What's next?
Bakari‘s Pläne für die „Puta“
Ich stehe immer noch vor dem großen, rechteckigen Spiegel im hinteren Bereich von Noelias Salon und kann den Blick nicht von meinem Gesicht nehmen. Die Beleuchtung ist hell und unnachgiebig, genau so, wie man sie für präzise Arbeit braucht. Jede Veränderung ist deutlich sichtbar. Meine Lippen fühlen sich fremd an. Prall, gespannt, leicht pulsierend. Nicht übertrieben aufgespritzt, keine grotesken Schlauchbootlippen, aber deutlich voller und weicher als noch vor einer Stunde. Wenn ich sie zusammenpresse, spüre ich den leichten Widerstand des Fillers. Wenn ich den Mund öffne, wirken sie sofort einladender, fast schon frech. Die Jungs in meiner alten Klasse hätten sie ohne zu zögern Blowjob-Lippen genannt. Und sie hätten recht gehabt.
Die künstlichen Wimpern sind schwer. Jedes Mal, wenn ich blinzle, spüre ich ihr Gewicht auf den Lidern. Sie sind tiefschwarz, dicht und lang, ohne kitschig zu wirken. Zusammen mit dem Zungenpiercing, das ich bei jeder Bewegung gegen den Gaumen drücke, verändern sie meinen gesamten Ausdruck. Das süße, junge Gesicht, das noch vor wenigen Wochen aus einem Abi-Jahrbuch hätte stammen können, ist nicht verschwunden. Es ist nur… umgebaut. Die Unschuld ist noch da, aber sie wird jetzt von etwas anderem eingerahmt. Etwas, das klar sagt: Dieses Mädchen weiß, was es tut. Oder zumindest, was mit ihm getan wird.
Bakari steht direkt hinter mir. Seine Hände liegen auf meinen Hüften, die Daumen streichen langsam über den Stoff meiner Spandex-Shorts. Ich spüre die Wärme seiner Handflächen durch den dünnen Stoff. Noelia lehnt mit verschränkten Armen an der Behandlungsliege und mustert uns beide mit diesem ruhigen, professionellen Blick, den sie den ganzen Abend über gehabt hat. Sie wirkt weder überrascht noch peinlich berührt. Für sie scheint das hier Alltag zu sein.
„Du kannst gar nicht wegschauen, oder?“, fragt Bakari leise. Seine Stimme ist nah an meinem Ohr. Ich spüre seinen Atem an meinem Hals.
Ich schlucke. Die neuen Lippen machen selbst diese einfache Bewegung spürbarer. „Es ist einfach… anders. Ich erkenne mich und gleichzeitig erkenne ich mich nicht.“
Noelia kommt näher. Sie nimmt mein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und dreht meinen Kopf leicht zur Seite, dann nach oben, dann wieder geradeaus. Ihre Finger sind kühl und professionell. „Die Proportionen stimmen. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Die Wimpern rahmen die Augen richtig ein. Zusammen mit dem Zungenpiercing und dem, was du sonst noch am Körper hast, wirkt das Ganze stimmig. Kein zufälliges Zusammengewürfeltes. Eine bewusste Entscheidung.“
Bakari nickt hinter mir. „Genau das ist der Punkt.“ Er lässt eine Hand von meiner Hüfte gleiten, greift in die Hosentasche und zieht sein Handy hervor. Mit dem Daumen navigiert er kurz, dann hält er mir den Bildschirm vor das Gesicht.
Auf dem Display ist eine sauber gestaltete Profilseite. Kein billiger Amateur-Account. Professionelle Typografie, ruhige Farbgebung, hochwertige Vorschaubilder. Der Name daneben ist noch ein Platzhalter, aber die Beschreibung darunter trifft den Nerv: junge Deutsche, Anfang zwanzig, sportlicher Körper, unschuldiges Gesicht, das sich Stück für Stück verändert. Die bisherigen Bilder zeigen andere Mädchen – ähnliche Typen, ähnliche Entwicklung. Saubere erotische Aufnahmen. Manche in Sportunterwäsche, manche nackt, manche in sehr knappen Outfits. Nichts Chaotisches. Alles wirkt geplant, beleuchtet, nachbearbeitet.
