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Chapter 9

Kann Meller Yasemin überzeugen?

Das Interview

Meller nimmt die Papiere entgegen und breitet sie vor sich aus. Er bietet der Bewerberin keinen Sitzplatz mehr an. Es gefällt ihm, dass sie wie eine Bittstellerin vor ihm steht. In aller Ruhe studiert er die in säuberlicher Handschrift eingetragenen Daten.

"Frau Yasemin Yilmaz. Ein schöner Name."

Sie ist sichtlich erfreut über das kleine Kompliment.

"Ah, ihr Geburtstag liegt ja noch gar nicht so weit zurück. Da kann man ja fast noch gratulieren."

"Vielen Dank. Sehr freundlich von Ihnen."

"Ist das Ihre gegenwärtige Wohnanschrift?" Er tippt auf die im Formular stehende Adresse. "Das ist ziemlich weit weg. Im Nachbar-Landkreis würde ich anhand der Postleitzahl sagen."

"Ja, das stimmt. Ich wohne noch bei meinen Eltern und pendle zur Arbeit. Jeden Tag über eine Stunde hin und zurück."

"Das ist ganz schön lange."

"Ja, genau deshalb wäre eine Wohnung in der Stadt auch ideal für mich. Aber mit meinem kleinen Gehalt kann ich mir keine leisten. Das meiste geht für die Raten drauf, mit denen ich mein Auto abbezahle. Den Rest bis auf ein kleines Taschengeld gebe ich meiner Mutter als Kostgeld ab."

"Darf ich das so verstehen, dass Sie an der Wohnung interessiert sind?"

"Eigentlich schon", druckst sie herum, "nur das mit der besonderen Miete. Das würde ich mir gerne noch eine Weile überlegen."

"Also, das könnte ein kleines Problem werden", in der Stimme des Vermieters schwingt dick aufgetragenes Bedauern mit, "ich kann die Wohnung nicht für sie reservieren. Die Nachfrage ist riesengroß. Sie müssten sich jetzt schon klar entscheiden, ob oder ob nicht."

"Ich verstehe. Und ich will die Wohnung auch wirklich gerne haben. Aber ich kenne Sie doch eigentlich gar nicht. Darum kann ich nicht einfach mit Ihnen ins Bett gehen. So bin ich erzogen."

"Das heißt, Sie sind noch Jungfrau?"

Yasemin erstarrt und alles Blut weicht aus ihren Wangen. Obwohl sie die dunkelste Hautfarbe der Anwesenden hat, wirkt sie im Vergleich mit den anderen plötzlich kreidebleich. Im Bemühen, irgendwelche Worte zu finden, klappt ihr Mund hilflos auf und zu.

Silvia springt ihr bei. "Hubert, du Tollpatsch. Sowas kannst du doch nicht so plump fragen. Was Yasemin eigentlich sagen wollte, ist, dass sie eine Probezeit braucht, um dich besser kennenzulernen."

Seine Komplizin blinzelt ihm hinter dem Rücken der Befragten verschwörerisch zu. Er hat sie vor dem Gespräch eingeweiht, dass er die Kleine unbedingt dazu bringen will, den Vertrag am selben Tag noch zu unterschreiben und keinen Rückzieher zu machen.

"Ach so, das ist etwas ganz anderes. Gar kein Problem." Er zückt seinen edlen Füllfederhalter, streicht den vorbereiteten Mietvertrag theatralisch glatt und schaut die potentielle Mieterin fragend an. "Ein Monat?" Sie presst die Lippen zu schmalen Strichen zusammen. "Zwei Monate?" Mit einem Augenaufschlag stimmt sie zu.

In seinem Triumpf badend fügt er unter den vorgedruckten Text handschriftlich hinzu: 'Herr Hubert Meller wird bei der o. g. Mieterin für eine Dauer von zwei Monaten ab dem heutigen Datum auf das Eintreiben jeglicher Forderungen verzichten. Nach Ablauf dieser Frist entscheiden die beiden Vertragsparteien einvernehmlich, ob das Mietverhältnis endet oder regulär einschließlich der vereinbarten Vergütung fortgesetzt wird.'

Schwungvoll setzt er seinen Namen unter das Vertragswerk und schiebt es über den Tisch.

"Ihre Unterschrift, bitte."

Unterschreibt Yasemin?

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