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Chapter 62
by
Bitbuster
Entscheidung
Wer die Wahl hat...
Nach der Mittagspause gingen Svea und Patrick direkt zum Konferenzraum. Svea hatte noch im Casino den Hinweis auf das Treffen bekommen.
Im Raum saßen bereits alle Führungsoffiziere, nur der KO (Kommandierender Offizier) fehlte jetzt noch. Svea und Patrick hatten sich gerade hingesetzt, als Shawn O'Malley, der Kapitän und damit KO, den Konferenzraum betrat.
„Hallo alle Zusammen, was gibt es denn so dringendes?“ fragte er und schaute dabei zum WO.
„Ja, also... wie alle wissen, war unser Gast so freundlich und hatte sich bereit erklärt, an einigen Versuchen teilzunehmen“ erklärte Steven und sprach gleich weiter: „Dadurch sind jetzt verschiedene Möglichkeiten entstanden, die wir besprechen sollten.“
Der Kapitän nickte und Steven erklärte: „Wir könnten jetzt und hier so weitermachen, wie bisher, was jedoch nicht besonders zielführend ist. Wir befinden uns, nur kurz zur Erinnerung, in einer Zeitlinie, die sich von unserer so stark unterscheidet, dass unsere Karten und auch die Eigenschaften einiger Planeten, nicht übereinstimmen. Wie alle wissen, benötigen wir für einen Zeitsprung Mansil. Planeten, die in unserer Zeitlinie als reiche Rohstoffquellen zur Verfügung stehen, haben hier nicht ansatzweise die Mengen, die ein wirtschaftlicher Abbau erfordert. Daher können wir jetzt entweder einen Sprung in, von dieser Zeit aus gesehen, Zukunft unternehmen und uns dabei unserer Zeitlinie nähern – dass ist durch die Bäume im Aboretum möglich, da konnten wir entsprechende Daten sammeln. Das würde uns ermöglichen, die benötigten Mengen Mansil zu sammeln und dann zwei Sprünge zu unternehmen. Einmal zurück in Patricks Zeit, ihn dort abliefern und dann in unsere Zeit springen. Zum anderen haben wir, durch die Daten aus den Versuchen, die Möglichkeit, Patrick auch jetzt gleich in seine Zeit zu bringen, dann müssten wir jedoch in der Zeit neues Mansil sammeln, da es nicht für einen zweiten Sprung ausreicht. Also ich fasse noch einmal zusammen: Entweder alles so lassen, wie es ist und weiter langsam sammeln und erforschen, oder kurzer Sprung in die Zukunft und richtige Zeitlinie oder langer Sprung in die Vergangenheit und Patrick sofort abliefern. Fragen dazu?“
Niemand meldete sich.
Shawn räusperte sich und schaute in die Runde, bevor er sprach. „Dann ist die weitere Vorgehensweise klar. Langer Sprung in die Vergangenheit und wir müssen zusehen, ob und wie wir in unsere Zeit kommen.“
Patrick sprang auf. „Das ist doch Blödsinn“.
Er merkte, wie sich alle Blicke auf ihn richteten. „Wenn es doch die Möglichkeit gibt, das ich zurück kann, wobei ich dazu gerne gleich noch etwas sagen möchte, und ihr in Eure Zeit, dann ist das doch die logische Lösung“.
„Nein“ widersprach Shawn. „Es gibt eine Direktive, nach der wir zuerst oder so schnell wie möglich, einen entstandenen Schaden wieder gut machen müssen. Daher kann die Lösung nur der lange Sprung zurück sein.“
„Quatsch...“ Patrick überlegte „Das Wohl Vieler wiegt mehr, als das Wohl eines Einzelnen“.
Patrick schaute hilfesuchend zu Svea, die aber nicht wusste, wie sie reagieren sollte.
Erneut kam von Shawn ein „Nein. Wir haben unsere Vorschriften und ich kenne das psychologische Phänomen, bei dem Opfer von Entführungen, und so hattest Du es bezeichnet, ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert. Das werde und kann ich nicht zulassen.“
Alvia, die als Beraterin und Leiterin der psychologischen Abteilung, ebenfalls zu den Führungsoffizieren zählte und daher mit an dem Tisch saß, spürte, wie Zorn in Patrick aufstieg.
„Vielleicht sollten wir alle darüber nachdenken und uns morgen früh noch einmal in Ruhe darüber austauschen“ meinte sie diplomatisch.