„Das ist eines der Profile, über die wir laufen“, erklärt Bakari. „Erotisches Modelling. High-End. Keine schnellen Handycam-Clips von irgendwelchen Typen im Hotelzimmer. Wir produzieren Content. Fotoshoots, kurze Videos, ab und zu längere Sequenzen. Manchmal Live-Sessions. Alles unter kontrollierten Bedingungen. Gute Bezahlung, klare Absprachen, und du behältst ein Mitspracherecht darüber, was öffentlich wird und was privat bleibt.“
Noelia nimmt das Handy kurz entgegen, scrollt und zeigt mir ein anderes Bild. Eine junge Frau mit ähnlichem Körperbau, stehenden Brüsten, flachem Bauch, in einem weißen Sport-Set, das mehr betont als verdeckt. Daneben eine Version derselben Frau mit volleren Lippen, schwereren Wimpern und einem kleinen Tattoo unter dem Schlüsselbein. „Wir bauen Looks. Wir erzählen eine Entwicklung. Manche Abonnenten wollen genau das sehen: wie aus dem sportlichen Mädchen von nebenan etwas anderes wird. Etwas Offeneres. Etwas, das man sich nicht mehr so leicht als die nette Nachbarstochter vorstellen kann.“
Mein Herz schlägt spürbar schneller. Ich spüre es bis in die Schläfen. Ein Teil von mir will das Handy wegdrücken und sagen, dass das alles zu weit geht. Der andere Teil – der Teil, der vor ein paar Stunden noch am Strand auf den Knien war und Bakaris Schwanz im Mund hatte, während er meinen Arsch genommen hat – spürt dieses vertraute Kribbeln. Dieses heiße, schambehaftete Interesse.
„Und ich soll das neue Gesicht werden“, stelle ich fest. Es ist keine Frage.
„Du bist es bereits“, antwortet Bakari. „Wir haben nur noch nicht angefangen, es festzuhalten.“ Er nimmt das Handy zurück und steckt es weg. Dann legt er beide Hände wieder auf meine Hüften und dreht mich behutsam zu sich, sodass ich ihm ins Gesicht schauen muss. „Heute Nacht passiert nichts weiter. Deine Lippen müssen sich setzen. Du sollst schlafen. Morgen früh hole ich dich ab. Wir fahren zu einem privaten Studio außerhalb der Stadt. Gutes Licht, ruhige Umgebung, ein Fotograf, mit dem ich schon länger arbeite. Kein Fremder, der irgendwelche Spielchen treibt. Professionell.“
Noelia geht zu einem Schrank, öffnet eine Schublade und holt einen kleinen, durchsichtigen Beutel hervor. Darin liegen Kühlakkus, eine spezielle Pflegelotion und ein paar Wattestäbchen. „Die Lippen werden morgen noch etwas empfindlich sein. Kein aggressives Küssen, nichts, was unnötig Druck macht, bevor wir mit dem Shooting anfangen. Danach sieht das anders aus.“ Sie reicht mir den Beutel. „Ich werde auch da sein. Styling, Nachbessern, falls etwas korrigiert werden muss. Und falls wir entscheiden, dass ein kurzes Video Sinn ergibt, stehe ich bereit.“
„Ein Video“, wiederhole ich.
Bakari nickt. „Nichts, bei dem du dich am ersten Tag komplett verlierst. Eher atmosphärisch. Du, der neue Look, wie du dich darin bewegst. Vielleicht wie du dich selbst berührst. Vielleicht wie ich dich berühre. Wir schauen, was sich natürlich anfühlt. Wenn es gut läuft, können wir später über Live-Sessions sprechen. Gemeinsam oder allein. Aber das ist kein Muss. Nichts davon ist ein Muss.“
Ich schaue wieder in den Spiegel. Die Frau, die mir entgegenblickt, hat volle Lippen, schwere Wimpern und einen Körper, der in den letzten Wochen immer weniger nach der Jana aussieht, die noch vor dem Abitur in der Bibliothek gesessen und Vokabeln gelernt hat. Diese Jana hätte so etwas abgelehnt. Diese Jana hätte den Kopf geschüttelt und gesagt, dass sie so etwas nicht braucht. Die Jana, die jetzt hier steht, spürt vor allem eines: Neugier.
