9 Kraftwerk

9 Kraftwerk

Reststrom

Chapter 1 by Mercadus Mercadus

Der Wald schluckt Geräusche.

Nur das leise Knacken von Metall, wenn der Motor abkühlt. Ein Ticken. Noch eins. Dann Stille, die sich wie ein Tuch über das Auto legt. Die Scheiben beschlagen.

Thomas kniet gelenkig auf dem Rücksitz, den Kopf über Tom's Unterkörper, der Geschmack von Sperma und Schweiß, alles tief aufgenommen und die Ladung geschluckt, jeden Tropfen. Ist außer Atem, kommt langsam zurück in die Wirklichkeit. Sein Puls ist noch nicht dort angekommen, wo er sein sollte. Zu schnell. Das Rauschen zu laut in den Ohren.

Neben ihm Tom, 20 Jahre älter. Hände fest auf seiner Schulter, aber locker jetzt. Nicht mehr diese Spannung von vorhin. Wie er mit seiner Hand den Kopf von Thomas festhielt und sein fettes Teil in seinem Hals versenkte. Seine nackten Beine so gut es geht auf dem Rücksitz ausgestreckt, Thomas irgendwie dazwischen. Der große Dicke liegt in seiner Hand, nass und feucht von Speichel und Saft. Ein Fuß stemmt sich unbequem gegen den Vordersitz, seine Jeans und Boxershorts irgendwo vorne auf der Mittelkonsole.

Der Geruch im Wagen: Geilheit, kühle Luft, etwas Warmes darunter. Haut. Nähe. Thomas lacht leise. Ohne Grund. Oder vielleicht gerade deswegen.

„Das ist jedes Mal…“, sagt er. Er beendet den Satz nicht.

Tom hebt leicht den Kopf. Sein Blick ist ruhig, er grinst. Eher… gesammelt. Als würde er Dinge festhalten, die sonst wegrutschen.

„Zu viel?“ fragt Tom.

Thomas schüttelt den Kopf. „Zu gut.“

Pause.

Draußen ein Ast, der irgendwo nachgibt. Vielleicht ein Tier. Vielleicht nur der Wind.

Tom lässt seine Hand sinken. Sie bleibt erst auf seinem eigenen Oberschenkel liegen, als müsste sie sich entscheiden. Dann wandert sie rüber. Bleibt kurz in der Luft stehen, fast unsicher, findet dann Thomas’ Hand.

Kein Greifen. Kein Festhalten. Nur Kontakt. Aber der reicht.

Thomas spannt sich kurz an. Reflex. Dann gibt er nach. Seine Finger drehen sich, schließen sich langsam um Toms Hand, als hätten sie Zeit. Als wäre Eile etwas für andere Leben.

Sein Herz beruhigt sich nicht. Es verändert nur den Rhythmus.

„Ich vergesse das immer“, sagt Thomas.

„Was?“

„Wie… ruhig es danach wird, alles fühlt sich richtig an, nur bei dir jetzt in diesem Moment.“

Tom atmet durch. Tief. Kontrolliert.

„Ruhig ist es nie“, sagt er. „Nur leiser, dieses Einvernehmen, diese Absolution, das ist einzigartig und schön“

Thomas dreht den Kopf. Sie sehen sich nicht ganz an. Eher nebeneinander vorbei.

Ein Tropfen läuft außen an der Scheibe entlang. Regen hat angefangen. Unbemerkt.

„Weißt du noch…“ Thomas stockt, sucht nicht nach Worten, eher nach Mut. „Das alte aufgelassene Kraftwerk.“

Tom lächelt kaum sichtbar. Aber es ist da. „Schwer zu vergessen.“

Die Bilder sind sofort da. Beide sehen sie. Gleichzeitig. Ohne sie auszusprechen. Ihr geheimer Treffpunkt im Sommer vor zwei Jahren. Vor den Bauarbeiten dort.

Beton. Kälte. Staub, der im Licht hing wie etwas Lebendiges. Dieser "Lost Place" in Körsting, einer Kleinstadt bei München. Stadtrand, Wald und Felder - Freiheit. Drinnen Verfall, halbdunkel und geschützt, abgelegen und ideal.

Es stand schon dort, als Strom noch etwas war, das man sich erklären musste. Ende des 19. Jahrhunderts, um 1886 herum, errichtet für eine der frühen Anlagen, die mit den neuen Dynamomaschinen arbeiteten – wie sie Werner von Siemens und seine Ingenieure vorangetrieben hatten.

Ein Bau aus Backstein und Stahl, geschaffen, um Bewegung in Licht zu verwandeln, Kraft in etwas Unsichtbares. Leitungen liefen wie Adern durch die Wände, Generatoren pulsierten, bis sie verstummten. Was blieb, war Struktur. Und Stille. Ein Ort, der einmal Energie gemacht hatte – hinter dem Generator an der Treppe, die Holzbalken und Stahlträger. Die Spuren von damals, im Staub am Boden auch die Spuren ihrer heimlichen Treffen. Fußabdrücke und andere Flecken.

„Ich hab gehört…“ Thomas zieht die Hand nicht zurück, während er spricht. Im Gegenteil, er hält sie fester. ****. „ .... das alte Kraftwerk soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein, die suchen jemanden. Für die Gastronomie, einCafé oder so.“

Tom reagiert nicht sofort. Seine Finger bleiben ruhig. Nur der Daumen bewegt sich minimal, streicht einmal über Thomas’ Handrücken. Eine kleine Bewegung. Aber sie geht durch den ganzen Körper. 'Ein Treffpunkt weniger für uns' denkt er.

