What's next?
Belastungstest
Das Schlafzimmer lag im gedämpften Nachmittagslicht. Die Vorhänge waren halb zugezogen, und auf der gepflegten Tagesdecke stand die mattschwarze Schatulle bereits offen.
„Zieh die Hose aus und setz dich auf die Bettkante“, wies Loona mich an, ohne sich umzudrehen. „Ich will sehen, was ich da eigentlich verpacken muss.“
Ich zog die Jeans ab, streifte die Boxershorts herunter und setzte mich auf die kühle Matratze. Die bläulich-roten Druckstellen pochten dumpf; das brennende Reißen der Vortage war abgeflaut.
Loona kniete sich zwischen meine Beine. Mit ruhigen, fast chirurgischen Bewegungen zog sie die Schutzfolie von den Silikonstreifen und klebte das Material an die Innenseite des größten Rings.
„Heb dich ein Stück an. Langsam. Wenn etwas zwickt, sagst du es sofort.“
Ihre Finger schoben den gepolsterten Ring hinter die Hoden, strichen über die gereizte Haut, prüften, ob das Silikon die Flecken wirklich abdeckte. Dann die weite Hülse über die Eichel, Spielraum, Bolzen, erste Rastung, Messingschloss.
*Klick.*
„So. Jetzt will ich wissen, ob das hält, oder ob ich dich in zwei Stunden wieder aufmachen muss, weil du vor Schmerzen das Gesicht verziehst.“ Ihre Stimme wurde dunkler. „Belastungstest.“
Sie zog den Pullover in einer Bewegung über den Kopf. Darunter nur das hauchdünne, schwarze Spitzen-Bralette. Die dunklen Vorhöfe zeichneten sich ab, als atme der Stoff mit. Dann die Jogginghose. Der String: zwei Seidenfäden über den Hüftknochen, ein Dreieck Spitze, das mehr zeigte als verbarg.
Ich starrte.
Es war nicht einfach Nacktheit. Es war, wie selbstverständlich sie dastehen konnte – Schultern locker, Kreuz leicht durchgedrückt, das Nachmittagslicht auf der Innenseite ihrer Schenkel. Ich dachte an die Nacht, an ihren Kuss, an die Hand auf meinem Bauch, und gleichzeitig daran, dass dieselbe Frau eben ein Schloss an mir zugedrückt hatte. Der Widerspruch machte mich schwindelig. Ich hätte sie anbeten können. Ich hätte weglaufen können. Ich tat keins von beiden. Ich saß da und ließ zu, dass mein Blick an ihr hängen blieb, als wäre das schon Ungehorsam genug.
Das Blut schoss nach vorn. Das Fleisch bäumte sich auf, stieß gegen den Stahl. Ich krallte die Hände in die Decke und wartete auf den alten, schneidenden Schmerz.
Er blieb aus.
Die Hülse gab Raum. Das Silikon fing den Druck ab. Ein Panzer, der festhielt, ohne die Wunden aufzureißen. Ein zittriger Laut entwich mir.
Loona trat zwischen meine Knie, Oberschenkel warm an meinen. Zedernholz, Mandeln, ihre Haut.
„Na?“, fragte sie leise und legte die Hand flach auf den erhitzten Zylinder. Sie drückte zu, fest, prüfend. „Tut das weh, oder scheuert nur das Silikon? Ich will eine ehrliche Antwort, John, nicht das, was du denkst, das ich hören will.“
„Es tut nicht weh“, stieß ich hervor. Das Metall pulsierte unter ihren Fingern. „Es hält. Es… es drückt, aber es reißt nicht.“
„Gut. Dann kann er auch dableiben, während du etwas Nützlicheres mit dem Mund machst als Erklärungen.“
Sie hakte den String zur Seite. Kein langes Ritual. Nur dieser eine Griff – und plötzlich war ihre Scham direkt vor meinem Gesicht, feucht schimmernd, der Geruch warm und moschusartig, so nah, dass mir für einen Herzschlag der Verstand aussetzte.
