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Chapter 3 by Jan1974 Jan1974

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Blicke

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich endlich von Lenas Anblick losreißen konnte. Erst dann ließ ich den Blick schweifen und nahm den Strand richtig wahr. Er war belebter, als ich zunächst gedacht hatte: ein buntes Gemisch aus Familien mit quietschenden Kindern, Pärchen, die eng umschlungen dalagen, und ganzen Gruppen, die sich lachend unter Sonnenschirmen versammelt hatten. Manche schienen auf Klassenfahrt, andere auf Junggesellenabschied – jedenfalls war der Sand übersät mit Handtüchern, Kühlboxen und aufblasbaren Flamingos.
Zwischen all dem fielen mir die Männer auf. Einzelne, die mit einem Bier in der Hand dösten; Pärchen, bei denen der Freund ab und zu verstohlen herüberschielte; und dann die Grüppchen – drei, vier Kerle, die sich im Halbkreis aufgestellt hatten, mit nackten Oberkörpern und Sonnenbrillen, die sie lässig in die Haare geschoben hatten. Sie redeten, lachten, stießen sich mit den Ellbogen an. Und immer wieder wanderten ihre Blicke zu Lena.
Die Typen mit Freundinnen waren diskret: ein kurzer Seitenblick, ein hastiges Wegsehen, wenn sie merkten, dass ich sie bemerkte. Die in den Männergruppen hingegen machten kein Hehl daraus. Einer, mit tätowierten Armen und einem Dreitagebart, deutete mit dem Kinn in Lenas Richtung, während sein Kumpel – blond, breite Schultern – grinsend etwas murmelte. Ein dritter, der gerade seine Wasserflasche öffnete, hielt mitten in der Bewegung inne, die Augen fest auf sie geheftet.
Ihre Blicke waren nicht aufdringlich, nicht wirklich. Eher… neugierig. Gierig. Wie jemand, der ein Kunstwerk betrachtet und sich fragt, ob er es anfassen darf. Und ich? Ich spürte keinen Stich, kein Ziehen im Magen. Keine Eifersucht. Stattdessen kroch ein seltsames, warmes Kribbeln in mir hoch – ein Gefühl, das ich so noch nie gekannt hatte. Es gefiel mir. Die Art, wie sie sie ansahen. Wie sie sie wollten. Und wie sie doch wussten, dass sie nur gucken durften.
Ich lehnte mich zurück, stützte mich auf die Ellbogen und ließ den Blick über die Szenerie gleiten. Die Sonne brannte, das Meer rauschte, und irgendwo lachte Lena leise im Schlaf. Ich lächelte. Vielleicht war das hier mehr als nur Urlaub. Vielleicht war das der Anfang von etwas Neuem.

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