„Ein Café“, wiederholt Tom.

Thomas jetzt wie ein Junge, nickt. „Ja der Umbau von dem alten Kraftwerk als Denkmal und Treffpunkt. Förderprojekt, neue Nutzung. Subvention. Irgendwas mit Strukturwandel. Kultur. So ein Scheiß halt.“

Ein kurzes Lachen. Zu laut für die Stille. Dann wieder leise.

„Und du denkst…?“

Thomas richtet sich etwas auf. Nicht ganz. Seine Augen blitzen kurz.

„Ich denke nichts“, sagt er schnell. Zu schnell. Dann langsamer: „Ich… stell mir vor.“

Tom dreht sich jetzt doch ein Stück mehr zu ihm. Sein Blick wird schärfer. Wacher.

„Was stellst du dir vor?“

Thomas zögert. Man sieht es ihm an. Nicht, weil ihm nichts einfällt. Sondern weil es zu viel ist.

„Dass wir da reingehen. Wir beide. Das zusammen übernehmen.“ Er atmet aus. „Dass es uns gehört.“

Stille.

Der Regen wird stärker. Tropfen trommeln jetzt unregelmäßig aufs Dach. Wie ein zweiter Herzschlag.

Tom zieht seine Hand leicht zurück. Nicht ganz weg. Nur genug, um sie neu zu positionieren. Seine Finger verschränken sich jetzt bewusst mit Thomas’. Fester. Klarer.

„Ein Café“, sagt er wieder. Diesmal anders. Weniger fremd.

Thomas lacht leise. „Ja. Total bescheuert. Stell es dir vor! Wir könnten uns immer sehen! Nicht mehr heimlich!“

„Du kannst keinen Kaffee machen.“

„Du auch nicht.“

„Ich kann zumindest so tun.“

Thomas dreht sich jetzt ganz zu ihm. Sein Gesicht näher. Zu nah für Zufall.

„Ich auch.“

Ein Moment, der kippen könnte. In Ernst. Oder in etwas anderes.

Tom hebt die freie Hand. Spürt die Wärme, bevor er ihn überhaupt berührt.

Dann legt er die Fingerspitzen an seine Wange. Leicht. Prüfend. Als wäre Thomas etwas, das man verlieren könnte, wenn man zu fest zugreift.

Thomas schließt kurz die Augen.

Sein Körper reagiert sofort. Nicht laut. Nicht sichtbar. Aber eindeutig. Spannung, die zurückkommt. Nicht dieselbe wie vorher. Eine andere. Ruhiger. Tiefer.

„Das würde alles ändern“, sagt Tom leise.

„Ja.“

„Alles.“

Thomas öffnet die Augen wieder. Sein Blick ist klarer jetzt. Fast trotzig.

„Vielleicht genau deshalb. Überleg nur ..... nachmittags Kaffee Torte, abends Wein, Shortbread, Käse, Schinken, das Brot vom Loober“

Tom mustert ihn. Länger. Als würde er versuchen, hinter die Worte zu kommen. Oder hinter das, was unausgesprochen bleibt.

„Stell dir vor, an der langen Wand der alte Meidinger-Ofen, wenn der wieder hergerichtet wäre, das Feuer von allen Seiten sichtbar, ähnlich wie bei einem Kamin.”

Thomas lacht „Musik, Gäste und eine kleine geile Studentin dazwischen. Das wär's doch oder? Und immer wir beide“, sagt er schließlich.

Thomas schluckt. Seine Finger ziehen sich kurz zusammen.

„Nicht nur dieses Auto. Nicht nur… Pausen.“

Tom nickt kaum merklich. Seine Hand bleibt an Thomas’ Gesicht. Jetzt etwas fester.

„Und was ist mit allem anderen?“

Da ist es. Das Gewicht, das immer mitkommt. Thomas atmet ein. Hält die Luft einen Moment zu lange an. Denkt an seinen Job in der Bank.

„Das ist ja das Problem“, sagt er. Und dann, fast lachend: „Oder die Lösung.“

„und ich schmeiß einfach meine Anstellung an der Uni hin, oder was?” Tom zieht die Augenbrauen leicht zusammen. „Das klingt nach dir.“

„Ist es auch.“

Ein kurzer Moment, in dem beide einfach nur da sind. Hände ineinander. Regen. Atem.

Dann lehnt Thomas sich vor. Langsam. Ohne Eile. Ohne Frage.

Tom bewegt sich ihm entgegen. Ihre Lippen treffen sich.

Der Kontakt ist weich. Aber nicht vorsichtig. Eher… entschieden. Als hätten beide längst entschieden und holen es nur noch nach.

Kein Überschuss. Kein Beweisen. Nur Nähe, die bleibt.

Fest hält er Thomas am Nacken, zieht in zu sich, presst ihn gegen sich und seine Faust schließt sich um den harten Schwanz, wichst ihn roh und dominant, keine Möglichkeit zu entkommen. Thomas lässt sich fallen und kommt in wenigen Minuten in der Faust von Tom.

Beide haben bekommen was sie wollten, diese geheime Lust, dieser kurze geile Tagtraum, wie das abrupte Ende einer Geschichte.

Tom lehnt sich zurück. Atmet aus. Einmal tief.

„Ein Café im alten Treffpunkt“, sagt er.

Diesmal klingt es fast wie ein Plan.

Thomas grinst. „Unser Café.“

Draußen wird der Regen dichter

What's next?

  • No further chapters
Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)