Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 3 by kokosmilch kokosmilch

What's next?

Der erste Test

Herr Schmidt rückte seine Brille auf der Nase zurecht, legte die Hände flach auf den Tisch und beugte sich vertraulich nach vorne. Instinktiv imitierte Julia seine Haltung, was, weil sie noch immer vor seinem Schreibtisch stand, den absurden Effekt hatte, dass sie sich tief zu ihm hinab beugen musste. Schmidts Augen saugten sich geradezu in ihren weit offenen Ausschnitt. Er grinste zufrieden.

"Also gut, Julia, ich sehe schon, du hast das Zeug dazu, eine richtig gute Reporterin zu werden. Wir machen das jetzt einfach ganz praktisch. Du bekommst einen ersten kleinen Testauftrag von mir. Nichts Großes, ein bisschen vor Ort recherchieren, ein paar Absätze schreiben. Ein paar Bilder dazu. Und wenn du das gut machst, dann hast du den Job. Wie wär's?"

"Ja, absolut!" Julia nickte begeistert. Endlich. Jetzt kam die praktische Arbeit als Reporterin.

"Prima. Du schreibst eine Reportage über den neuen Massage-Salon in der Hammergasse. Das ist doch der Hammer, oder?"

Er sprühte vor Begeisterung.

Julia wirkte nicht ganz so begeistert. "Massage-Salon?"

"Ja, ja. Die Art von Salons, wo man nicht weiß, ob die Rückenmassage im Nacken endet - oder am anderen Ende." Er grinste breit. "Das bringt Auflage. Unsere Leser lieben solche Insiderstorys."

Julia räusperte sich. "Sie meinen, ich soll dort hingehen, um investigativ zu recherchieren. Allein?"

"Natürlich! Und nicht vergessen, ein paar heiße Fotos zu schießen. Wenn du willst, kann unser Fotograf dich begleiten. Aber ich fänd's besser, wenn du Selfies machst. Diese unperfekte Ästhetik gilt heutzutage ja sowas von modern."

Julia wusste nicht ganz, ob der Verleger es ernst meinte. Die Vorstellung, mit Notizblock und Handykamera in einen Massagesalon zu gehen, klang für sie ein bisschen zu sehr nach Realsatire. Aber sie wollte den Job, also nickte sie und bemühte sich, ein ernsthaftes Gesicht zu machen.

"Klar. Das schaffe ich. Sie werden sehen."

"Wunderbar. Und noch eines", er holte einen dicken, wattierten Umschlag aus einer Schublade und schob ihn zu ihr rüber. "Hier drin ist deine Arbeitskleidung speziell für den Auftrag. Gesponsort von einem unserer größten Werbekunden. Achte darauf, dass sie gut in Szene gesetzt wird."

Julia schielte skeptisch auf den Umschlag. So groß, dass da besonders viel Kleidung drin stecken konnte, wirkte er nicht wirklich. Gleichzeitig versuchte sie in Gedanken die Begriffe "seriöse Journalistin" und "Massage-Salon investigativ" in Übereinstimmung zu bekommen. Schließlich zuckte sie mit den Schultern.

"Gut. Ich werde mein Bestes geben."

Schmidt rieb sich zufrieden die Hände. "Das weiß ich. Willkommen im Team, Julia."

What's next?

Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)