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Chapter 23

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Brigittes Geschichte

Brigittes Augen verloren ihren Fokus als sie an den Augenblick zurückdachte, als sie das erste Mal dieses Haus betrat. Es schien ihr eine Episode aus einem anderen Leben zu sein, dabei lag es gerade einmal zwei Tage zurück.

Sie war so stolz und zuversichtlich gewesen, eine Wohnung gefunden zu haben, um Sophie und sich endlich aus dieser ekligen Notunterkunft herausholen zu können. Der Tipp ihrer neuen Freundinnen Chloe und Clodette hatte toll geklungen. Diese besondere Mietvereinbarung mit dem Abarbeiten anstatt Bezahlen machte ihr keine Sorge. Die Zwillinge versicherten, dass sie unter denselben Konditionen wohnten und das überhaupt kein Problem sei. Das erste Telefonat mit dem Vermieter war ebenfalls sehr positiv verlaufen. Er wollte nur wissen, wie alt sie war, ob sie studierte und wie sie aussah.

"Klingt alles ganz passabel", meinte er, "kommen Sie doch einfach heute Nachmittag vorbei. Ich bin in meinem Büro."

Nun stand sie nervös vor der Tür des Vermieterbüros im Untergeschoss und kontrollierte ein letztes Mal den Sitz ihrer Kleidung. Extra für diesen Anlass hatte sie eine weniger provokante Kombination ausgewählt. Sie trug einen dunkelblauen Bleistiftrock, der erst oberhalb ihrer Knie endete, dazu eine eher konservative weiße Bluse. Hochgeschlossen? Nein, gewiss nicht, man musste seine Vorteile doch nutzen. Der Ausschnitt war gerade so tief, dass man mehr als eine Andeutung ihres Busens erkennen konnte, aber der spitzenbesetzte Rand des BHs nicht herausschaute. Ihre langen gewellten Haare umrahmten ihr dezent geschminktes Gesicht und fielen über ihre Schultern und ihren Rücken. Insgesamt hätte man sie auf den ersten Blick für die Sekretärin einer Anwaltskanzlei oder etwas ähnlich seriöses halten können.

Ihr Plan schien aufzugehen. Als sie nach dem "Herein" eingetreten war, blieben seine Augen sofort an ihrer Auslage hängen. Aber er behandelte sie mit ausgesuchter Höflichkeit, bot ihr einen Platz an und stand sogar höchstpersönlich auf, um ihr den Stuhl zurecht zu rücken. Wobei er die Gelegenheit selbstverständlich ausnutzte, um ihr von oben in die Bluse schielen zu können. Sie lächelte zufrieden. Diesen Mietvertag hatte sie so gut wie in der Tasche.

"Sie sprechen sehr gut deutsch, Brischit", versuchte er ein Kompliment, "haben Sie es in der Schule gelernt oder sind Sie schon länger in Deutschland?"

Sie kicherte kokett. "Oh, nein, Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Und nun sind meine Freundin und ich vor Kurzem in die Stadt gezogen, um an der Uni zu studieren."

"Ach ja, die Zwillinge erwähnten, dass Sie zwei Zimmer in der gleichen WG mieten wollen. Sagen Sie, wie ist ihre Freundin denn so?"

Zunächst erzählte Brigitte recht freimütig, was für ein toller Mensch Sophie war. Doch als Mellers Fragen immer tiefer gingen und vertraulicher wurden, wurde sie langsam misstrauisch. Andererseits sagte sie sich, dass dies ja nur verständlich sei, weil er bei diesem Gespräch von ihr einen persönlichen Eindruck gewinnen konnte, über die Abwesende sich aber erkundigen musste. Das war doch ein gutes Zeichen, dass er so viel Interesse zeigte, oder? Das hieß doch, dass er sie auch als Mieterin akzeptierte, ohne dass Sophie selbst vorsprechen müsste. Also bemühte sie sich, entspannt und nach bestem Wissen alles zu beantworten.

"Wunderbar. Dann steht der Vertragsunterzeichnung nichts mehr im Wege", beendete er das Interview und schob ihr ein mehrseitiges Papier über den Schreibtisch, "unterschreiben Sie bitte unten links."

Schwungvoll setzte Brigitte ihren Namen unter den Mietvertrag. Sie war überglücklich.

"Sophie wird sich riesig freuen. Ich nehme den Vertrag mit, hole noch ihre Unterschrift ein und bringe ihn gleich morgen früh wieder her."

Meller wiegte bedauernd den Kopf hin und her.

"Das wird leider nicht gehen. Ich kann die Zimmer nicht für Sie beide reservieren. Die Bewerberinnen stehen quasi Schlange, müssen Sie verstehen."

Brigitte klappte die Kinnlade herunter. Das war ein Problem. Nie würde sie hier allein einziehen und Sophie zurücklassen.

"Gut. Ich fahre sofort los, lasse Sophie unterschreiben und nehme die nächste Straßenbahn zurück. Da bin ich gerade mal in 40, 45 Minuten wieder da", versuchte sie, die Sache zu retten.

"Nein, ich brauche die Zusage jetzt sofort. Und sie müssen beide morgen schon einziehen. Leerstand kann ich mir nicht leisten. Bei der herrschenden Wohnungsnot wäre das höchst unsozial."

Er klang auf einmal stahlhart und bestimmt. Brigitte kamen beinahe die Tränen. So knapp vor dem Ziel und jetzt scheiterte sie an einer Kleinigkeit.

"Aber ich will mal nicht so sein ...", fuhr er sanfter fort.

Ihr Kopf ruckte hoch. Hoffnung erhellte ihr Antlitz wie ein Sonnenstrahl nach einen Gewitter.

"Wenn Sie auch für ihre Freundin unterschreiben, werde ich den Vertrag so akzeptieren und sie bekommen beide ihre Zimmer. Sie müssen nur oben zusätzlich die persönlichen Daten dieser Sophie eintragen und unten handschriftlich ergänzen, dass Sie den Vertrag auch in deren Namen geschlossen haben. Wie klingt das?"

"Ja, natürlich! Das ist klasse. Sie wird bestimmt nichts dagegen haben, ganz im Gegenteil."

Brigitte beeilte sich, Mellers Anweisungen auszuführen. Dann reichte sie ihm die fertiggestellten Papiere. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Aufgeregt sprang sie auf, um sich zu verabschieden und so schnell wie möglich die gute Nachricht zu überbringen.

Sie war schon beinahe an der Tür, als ihr etwas einfiel. Sie drehte auf dem Absatz um.

"Ähm, Herr Meller, mir fällt gerade noch eine Frage ein. Chloe und Clodette sagten, dass die Miete abgearbeitet werden soll. Was genau wäre denn da zu tun?"

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