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Chapter 15 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Der Absturz

Ich verfolge die kleine Wolke, die sich bildet, als ich ausatme, bis sie sich auflöst. Ein Seitenblick; ein Hauch von Verunsicherung huscht über mein Gesicht, bevor ich es verhindern kann.

Kurz nur, aber er sieht es.

Er rollt mit den Schultern, als ob er sich auf einen Kampf vorbereitet. Warum spricht er nicht einfach aus, was in ihm vorgeht? Warum muss ich ihm alles aus der Nase ziehen?

„Für jemanden, der nicht ‚kann‘, bist du ziemlich ausdauernd“, fauche ich. Es klingt selbstbewusster, als ich mich fühle.

Er schaut an mir vorbei, hinunter auf die Stadt, als sei die Antwort irgendwo dort zwischen den schimmernden Lichtern verborgen.

„Es ist nicht so einfach.“

Für mich klingt das herablassend. Ich hasse es, wenn man mich wie ein kleines Kind behandelt, das vor unangenehmen Wahrheiten geschützt werden muss.

„Für mich sieht es aber ziemlich einfach aus“, schnaube ich. „Du lernst eine Frau kennen, du willst sie haben, du nimmst sie dir… Und das war’s.“

Warum willst du nur mich nicht? Füge ich in Gedanken hinzu, spreche es aber nicht laut aus.

Er schüttelt den Kopf. „So funktioniert das nicht.“

„Nein?“ Ich lege den Kopf schief. „Warum scheint es dann genau so zu funktionieren?“

Schweigen.

Die Spannung nimmt zu. Ich kapiere, dass es gefährlich wäre, noch mehr Druck auf ihn auszuüben.

Ich sollte aufhören.

Es ist schon absehbar, dass ich etwas tun oder sagen werde, das ich nicht mehr zurücknehmen kann. Ich fühle mich, als stünde ich hart an einem Abgrund und würde so tun, als bemerke ich das nicht.

Die Klippe ist direkt hinter meinem Rücken.

Und doch trete ich nicht davon weg.

Ich starre ihm weiter in die Augen, will ihn herausfordern, den ersten Schritt zu machen. Auf mich zu – oder von mir weg. Um endlich Klarheit zu haben.

„Sina…“

„Was?“, falle ich ihm ins Wort. „Du hast gesagt, du kannst nicht. Das heißt nicht, du willst nicht.“

Mein Herz schlägt viel zu schnell, bis hinauf in meinen Hals. Meine Finger zucken. Meine Knie zittern.

Plötzlich trifft mich die Erkenntnis, hart und unangenehm: Er ist gar nicht das Problem.

Das Problem ist, dass meine Mutter sich gar nicht darum bemühen muss und ihn trotzdem bekommt. Das Problem ist, wie Kathy zu ihm aufgeschaut hat, während sie ihm einen blies. Und dass ich danebenstehe, ungesehen, zum Zuschauen verdammt, als gehörte ich nicht dazu.

Als ob ich gar nicht da wäre.

Es gibt mir das Gefühl, unbedeutend und unscheinbar zu sein.

„Bin ich es nicht wert, dass du dich mit mir abgibst?“ Diesmal ist da kein Sarkasmus. Ich muss es einfach wissen.

Keine Antwort.

Ich hebe mein Kinn und schaue zu ihm auf, meine Augen fest auf seine gerichtet.

Sein Kiefer spannt sich an. Ich kann den inneren Kampf unter der Oberfläche erkennen. Er ringt mit sich selbst.

Noch hält er sich zurück.

Ein Sturm, der kurz davor ist, loszubrechen.

Plötzlich bin ich mir nicht mehr so sicher, was ich von ihm will. Mein Selbstvertrauen bekommt die ersten Risse. Ich schwanke. Mache einen Schritt zurück. Nur einen kleinen Schritt. Geröll kommt unter meinen Sohlen ins Rutschen.

Ich schreie, noch bevor ich kapiere, was passiert.

Ich bin plötzlich schwerelos.

Dann packt Dirk zu.

Blitzschnell.

Er reißt mich so hart an sich, dass ich stolpere.

Felsbrocken brechen ab, poltern hinter mir in die Dunkelheit.

Er umarmt mich so eng und so fest, dass ich die Hitze seines Körpers und das Heben und Senken seines Brustkorbs spüre.

Mein Herz rast. Ich bin in Schweiß gebadet.

„Ich hab dich“, murmelt er beruhigend.

Seine Arme umschlingen mich, als wolle er mich nie mehr loslassen.

Etwas hat sich verändert.

„Danke“, flüstere ich.

Ich lehne mich an ihn. Er ist groß und stark – ein Anker, an dem ich mich festhalten kann.

Der Wind frischt auf, weht an uns vorbei und zerrt an meiner Jacke und meinen Haaren. Die Lichter der Stadt flackern unter uns, weit weg und unbeteiligt.

Ich atme langsam aus, als mir klar wird: Ich stehe nicht mehr an der Klippe.

Ich lehne mich bereits darüber hinaus.

Falle ich?

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