war leider nie ganz normal, und kaum dass ich mich etwas von ihr gelöst hatte kam dann die Verfolgung von Menschen mit Zarathustra-Gen mit dazu. Für meinen Mann war es noch schlimmer. Der hatte wirklich eine ganz normale Kindheit und Jugend gehabt, bis er mich kennengelernt hatte, und dann war's praktisch von einem Tag auf den anderen mit der Normalität vorbei."
Alex sah sie betroffen an. "Dein Mann und du - wart ihr auch genetisch perfekt kompatibel, wie Tamara und ich?"
Diesmal musste Maja lachen. "Nein, definitiv nicht. Bei uns war es Liebe, ganz klassisch, die uns zusammengebracht hat. Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber wir haben recht schnell gemerkt, wie gut wir uns gegenseitig tun."
"Wenn ich mal neugierig sein darf: wie hat das denn mit euch im Bett geklappt?" wollte Alex wissen. "Ich meine, du bist eine Zarathustra, und wenn er ein ganz normaler Mensch war-"
"Wir alle sind normale Menschen", warf Maja sofort ein, "das Zarathustra-Gen ist natürlich entstanden. Aber um deine Frage zu beantworten: mein Mann ist der beste Liebhaber, den ich mir wünschen könnte. Zärtlich, aufmerksam, und ich spüre, wie sehr er es mit mir genießt. Das ist wichtiger als alles andere."
Jetzt musste Alex etwas grinsen. "Na ja, eine perfekt an deinen Schwanz angepasste Möse ist auch nicht schlecht."
Aber Maja lächelte nur. "Ich kann meine Möse an jeden Schwanz anpassen, der in mir steckt, und trotzdem hab ich mit meinem Mann besseren Sex als mit irgendwem sonst. Weil Sex im Kopf entsteht und nicht zwischen den Beinen. Das hab ich vorhin auch eurem BM erklärt, als er mich zu einer schnellen Nummer überreden wollte: Ich will gar nicht wissen, wie gut er ficken kann. Ich will meinen Mann in mir. Den kann er mir nicht ersetzen."
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