What's next?
Begutachtung durch den fremden Mann
Ich sah, wie der fremde, ältere Mann langsam um mich herumging und mich prüfend betrachtete. In diesem Moment fühlte ich mich seltsam klein und verletzlich, und gerade diese gespannte Unsicherheit ließ mein Herz schneller schlagen. Rainer strich mir beruhigend über die Wange. „Entspann dich“, sagte er leise. „Es passiert nichts. Er sieht dich nur an.“
Der fremde Mann wandte sich an Rainer. „Sie hat eine bemerkenswerte Ausstrahlung“, sagte er ruhig. „Und du hattest recht: Sie wirkt, als würde sie dir sehr vertrauen. Was hast du mit ihr vor?“ Ich hörte, wie Rainer antwortete: „Sie ist die erste Frau, die ich wirklich an meiner Seite formen möchte. Sie ist bezaubernd, aufmerksam und verdient Geduld, Klarheit und eine sorgfältige Führung. Ich weiß, dass sie ihr Bestes geben wird.“ Ich schluckte und spürte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg.
„Sie ist reizend, wenn sie verlegen wird“, hörte ich ihn sagen. „Man spürt, dass sie bereit ist, sich auf etwas Neues einzulassen.“ Seine Worte hingen einen Augenblick in der Luft, und ich wusste nicht, ob sie mich beruhigten oder noch unruhiger machten.
Der fremde Mann ging noch immer langsam um mich herum. Dann legte er mir die Hand auf den Kopf und strich mir beinahe beiläufig durch die Haare. „Du hast Glück mit Rainer“, sagte er leise. „Er hat Geduld. Er ist einfühlsam. Er zwingt nichts, sondern wartet, bis du ihm folgst.“ Seine Stimme wurde kühler. „Bei mir wäre das anders. Weniger sanft. Weniger nachsichtig.“ Einen Augenblick lang hielt er inne, dann hob er mein Kinn mit einer knappen Bewegung an. „Vielleicht brauchst du genau diesen schmalen Grat.“
Ich schluckte und sah, wie Rainer sich setzte. Von seinem Platz aus beobachtete er die Szene mit einem kaum merklichen Lächeln. Der Fremde hielt noch immer mein Kinn, zwang mich jedoch nicht, sondern ließ mir gerade so viel Raum, dass ich seinem Blick nicht ausweichen konnte. „Meine Liebste“, fragte Rainer leise, „möchtest du mir gefallen?“ Ich zögerte. Innerlich zitterte ich, und in meinem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander. Da spürte ich eine kurze, deutliche Berührung an meiner Wange — nicht schmerzhaft, eher wie ein scharfes Zeichen. „Dein Meister hat dich etwas gefragt“, sagte der fremde Mann ruhig.
Meine Wange prickelte noch. Es war nicht hart gewesen, aber bestimmt genug, um mich aus meinem wirren Schweigen zu reißen. Ich atmete ein, senkte kurz den Blick und antwortete schließlich leise: „Ja. Das möchte ich.“
0 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.