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Chapter 20

What's next?

Bier und Bob

Heike starrte noch lange auf die Tür, die hinter Klaus zugefallen war. Ihm war offensichtlich nicht bewusst, was es bedeutete, wenn sie Bier bestellte. Onkel Mirza würde es ich nicht entgehen lassen, die Ware persönlich auszuliefern und sofort zu kassieren. Durch das elektronische Schließsystem hatte der Lieferservice Zugang zu allen Gebäuden, so dass sie ihn nicht davon abhalten konnte, hereinzukommen. Sie überlegte, ob sie sich irgendwo verbergen könnte, damit er sie nicht fände. Doch das Apartment war viel zu klein und bot keine geeigneten Verstecke.

Eventuell könnte sie einfach die Wohnung verlassen. Aber wo sollte sie sich in der Zwischenzeit aufhalten? Alle Häuser stünden tagsüber leer. Sie wusste nur von Till, dass er möglicherweise zuhause wäre. Ob der hagere IT’ler sie ohne Weiteres hereinlassen und beherbergen würde, war sie sich nach ihrer ersten Begegnung allerdings nicht hundertprozentig sicher.

Da war noch jemand, korrigierte sie sich: Bob. Klaus hatte erzählt, dass der Engländer zu ungewöhnlichen Zeiten arbeitete, was umgekehrt bedeuten würde, dass Bob zu gewöhnlichen Zeiten in seiner Unterkunft anzutreffen sein könnte. Sie beschloss, einen Versuch zu wagen.

Zunächst bestellte sie ein paar konventionelle Dinge über die App des Lieferservice und wartete ab, bis Nadeem sie ins Haus brachte. Der junge Pakistani war wie die Male zuvor übermäßig zurückhaltend und wortkarg. Dabei hatte sie sich zu seinen Gunsten extra züchtig angezogen mit einem knöchellangen Rock und weitem T-Shirt, das ihre Kurven in keiner Weise betonte. Sichtlich eingeschüchtert und ein wenig verklemmt nahm er ihre mündliche Bestellung nach einen Sixpack Bier und einer Flasche Wodka entgegen und versprach, dass sie noch am gleichen Tag geliefert würde.

Kaum hatte er den Lieferwagen gestartet und war damit außer Sicht, verließ Heike ihre Unterkunft und machte sich auf den Weg drei Häuser weiter. Wie sie insgeheim erwartet hatte, reagierte niemand auf ihr Klingeln. Doch dieses Mal ließ sie sich davon nicht abschrecken. Vehement hämmerte sie mit der Faust gegen die Tür und rief lautstark: „Hallo! Ist jemand zuhause?“

Es war ein Schuss ins Blaue, aber sie traf ins Schwarze. Mehrere eindringliche Rufe und eine Minute später wurde die Haustür von innen geöffnet. Der Bewohner blinzelte ins helle Tageslicht, als könne er nicht glauben, dass tatsächlich ein lebender Mensch auftauchte. Vermutlich wäre ihm eine Fata Morgana plausibler erschienen.

Obwohl es bereits nach Mittag war, hatte Heike den Mann vermutlich direkt aus dem Schlaf geholt. Er war unrasiert, sein schütteres dunkelbraunes Haar zerzaust. Er hatte sich einen Morgenmantel übergeworfen, der vorne aufklaffte und das Unterhemd und die mit Comic-Früchten bedruckten Boxershorts enthüllte. Seine Figur war untersetzt und zeigte einen Bauchansatz. Als er erkannte, dass ihm eine Frau gegenüberstand, raffte er das Kleidungsstück hastig zusammen, um anständiger auszusehen.

„Hallo, ich bin Heike.“

Ihre Begrüßung hätte nicht freundlicher klingen können. Seine gebrummte, unverständliche Antwort kaum unfreundlicher. Sie ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern trat entschlossen näher, was ihn automatisch ein paar Schritte zurückweichen ließ. Sie nutzte den entstehenden Raum, um entschieden die Schwelle zu überqueren. Hinter sich drückte sie die Tür zu.

„Heiß, draußen, nicht wahr? Du bist bestimmt Bob.“

Sie streckte ihm die rechte Hand entgegen, die er reflexhaft ergriff.

„Freut mich, dich endlich kennenzulernen. Ich wohne erst seit Kurzem hier und dachte, ich stelle mich mal als neue Nachbarin vor. Mein Mann Klaus, du kennst ihn bestimmt von der Arbeit, er leitet das Planungsteam für die Infrastruktur, sagte mir, dass du hier wohnst und gewöhnlich tagsüber anzutreffen bist. Weil sonst kaum jemand da ist, mit dem ich mich unterhalten könnte, freut es mich ganz besonders, dich zu treffen.“

Sie plapperte einfach drauflos und ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. Derweil drängte sie immer weiter voran, bis sie in der Wohnküche stand. Der Raum machte den gleichen unaufgeräumten Eindruck, den sie schon beim ersten heimlichen Blick über die Umfassungsmauer gewonnen hatte. Auch davon ließ sie sich nicht irre machen, zog unaufgefordert einen Stuhl zu sich heran, ohne sich an dem über die Lehne hängenden Hemd zu stören, und setzte sich.

„Na, Bob, ich hoffe, ich habe dich nicht bei irgendetwas Wichtigem gestört?“ Sie grinste ihn breit mit einer übertriebenen Unschuldsmiene an. „Hast du vielleicht etwas Kaltes zu **** da?“

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