What's next?

Besuch im Nest 1

Das Klacken ihrer Absätze stoppte direkt auf der Schwelle.

Vanessa trat ein – wie immer eine Naturgewalt aus gepflegtem Selbstbewusstsein, teurem Kaschmirmantel und einer Wolke ihres schweren, floralen Parfüms. Sie schob ihre Sonnenbrille mit einer geübten Bewegung ins Haar, warf ihre Handtasche auf die Flurkommode und schloss Loona mit einem tiefen, befreiten Seufzen in die Arme.

„Gott, was für ein Höllentrip auf der A24“, gurrte sie, löste sich von ihrer Tochter und strich ihr liebevoll eine Strähne aus der Stirn. „Drei Baustellen, stockender Verkehr… aber kaum ist man hier, riecht es nach frischem Kaffee. Ihr seid Engel.“

Ihr Blick wanderte weiter. Direkt zu mir.

Ich stand drei Schritte dahinter, die Hände diszipliniert an die Hosennaht gelegt, die Zähne aufeinandergebissen. Der Chino-Stoff spannte sich wie Pergament über den stählernen Ring; das kleine Vorhängeschloss bohrte sich unbarmherzig in die empfindliche Haut meines linken Oberschenkels. Jeder Instinkt meines Körpers schrie danach, die Beine zu lockern, das Gewicht zu verlagern – doch Loonas eisiger Blick im Augenwinkel hielt mich wie in einem unsichtbaren Schraubstock gefangen.

„Hallo, Vanessa“, brachte ich hervor. Meine Stimme klang erstaunlich fest, auch wenn mir der kalte Schweiß über das Rückgrat rann. „Schön, dass du da bist.“

„John, mein Bester!“, rief sie, trat mit offenen Armen auf mich zu und zog mich an sich.

Die Umarmung traf mich wie ein Stromschlag. Sie drückte ihren Oberkörper fest gegen meinen, und für den Bruchteil einer Sekunde prallte ihre Hüfte haarscharf an der stummen, metallischen Härte unter meiner Hose vorbei. Mein Magen krampfte sich panisch zusammen. Wenn sie jetzt nur zehn Zentimeter tiefer gegriffen oder ihr Gewicht ungünstig verlagert hätte, wäre die kalte Röhre aus Chirurgenstahl durch den Stoff hindurch unübersehbar gewesen.

Doch sie merkte nichts. Sie klopfte mir zweimal kräftig auf den Rücken, löste sich und musterte mein Gesicht mit prüfendem, mütterlichem Blick.

„Du siehst ein bisschen blass aus, mein Lieber“, stellte sie fest, legte den Kopf schief und musterte meine Augenringe. „Lernst du wieder Nächte durch? Das Physikum ist wichtig, ja, aber du darfst dich nicht vollkommen ruinieren. Dein Vater macht sich schon Sorgen, dass du nur noch vor den Büchern hockst.“

„Er war das ganze Wochenende über extrem fleißig, Mama“, schaltete sich Loona mit honigsüßer Stimme ein. Sie trat neben mich, legte eine Hand auf meine Schulter und bohrte ihre Fingernägel mit einer millimetergenauen, grausamen Präzision durch den dünnen Hemdstoff. „Ich musste ihn regelrecht zwingen, heute Morgen mal eine Pause einzulegen. Er ist eben… absolut fokussiert. Nicht wahr, John?“

„Ja… ich versuche einfach, den Stoff nicht schleifen zu lassen“, stammelte ich und zwang meine Lippen zu einem gefassten Lächeln, während Loonas Nägel schmerzhaft tiefer drückten.

„Ein vorbildlicher Junge“, nickte Vanessa anerkennend, streifte ihren Mantel ab und reichte ihn mir beiläufig. „Häng den bitte auf, Liebling. Und dann lass uns ins Wohnzimmer gehen, ich brauche dringend Koffein und etwas Zucker.“

Sie stöckelte mit elegant wiegenden Schritten den Flur hinunter ins Wohnzimmer.