„Warum ich?“, frage ich leise.
Bakari lächelt. Es ist nicht das breite, siegesbewusste Grinsen, das er manchmal aufsetzt, wenn er mich genau dorthin gebracht hat, wo er mich haben wollte. Es ist ruhiger. „Weil du glaubwürdig bist. Du siehst nicht aus wie jemand, der das schon ewig macht. Du siehst aus wie jemand, der gerade erst anfängt, es zu entdecken. Und genau das wollen die Leute sehen. Die Entwicklung. Den Moment, in dem aus der sportlichen Musterschülerin etwas anderes wird.“
Noelia räumt derweil ihre Utensilien zusammen. Die Spritzen, die Desinfektionsmittel, die Handschuhe. Alles verschwindet in geschlossenen Behältern. Der Salon sieht wieder aus wie ein ganz normaler Beauty-Salon, der in ein paar Stunden schließen wird. Nur wir drei wissen, was hier gerade besprochen wurde.
„Wie viel…“, setze ich an und breche ab. Die Frage nach Geld fühlt sich plötzlich merkwürdig an. Als würde sie das Ganze noch realer machen.
„Gut“, antwortet Bakari einfach. „Besser als das, was die meisten Mädchen hier auf der Insel mit ähnlichen Jobs verdienen. Und du behältst Anteile an dem, was langfristig über dein Profil läuft. Wir sind keine Idioten, die jemanden einmal ausnehmen und dann verschwinden. Das hier ist auf Dauer angelegt.“
Ich nicke langsam. Die schweren Wimpern machen selbst diese Bewegung spürbar. Bakari beobachtet mich genau. Er wartet nicht auf eine sofortige Zusage. Er weiß, dass ich die Nacht darüber nachdenken werde. Dass ich in der Finca liegen und an die Bilder denken werde, die er mir gezeigt hat. Dass ich mir vorstellen werde, wie ich selbst auf solchen Fotos aussehe.
„Komm“, sagt er schließlich. „Ich bringe dich nach Hause.“
Noelia begleitet uns bis zur Tür. Bevor wir hinausgehen, legt sie mir kurz die Hand auf den Unterarm. „Schlaf dich aus. Morgen sehen wir uns im Studio. Und falls du zwischendurch Zweifel hast – das ist normal. Die meisten haben die beim ersten Mal.“
Draußen ist die Nacht immer noch warm. Die Luft riecht nach Salz und dem trockenen Duft der Stadt. Das Taxi wartet bereits. Bakari öffnet mir die Tür, lässt mich einsteigen und setzt sich neben mich. Der Fahrer startet, ohne Fragen zu stellen. Offenbar ist er an nächtliche Fahrten mit Bakari gewöhnt.
Während wir durch die Straßen von Palma fahren, liegt Bakaris Hand auf meinem Oberschenkel. Nicht fordernd, nicht ungeduldig. Einfach da. Sein Daumen zeichnet langsame Kreise auf dem Stoff meiner Shorts. Ich spüre die Wärme seiner Haut. Die neuen Lippen pulsieren leicht im Takt meines Herzschlags. Jedes Mal, wenn ich schlucke, werde ich an sie erinnert.
„Du musst nichts entscheiden, bevor du es gesehen hast“, sagt Bakari nach einer Weile. Seine Stimme ist leise genug, dass der Fahrer sie nicht verstehen kann. „Morgen schaust du dir das Studio an. Du triffst den Fotografen. Du ziehst das erste Outfit an. Und dann spürst du, ob es sich richtig anfühlt. Wenn nicht, fahren wir wieder. Kein Drama.“
Ich drehe den Kopf und schaue ihn an. Im Licht der vorbeiziehenden Laternen wirken seine Gesichtszüge weicher als sonst. „Und wenn es sich richtig anfühlt?“
Er lächelt schwach. „Dann machen wir weiter. Schritt für Schritt. Foto für Foto. Und irgendwann sitzt du vielleicht vor einer Kamera und redest mit Leuten, die dich genau so sehen wollen, wie du jetzt aussiehst. Mit den Lippen. Mit den Wimpern. Mit allem, was noch kommt.“
Die Fahrt zieht sich. Die Straßen werden leerer, die Häuser niedriger. Irgendwann verlassen wir die eigentliche Stadt und fahren in Richtung der Berge. Die Finca liegt still und dunkel da, als wir ankommen. Nur die kleine Außenlampe am Eingang brennt.
