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Chapter 5

Wer sind die vier?

Clara, 22, Kunstgeschichte

Name: Clara Vogt

Clara war eine 22-jährige Kunstgeschichtsstudentin aus einer Kleinstadt in Bayern, von der Scheibner noch nie zuvor gehört hatte. Clara zog nach dem Abi von dort zum Studieren in die Stadt. Sie nannte als Berufsziel, später einmal Museumskuratorin zu werden.

Das Portraitbild, das Clara beigefügt hatte, zeigte ein zartes, puppenhaftes Gesicht mit Porzellanhaut, großen grüne Augen und welligem, schulterlangem kastanienbraunem Haar, das sie offen trug. Ihr Make-Up war auffällig. Leuchtendroter Lippenstift, dunkel nachgezogene Augenbrauen, Puder und deutlich erkennbares Rouge auf den Wangen erweckten den Eindruck, als würde sie eine Maske tragen.

Von ihrer Figur war auf dem Foto leider nichts zu erkennen. Es war unten so geschnitten, dass man ihren schlanken Hals und den Rüschenkragen einer weißen Bluse sehen konnte. Zu Scheibners Bedauern war aber nicht einmal ein Ansatz ihres Ausschnitts zu erkennen. Sich selbst beschrieb sie in ihrer E-Mail als elfenhaft, was alles Mögliche bedeuten konnte, womit sie sich aber vermutlich nur interessant machen wollte.

Als Motivation für ihre Bewerbung gab sie an, dass sie bislang in einem überbelegten, lärmigen Studentenwohnheim mit papierdünnen Wänden lebte. In den meisten Nächten würde sie durch lautstarke Unterhaltungen oder "Schlimmerem", wie sie es formulierte, am Schlafen gehindert. Zudem finde fast jedes Wochenende in einem der Stockwerke eine Technoparty statt, wo jemand mit fragwürdigem Musikgeschmack auflege. Sie brauche dringend und "um jeden Preis" einen Rückzugsort, wo sie in Ruhe lesen und lernen könne. Außerdem seien die Gemeinschaftsduschen ein hygienischer Alptraum. Ein Platz in Scheibners Frauenhaus, vorzugsweise ein Einzelzimmer, sei ihr Traum und sie würde "alles dafür tun".

Scheibner legte den Kopf schief. Irgendetwas an diesem Profil war nicht rund. Zum einen klang diese Clara reichlich naiv. Andererseits hatte er den Eindruck, dass sie nicht ganz ehrlich war und etwas verbarg. Er würde auf jeden Fall ein persönliches Gespräch mit ihr führen müssen, um ihr genauer auf den Zahn zu fühlen.

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