Kaum war sie um die Ecke gebogen, wandte sich Loona zu mir um. Ihr Lächeln verschwand nicht, doch ihre Augen wurden schlagartig zu kaltem Eis. Sie griff nach vorn, fasste durch den Hosenstoff hindurch fest um den Schaft des Zylinders und zog ihn mit einem kurzen, brutalen Ruck nach oben. Der stählerne Ring rammte sich tief in meine geschundenen Schambeinstränge. Ein ersticktes Keuchen entfuhr mir; die Knie knickten fast ein.

„Sehr ordentlicher Anfang“, hauchte sie mir mit schneidender Bosheit ins Ohr. „Du bringst jetzt den Kaffee. Wenn du beim Einschenken zitterst, John, setze ich mich nachher neben dich und greife unter den Tisch. Hast du mich verstanden?“

„Ja… Loona“, stieß ich mit trockener Kehle hervor.

Sie wandte sich ab und schlenderte mit unschuldiger Leichtigkeit ins Wohnzimmer hinter ihrer Mutter her.

Ich holte das silberne Tablett aus der Küche. Die weiße Kanne war heiß, die Tassen klirrten leise, als ich sie aneinanderstellte. Jeder Schritt ins Wohnzimmer verlangte unmenschliche Konzentration: Der feste Stoff der Chino rieb bei jeder Bewegung über die Kanten des Gehäuses, das Schloss scheuerte brennend an den Sehnen, und der dumpfe Kater der vergangenen Nacht pochte im Takt meines übersteuerten Herzens.

Als ich den Raum betrat, bot sich das perfekte bürgerliche Idyll.

Vanessa hatte es sich auf dem Ecksofa bequem gemacht, die Beine elegant übereinandergeschlagen, die nylonglatten Waden glänzten im warmen Nachmittagslicht. Loona saß im Sessel gegenüber, nippte an einem Glas Wasser und plauderte gelöst über eine Ausstellung, die sie angeblich besuchen wollte.

„Ah, der Retter!“, rief Vanessa, als ich mich mit dem Tablett näherte.

Ich trat an den niedrigen Couchtisch heran. Nun kam der Moment, vor dem mir am meisten gegraut hatte: das Bücken.

Um die Kanne abzustellen, musste ich in die Knie gehen. Wenn ich den Oberkörper zu weit nach vorn beugte, spannte sich die Hose über meinem Gesäß und presste den oberen Rand des Zylinders mit brachialer Wucht nach unten; beugte ich die Knie zu weit, drohte die harte, zylindrische Silhouette sich wie eine Faust durch die Front der Chino abzuzeichnen.

Ich biss die Zähne zusammen, hielt den Rücken stocksteif und ging langsam in die Hocke. Ein stechender, reißender Schmerz explodierte in meiner Leiste, als das Metall die verquollenen, wundgeriebenen Hautpartien einklemmte. Mein Blick verschwamm für eine Sekunde, doch ich hielt das Tablett mit eisernem Willen waagerecht und setzte es lautlos auf dem Glas ab.

„Schwarz mit einem halben Löffel Zucker, richtig?“, fragte ich mit mühsam kontrollierter Stimme.

„Du merkst dir einfach alles, mein Lieber“, lächelte Vanessa und sah mir zu, wie ich die Kanne hob.

Meine Finger spannten sich weiß um den Porzellangriff. Das heiße Getränk floss in einem gleichmäßigen, sauberen Strahl in ihre Tasse. Kein Klappern, kein Verschütten. Ich stellte die Kanne zurück, reichte ihr die Untertasse und blieb vor dem Tisch stehen – die Hände gefaltet, unfähig, mich normal zu entspannen.

„Jetzt setz dich doch erst mal, Junge“, forderte Vanessa mich auf und klopfte mit der Handfläche auf das freie Polster des Sofas, direkt neben sich. „Du stehst da ja wie ein Diener bei Hofe. Setz dich zu mir, nimm dir ein Mandelgebäck und erzähl mir von deinen Professoren.“

Mein Herz setzte für einen Schlag aus.