Das durfte ich nicht. Das war der Gedanke, der zuerst kam. Nicht nach Emma, nicht nach dem Bad, nicht nach ihrer Entschuldigung. Und trotzdem stand sie so, als wäre genau das der Preis dafür, dass der Stahl heute nicht folterte. Ich sah die feine Linie der Spitze, die sie zur Seite gezogen hatte, den weichen Ansatz der Schamlippen, das Zittern in ihrem Unterbauch, als sie einatmete. Sie war so schön, dass es wehtat. Nicht modellhaft, nicht unwirklich – konkret, warm, zum Anfassen nah, und ich durfte sie nicht mit den Händen nehmen.
„Auf die Knie“, sagte sie, und die Härte darin war fast zärtlich. „Du hast zwei Stunden, bevor er klingelt, und ich habe keine Lust, den ganzen Abend mit dieser Unruhe herumzulaufen, nur weil du mich so ansiehst. Also leck mich. Richtig. Nicht so, als würdest du um Erlaubnis bitten.“
Ich rutschte von der Kante. Der Käfig lag schwer und voll zwischen uns, unsichtbar für sie nur, wenn sie nicht hinsah – und sie sah hin, kurz, mit diesem dünnen Lächeln.
Ihre Hand fand mein Haar, zog meinen Mund an sich.
Der erste Zug war heiß und glatt. Nur sie. Ich legte die Zunge flach an, fuhr langsam die inneren Lippen hoch, fand den Kitzler, kreiste, hörte, wie ihr Atem sich veränderte. In meinem Kopf war alles zu laut: *Das ist Loona. Die Loona aus dem Bad. Die Loona, die mich geküsst hat.* Und darunter, dunkler: *Sie lässt dich das tun, und du kommst trotzdem nicht.*
„Etwas fester“, murmelte sie oben. „Du weißt, wo. Du hast lange genug zugesehen, wie ich atme, wenn du zu nah kommst.“
Ich saugte vorsichtig, dann entschlossener. Sie schob das Becken in kleinen, herrischen Kreisen gegen meinen Mund. Jedes Mal stieß ich dumpf gegen das Polster im Ring – kein Reißen, nur dieses glühende, ausweglose Pochen, das mit ihr Takt hielt. Ich hätte fast gelacht vor Verzweiflung. Stattdessen leckte ich weiter, schluckte, was sie mir gab, atmete gegen ihre Haut.
Sie schmeckte nach Wärme und etwas Herbem, das ich schon in der Nacht in ihrem Kissen gehabt hatte. Ich dachte daran, dass Timo in zwei Stunden genau dieses Kleid anstarren würde, und dass er nie wissen würde, wo mein Mund gerade war. Die Gemeinheit davon brannte süßer als der Stahl.
„Bleib genau da“, sagte sie, die Stimme schon enger. „Nicht schneller werden, nur nicht aufhören. Ich will kommen, bevor die Gegensprechanlage geht – und du wirst das mit der Zunge zu Ende bringen, nicht mit den Fingern.“
Ich blieb. Hartnäckig, denselben Punkt, die Hände auf meinen eigenen Oberschenkeln, weil ich nicht wusste, ob ich sie anfassen durfte. Ihre Schenkel zitterten. Feuchtigkeit lief mir über Kinn und Hals.
„Schluck das“, flüsterte sie. „Ich habe keine Zeit, mich noch mal umzuziehen, wenn du die Tagesdecke vollmachst.“
Ich schluckte, saugte den Kitzler zwischen die Lippen. Loona preßte sich fest auf meinen Mund, eine Hand im Haar, die andere irgendwo am Schrank, und kam ohne großen Schrei – ein langes, kehliges Ausatmen, das Becken in kurzen, harten Stößen, die Schenkel eine Klammer um meinen Kopf. Eine heiße Welle über die Zunge. Ich trank, hielt still, ließ sie auszittern, bis der Griff in meinen Haaren nachließ.