Bakari steigt mit aus. Er begleitet mich bis zur Tür, wartet, bis ich den Code eingegeben habe, und bleibt dann einen Moment stehen. „Ich hole dich morgen um neun ab. Frühstück vorher. Nichts Schweres. Die Lippen werden es dir danken.“
Ich nicke. Er beugt sich vor und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Nicht auf den Mund. Rücksichtsvoll wegen der frischen Arbeit. Dann geht er zurück zum Taxi und steigt ein. Die Rücklichter verschwinden zwischen den Bäumen.
Drinnen ist es still. Ich stelle die Tasche ab, ziehe die Schuhe aus und gehe barfuß durch den Flur ins Master-Bedroom. Das große Bett wartet. Ich ziehe mich aus, bleibe aber vor dem Spiegel im angrenzenden Bad stehen und betrachte mich noch einmal. Nackt. Mit den neuen Lippen. Mit den schweren Wimpern. Mit den Piercings, die im Licht glänzen. Mit dem Körper, der in den letzten Wochen immer klarere Linien bekommen hat.
Ich sehe aus wie jemand, der vor einer Kamera stehen könnte.
Ich sehe aus wie jemand, den man sich anschauen will.
Und der erschreckendste Teil daran ist, dass ein Teil von mir genau das will.
Ich lege mich ins Bett, den Kühlakku vorsichtig auf die Lippen gelegt, und starre an die Decke. Die Nacht ist lang. Die Gedanken kreisen. Immer wieder tauchen die Bilder auf, die Bakari mir gezeigt hat. Immer wieder stelle ich mir vor, wie ich selbst auf solchen Fotos aussehen würde. Wie sich der Stoff der Sportunterwäsche über meine Brüste spannen würde. Wie die Kamera meinen Bauch, meine Hüften, den Übergang zu den Oberschenkeln einfangen würde. Wie ich irgendwann den Stoff beiseiteschieben und mich selbst berühren würde, während jemand hinter der Kamera leise Anweisungen gibt.
Irgendwann schlafe ich ein.
Als ich aufwache, fällt helles Morgenlicht durch die halb geschlossenen Jalousien. Ich taste nach meinem Handy. Kurz vor acht. Die Lippen fühlen sich immer noch prall an, aber der unangenehme Druck ist weniger geworden. Die Wimpern sind schwer auf den Lidern. Ich richte mich auf, gehe ins Bad und betrachte mich erneut.
Der Look hält.
Ich dusche vorsichtig, trockne mich ab, trage die empfohlene Lotion auf die Lippen auf und ziehe frische Wäsche an. Einen schlichten, hellen Baumwoll-BH, ein passendes Höschen, darüber eine leichte Sommerhose und ein lockeres Top, das nicht unnötig an den Lippen reibt. Kein Make-up. Noelia wird das später übernehmen.
Um kurz vor neun höre ich den Wagen draußen. Bakari hupt nicht. Er wartet einfach. Als ich die Tür öffne, steigt er aus und mustert mich von oben bis unten. Ein kleines Nicken. Zufrieden.
„Bereit?“
Ich schließe die Tür der Finca hinter mir und stecke den Schlüssel ein.
„Ich weiß es noch nicht“, antworte ich ehrlich. „Aber ich will es herausfinden.“
Er lächelt, öffnet mir die Beifahrertür und wartet, bis ich eingestiegen bin. Dann geht er um das Auto herum, setzt sich hinters Steuer und startet den Motor.
Die Straße Richtung Studio liegt vor uns.
Und irgendwo dort drinnen wartet die erste Kamera darauf, festzuhalten, wer ich geworden bin.
Wie verhalte ich mich im Studio?
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