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Chapter 45

Wo bin ich?

Auf der Couch des Studios

Langsam gewöhnen sich meine Augen an das grelle Licht. Es ist Tag und ich erkenne direkt wo ich bin. Ich liege auf der Couch der Lounge des Tattoo-Studios. Mein Kopf schmerzt und um ehrlich zu sein ist mein Blick noch verschwommen. Ein paar Erinnerungsfetzen des gestrigen Abends schießen in meinen Kopf. Der Megapark, mein Weg zum Studio und, dass ich mit Chris Whiskey getrunken habe. Das war‘s.

Über meinem Körper liegt eine Decke, die ich bei der Klimaanlage hier im Studio auch gebraucht habe. Langsam setze ich mich weiterhin in die Decke eingekuschelt hin. Ich fühle mich noch total voll. „Was mache ich jetzt?“, frage ich mich während ich da sitze. „Rufe ich Javi an, dass er mich abholen soll und gehe einfach? Das wäre auch irgendwie komisch. Ich lege mein Gesicht in meine Hände und sitze einfach ein paar Minuten dar. Dann klaren meine Gedanken zumindest ein kleines bisschen auf und ich spüre ein Pulsieren an meinem Bauchnabel und meinen Nippeln. Das Pulsieren kommt mir bekannt vor und plötzlich wird mir auch klar woher: „Von meinem Zungen- und KVH-Piercing.“. Ich springe auf und stelle mich vor den großen Spiegel an der Wand rechts von mir und bin einerseits verwundert und andererseits auch nicht: Ich trage nur meinen schwarzen sportlichen Tanga und das dünne Top. Ich blicke mich um und kann meine Hose gefaltet auf dem Sessel neben der Couch sehen. Unter dem Tanga sieht man die Kugeln des mir bekannten Piercings. Neu sind aber die Kugeln unter meinem Top und der Barbell oberhalb meines Bauchnabels, der nicht durch Stoff verdeckt wird und im Licht der Sonne funkelt. „Fuck“, entfährt es mir kurz und knapp. In Bruchstücken kommen Erinnerungen an die gestrige Nacht zurück, während mein Kopf pocht und ich mich weiter im Spiegel anstarre. Ich habe mich mit Chris über das was passiert ist ausgetauscht und ob es mir gefällt und später dann nochmal intensiv über seine Designs. Die genauen Inhalte unserer Gespräche weiß ich aber nicht mehr. So **** wie ich war bin ich mir allerdings ziemlich sicher, dass mir meine Antworten und die Inhalte unserer Gespräche heute nicht gefallen würden.

Plötzlich höre ich wie sich im hinteren Teil des Ladens eine Tür öffnet und Schritte. Ich lege mich schnell wieder auf die Couch und höre dann die Stimme von Chris: „Jana?“. Etwas Anspannung fällt von mir ab. Dann kommt Chris um die Ecke: „Puuuh, das war gestern was.“, sagt er. Ich nicke etwas verlegen. „Kannst du dich noch an gestern erinnern? Willst du das wirklich durchziehen?“, fragt mich Chris als Nächstes. Ich schüttele mit dem Kopf und antworte: „Nein, ich weiß nichts mehr. Ich bin nur mit einem Pochen in meinen Brustwarzen und meinem Bauchnabel aufgewacht und habe direkt gewusst was Phase ist.“ Nachdenklich schaut mich Chris an: „Ok, wie geht es dir damit?“ Jetzt muss ich kurz überlegen: „Ich weiß es nicht. Ich muss zugeben, dass das Bauchnabelpiercing an meinem Bauch gut aussieht, aber die Nippelpiercings sind schon ein Statement. Du kannst aber nichts dafür. Ich habe es ja so gewollt?“

Chris nickt sachte: „Ja, ich habe dir mehrmals gesagt, dass zu **** bist, aber du wolltest es unbedingt. Kannst du dich noch an etwas erinnern?“ Ich schüttele nur mit dem Kopf. „Ok, ich versuche mich kurz zu halten.“, antwortet Chris mit stockender Stimme. „Ok, nachdem wir über deine Aktivitäten und was die letzten Wochen mit dir passiert ist gesprochen haben, haben wir über die Designs geredet, die ich dir geschickt habe. Du hattest zum Anfang unseres Gesprächs gesagt, dass die Designs Kunst seien, du dir aber nicht vorstellen kannst so offensichtliche und teils auch eindeutige Tattoos zu tragen. Ich habe das auch komplett verstanden, auch wenn ich glaube, dass dir Tattoos sehr gut stehen würden. Du hast dann aber nachdem wir über den Sex den du hattest und wie du es liebst deinen Körper zu zeigen, plötzlich komplett deine Meinung verändert. Auf einmal wolltest du unbedingt Tattoos wie im zweiten Design, aber du wolltest nur noch sexuelle Inhalte. Und du hast wirklich die Ganze Zeit gesagt, dass wir damit jetzt anfangen müssen, du würdest nüchtern sonst einen Rückzieher machen. Ich habe dir gesagt, dass ich dich nicht mehr tätowieren kann, weil ich **** bin und dann hast du nach den Piercings gefragt. Naja, ich war selbst angetrunken und hätte das nicht tun dürfen, aber in dem Moment habe ich dir einfach zugestimmt. Es tut mir leid. Das war unprofessionell und…“, er zögert: „Ich hätte einfach Nein sagen müssen, aber deine Erzählungen und dein Verhalten haben mich naja, etwas geil gemacht. Es tut mir leid.“