Sie hob das Becken. Ein feuchter Faden riss ab. Mein Gesicht glänzte. Die Lungen zogen gierig Luft. Zwischen meinen Beinen pochte es weiter, sinnlos und eingesperrt.
Loona schob den String zurück, strich sich mit zwei Fingern den Saum glatt, als hätte sie nur den Lippenstift korrigiert.
„Steh auf. Wisch dir den Mund ab, bevor du irgendwo Spuren lässt. Dann ziehst du dir die Hose an – die dunkle, nicht die Jeans. Ich will nicht, dass unter dem Stoff irgendetwas verdächtiges durchdrückt, wenn er dich umarmt.“
Ich gehorchte mit zittrigen Beinen. Der Käfig lag unsichtbar darunter, voll, verlangte, bekam nichts. Der Geschmack von ihr blieb auf der Zunge wie ein zweites Schloss.
Sie ging zum Schrank. Jeder Schritt ließ die Fäden des Strings in die Hüften schneiden. Ich folgte ihr wie betrunken.
„Die Halterlosen liegen in der Schachtel. Zieh sie mir an, und konzentrier dich. Wenn du eine Laufmasche machst, weil du noch mit dem Kopf zwischen meinen Beinen hängst, ziehst du das zweite Paar auch noch an.“
Ich kniete, öffnete die Schachtel, raffte das Nylon. Sie setzte den Fuß auf die Bettkante, streckte die Zehen. Für einen Moment sah ich nur diesen Fuß – schmal, gepflegt, der Rist noch warm vom Stehen – und der Rest in mir, der eben noch an ihrem Geschmack hing, kippte in etwas Einfacheres. Ich beugte den Kopf und küsste den Spann, dann die Zehenkuppen, kurz, andächtig, als gehörte das zum Anziehen dazu.
Loona schnaufte leise oben. Kein Hohn. Eher Überraschung, die sofort in Belustigung kippte.
„Du bist unmöglich“, murmelte sie, und ich hörte das Lächeln in der Stimme. „Gerade erst den Mund voll gehabt, und jetzt küsst du mir die Füße, als würdest du einen Antrag vorbereiten. Zieh den Strumpf an, Romeo, bevor Timo uns beide in dieser Pose erwischt.“
Heißes Blut stieg mir ins Gesicht. Ich gehorchte, zog das Nylon über Zehen, Ferse, Wade. Meine Finger brannten an ihrer Haut. Der Spitzenbund setzte sich unter dem Ansatz ihres Hinterns. Zweites Bein – und bevor ich den Stoff raffte, küsste ich auch diesen Spann, schneller, fast schuldbewusst.
„Ja, ja“, sagte sie weicher, den Fuß geduldig hingehalten. „Beide. Damit die Welt in Ordnung ist. Und jetzt wirklich der Strumpf.“
Im Spiegel sah sie mein Schlucken – und ich sah, was sie sah: einen Mann auf den Knien, nassen Mund, gehorsame Hände, und darunter den geheimen Stahl.
Smaragdgrünes Kleid. „Reißverschluss. Langsam. Du hast eben bewiesen, dass du präzise sein kannst.“
Meine Knöchel an ihrer Wirbelsäule, Millimeter für Millimeter. Das Dekolleté tief, Spitze am Ausschnitt. Der Stahl spannte sich erneut.
Sie drehte sich in meinen Händen um. Der Daumen strich über meine Unterlippe, genau dort, wo noch ihr Geschmack lag.
„Glaubst du, Timo gefällt das Kleid?“, fragte sie leise, fast neugierig. „Glaubst du, er wird den ganzen Abend so tun, als würde er dir zuhören, während er eigentlich nur hierher starrt?“
„Er wird wahnsinnig werden“, presste ich heiser hervor. „Er wird versuchen, es nicht zu zeigen. Und es trotzdem tun.“
„Soll er.“ Sie grinste und ihre Augen funkelten.
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