Aus dem Sessel herüber sah Loona mich an. Ihre Brauen hoben sich minimal, ein eisiges, triumphierendes Glitzern trat in ihre Augen. Sie wusste ganz genau, was das weiche, tiefe Sofa für mich bedeutete: Wer dort einsank, presste die Beine unweigerlich eng an den Körper – und rammte den Zylinder mit vollem Körpergewicht in die eigene Leiste.

„Ich… ich kann auch auf dem Hocker—“, setzte ich an.

„Unsinn!“, winkte Vanessa energisch ab und riss mich mit einer forschen Bewegung am Unterarm nach unten. „Hierher mit dir.“

Ich stürzte fast unkontrolliert in die tiefen Polster.

Das Sofa gab unter meinem Gewicht nach, die Knie hoben sich – und der Zylinder rammte mit der Wucht eines Hammerschlags frontal gegen mein Schambein. Die Streben quetschten das eingesperrte Fleisch zusammen; das Schloss schlug dumpf an den Knochen. Eine Welle reiner, blendender Pein schoss durch mein Nervensystem, so heftig, dass mir für zwei Sekunden buchstäblich das Sehen verging.

Ich riss die Augen auf, klammerte meine Finger unbemerkt tief in den Polsterstoff neben meinen Schenkeln und presste die Lippen so fest aufeinander, dass sie weiß anliefen.

„Alles in Ordnung, John?“, fragte Vanessa stirnrunzelnd, hielt ihre Kaffeetasse an den Lippen an und sah mich von der Seite an. „Du hast gerade so seltsam gezuckt.“

Im Sessel gegenüber lehnte sich Loona genüsslich zurück, schlug die Beine übereinander und lächelte wie eine Schlange, die ihre Beute beim Ersticken beobachtet.

„Ja, John“, hauchte Loona mit zuckersüßer Stimme über den Tisch. „Ist alles in Ordnung mit dir? Du sitzt so… verkrampft da. Drückt dich irgendwo etwas?“

Mein Blick zuckte für den Bruchteil einer Sekunde zu Loona. In ihren Augen blitzte die unverhohlene Lust daran, mich auf dieser Rasierklinge balancieren zu sehen.

„Nein… nichts“, brachte ich mit gepresster Stimme hervor. Jeder Atemzug war ein Drahtseilakt, weil sich der feste Chino-Bund bei jeder Hebung des Brustkorbs noch tiefer in den oberen Rand des Zylinders grub. „Ich habe… ich habe heute Morgen beim Aufräumen nur eine Kiste falsch angehoben. Der Rücken zieht ein bisschen.“

Vanessa schnaubte leise, halb mitleidig, halb belustigt, und trank einen Schluck aus ihrer Tasse. „Typisch. Anatomie pauken, aber keine Ahnung von richtiger Hebe-Ergonomie. Du musst aus den Knien heben, mein Lieber, nicht aus dem Kreuz.“

Sie wandte sich wieder ganz an mich, stellte die Untertasse auf dem Tisch ab und legte ganz selbstverständlich eine Hand auf meinen Oberschenkel – nur handbreit entfernt von der Stelle, an der sich die starre Wölbung unter dem beigen Stoff abzeichnete. Die Wärme ihrer Handfläche schlug durch die Baumwolle. Mein gesamter Unterleib erstarrte; mein Herz hämmerte so wuchtig, dass ich fürchtete, sie könne die Schläge durch das Hosenbein spüren.

„Apropos Anatomie“, fuhr sie fort und lehnte sich ein Stück weiter zu mir herüber. Ihr schweres, blumiges Parfüm drängte sich in meine Nase. „Dein Vater hat mir erzählt, dass ihr nächste Woche mit dem Präpkurs für die inneren Organe und das Becken anfangt. Wie kommst du mit dem Stoff voran? Ihr hattet doch diesen extrem strengen Prüfer… wie hieß er noch gleich?“

„Professor… Professor Bergmann“, krächzte ich. Ich musste mich zwingen, den Kopf nicht wegzudrehen. Mein linker Fuß war in einer unnatürlichen Schräglage verkeilt, um zu verhindern, dass das kleine Messingschloss bei der kleinsten Regung gegen die Holzleiste des Couchtischs schlug. „Er… er legt viel Wert auf die Gefäßversorgung und die Leitungsbahnen.“

„Genau, Bergmann!“, rief Vanessa, und ihre Finger drückten bei der Betonung unwillkürlich ein Stück fester in meinen Oberschenkel. Der Zylinder verkantete minimal, eine scharfe Kante schnitt tief in die geschundenen Sehnen am Schambein.