Ich nicke, aber bin nichtmal sauer: „Schon ok, Chris. Ich vermute, dass ich selbst auch heiß war. Ich habe im Moment das Gefühl, dass sich bei mir alles nur noch um Sex geht und darum Männern zu gefallen. Ich sehne mich irgendwie danach ein Objekt der männlichen Begierde zu sein. Ich weiß einfach nur nicht woher das so plötzlich kommt. Alles geht so schnell.“, zeige ich Verständnis für ihn. „Im Zweifel nehme ich die Nippelpiercings einfach raus.“, versuche ich mich und ihn zu beruhigen. Jetzt fängt er an herumzudruchsen: „Jana, da ist noch etwas. Du hast echt lange auf mich eingeredet und naja, kannst du bitte aufstehen?“ Ich bin etwas verwirrt und weiß, dass ich nur meinen Tanga anhabe, allerdings hat Chris schon meine Pussy und gestern Nacht meine Brüste gesehen, also stehe ich auf. Er führt mich zum Spiegel: „Also gut. Ich, ich habe dich dann doch tätowiert. Du hattest da ein paar Ideen.“ Ich weiß nicht was ich sagen soll. Die Überraschung und vielleicht auch den Schock sieht man in meinem Blick.

„Wir haben über meine Ideen aus dem Design gesprochen und du hattest deine eigenen Ideen.“, führt Chris aus, während er mich zum Spiegel führt und mich an den Schultern mit dem Po zum Spiegel dreht. Ich gucke langsam über meine Schulter, während er weiterredet: „Meine Idee war -Don‘t Stop- über deinem Po zu platzieren, aber du sagtest, dass es eindeutiger sein muss und hattest die Idee für das Harder über deinem Steißbein.“ Direkt über dem Dreieck meines Tangas steht nun diese direkte Aufforderung. Ich muss schlucken, denn durch meine Bikinis wird das mit Sicherheit nicht mehr verdeckt. Ich sehe nun auch auf meiner linken Pobacke, das Tattoo „Yes, Sir“, das mir Chris bereits in seinem zweiten Design vorgeschlagen hat und unter meiner linken Pobacke steht in verschnörkelter Schrift „All eyes on me“. Das Tattoo wird durch meine neuen, knappen Hotpants definitiv nicht verdeckt. Ich weiß nicht was ich sagen soll und auch Chris schweigt. Ich merke, wie meine Augen langsam feucht werden. Das „All eyes on me“ und „Yes, Sir.“ finde ich ok, aber das „Harder“ ist schon schwer zu akzeptieren. Die Zeit der Stille ist gefühlt eine Ewigkeit. „Naja, jetzt sind sie da. Ich werde damit klarkommen müssen.“, stelle ich kurz und knapp fest und belüge mich selbst. Natürlich ist gar nichts in Ordnung. „Gestern wolltest du unbedingt, dass ich heute weitermache. Das hat sich erledigt oder?“, fragt Chris. Ich nicke deutlich, um dann zu ergänzen: „Du kannst ja gerne mal ein Design wie gestern besprochen anfertigen und mir schicken. Vorbeikommen werde ich sowieso nochmal und wer weiß? Vielleicht darfst du mir noch ein Tattoo stechen. Jetzt gerade ist es mir aber erstmal mehr als genug. Ein Anfang ist ja aber gemacht.“, zwinkere ich ihm zu, um ihn nicht zu verletzen. Trotzdem bekomme ich bei meinen eigenen Worten eine Gänsehaut. Ich ziehe mich schnell an und bedanke mich bei Chris für sein offenes Ohr. Dann verlasse ich das Studio, suche mir ein Café in dem ich einen Espresso trinke und eine Kleinigkeit frühstücke, damit es mir wieder etwas besser geht. Ich sehe auf meinem Handy, dass ich **** versucht habe Javi eine Nachricht zu schreiben, aber viel Verstand und Sinn findet sich in der Nachricht nicht. Dann frage ich Javi, ob er mich abholen kann.

Fällt Javi etwas auf?

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