Ein kalter Schweißtropfen löste sich an meiner Schläfe und rann langsam an der Wange hinab. Meine Finger krallten sich noch tiefer in den Sofastoff.

„Du musst ihn unbedingt von Anfang an überzeugen, John“, dozierte sie mit mütterlichem Nachdruck. „Dein Vater hat so große Stücke auf dich gesetzt, als du den Studienplatz bekommen hast. Du darfst dir da keine Blöße geben. Zeig ihm einfach, dass du Durchhaltevermögen hast. Dass du diszipliniert bist.“

Im Sessel gegenüber stellte Loona ihr Glas ab. Das feine Klirren riss mich aus der Starre.

„Oh, an Disziplin fehlt es ihm ganz sicher nicht, Mama“, schaltete sich Loona mit honigsüßer, zweideutiger Grausamkeit ein. Sie neigte den Kopf zur Seite und musterte mich wie ein anatomisches Präparat. „John kann unglaublich lange stillhalten, wenn man es von ihm verlangt. Er fügt sich absolut jedem Druck. Du würdest staunen, wie belastbar er in den letzten Tagen geworden ist.“

Vanessa lachte hell auf, vollkommen blind für die Kälte hinter den Worten ihrer Tochter. „Na, das will ich doch hoffen! Ein Arzt, der beim ersten Widerstand einknickt, taugt nichts.“

Sie nahm ihre Hand von meinem Bein, griff nach einem Mandelgebäck und biss hinein. Die plötzliche Entlastung war fast so schmerzhaft wie der Druck zuvor; das Blut pulsierte brennend durch die eingequetschten Bahnen.

„Aber weißt du, was mir auffällt?“, sagte Vanessa plötzlich und musterte mich stirnrunzelnd von Kopf bis Fuß. „Dieses Hemd. Und die Chino. Du siehst ja furchtbar brav aus, mein Bester. Fast ein bisschen… steif.“

Sie warf ihrer Tochter einen amüsierten Blick zu.

„Erinnerst du dich noch an unseren Ku’damm-Bummel vor ein paar Wochen, Loona? Als wir nach der Dessous-Boutique gescherzt haben, dass wir seinen Kleiderschrank mal dringend modernisieren müssten?“

Mein Magen stürzte ins Bodenlose. Die Luft im Zimmer schien mit einem Schlag zu gefrieren.

„Aber natürlich erinnere ich mich daran, Mama“, antwortete Loona mit einem Lächeln, das so scharf war wie eine Rasierklinge. Ihre Augen bohrten sich tief in meine. „Ich habe ihm ja schon gesagt, dass er sich modisch ruhig mal etwas mehr trauen darf. Etwas… Körperbetonteres. Etwas, das nicht so viel Spielraum lässt.“

Vanessa schluckte das Gebäck hinunter, wischte sich mit einer zarten Stoffserviette die Krümel von den Fingerspitzen und sah mich mit diesem herablassenden, mütterlichen Wohlwollen an, das mich tausendmal mehr entwürdigte als jeder offene Hieb.

„Genau das meine ich“, gluckste sie. „Mein Lieber, du bist jung, du hast eine gute Figur – du musst dich doch nicht in diesen altmodischen Männerklamotten vergraben. Warum nicht mal was Frisches? Was Zartes?“

Sie beugte sich vor, tippte mir mit dem Zeigefinger leicht gegen die Brust und fügte mit einem rauchigen Kichern hinzu:

„Loona hat mir vorhin im Flur geflüstert, dass du die Sachen aus der Boutique tatsächlich behalten hast. Sag mal, John… trägst du das feine Höschen heute eigentlich drunter?“

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