„Der erste vernünftige Satz von Ihnen“ sagte Patrick bissig zu Alvia und stand auf.
„Wo willst Du hin?“ fragte Svea.
„Als GAST gehe ich in mein GÄSTEquartier“ und betonte dabei das „Gast“ ganz besonders.
Kaum hatte sich die Tür hinter Patrick geschlossen, als Shawn in die Runde fragte: „Was ist denn los, so habe ich ihn noch nicht erlebt“
„Ich könnte zwar ein Gespräch mit ihm führen, aber das wird wohl von ihm abgelehnt werden“ bot Alvia an und Svea fügte hinzu: „Alvia und er verstehen sich nicht so gut“.
„Ok, dann verschieben wir es eben auf morgen, 08:00 Bordzeit. Hier wieder im Raum. In die Funktion wegtreten“ befahl Shawn knapp und verließ ebenfalls den Raum.
Svea schaute noch kurz zum WO, der aber auch nur mit den Schultern zuckte und dann den Raum verließ.
So ging Svea zur Brücke, wo sie einige Aufgaben zu erledigen hatte und Steven kehrte in sein Büro zurück.
Da Sophia nichts von Patrick hörte und er auch nicht im Labor auftauchte, versuchte sie ihn über den Kommunikator zu erreichen. Aber auch hier bekam sie keine Antwort. Auf Nachfrage bei ihrem Vorgesetzten erfuhr sie, wie das Treffen gelaufen war und bat darum, Patrick zu suchen.
Steven hatte nichts dagegen und hoffte, dass Sophia es vielleicht schaffen würde und Patrick wieder etwas beruhigen konnte.
Sophia ging zu Patricks Quartier und betätigte den Türsummer. Zwar war die Tür so programmiert, dass sie jederzeit den Raum auch ohne ihn betreten konnte, aber aus Höflichkeit wollte sie nicht gleich hineinstürmen. Da sich Patrick nicht meldete, öffnete sie schließlich doch die Tür und schaute nach.
Der Kommunikator lag auf dem Schreibtisch, was sofort alle Alarmglocken in ihr aktivierte.
Nachdem sie in den Sanitärbereich geschaut hatte und auch dort keine Spur von ihm finden konnte, bat sie Thea zu sich.
Schnell war erklärt, was vorgefallen war und Thea ging in ihr Büro, um das Schiff nach menschlichen Lebenszeichen ohne Kommunikator absuchen zu lassen. Sie konnte den Computer zwar von überall aus auf dem Schiff zur Suche veranlassen, aber über den Bürocomputer hatte sie Zugriff auf spezielle Funktionen.
Sophia blieb in der Zwischenzeit in Patricks Quartier und schaute sich weiter um, ob sie irgendwelche Hinweise finden konnte. Plötzlich fiel ihr der kleine Tresor ein.
„Ob er dort etwas hinterlegt hat?“ fragte sie sich. „Andererseits, wenn er einen Hinweis hätte geben wollen, warum dann verstecken? Oder konnte er keinen Hinweis mehr geben?“
Die Gedanken rasten durch ihren Kopf. Sie fasste ihren Mut zusammen und kniete sich vor den Tresor. „Tja, wie öffne ich den jetzt, ohne die Rückwand mit dem Phaser abzubrennen?“
„Computer: Wer ist zum öffnen des Tresors, außer Patrick, berechtigt?“
Der Computer nannte Svea und sie als Berechtigte Personen.
„Ok. Computer: Tresor öffnen“
„Bitte Kennung eingeben“ erklang die Computerstimme.
„Mist“ dachte sie und versuchte es mit ihrem Namen, Vorname, Nachname, beides zusammen, dann mit Orten vom Holodeck, wo sie gemeinsam gewesen waren und viel Spaß miteinander hatten. Jedes Mal quittierte der Computer die Antwort nur mit einem langen Piepston.
„Ach, mein Kater“ seufzte sie und wollte Svea rufen, damit sie ihr Glück probiert.
Nur irgendwo ganz tief im Unterbewusstsein registrierte sie, dass der nervige Ton ausblieb.
Geräuschlos öffnete sich die kleine Tresortür einen Spalt weit.
Sie wusste nicht, ob sie lachen oder **** sollte. „So ein Schlingel“ dachte sie und öffnete die Tür komplett. Bis auf einen Speicherbaustein war das Fach leer.
Sie nahm den Baustein und steckte ihn in den Computer am Schreibtisch.
Es waren nur drei Dateien darauf gespeichert.
Eine Datei erkannte sie als das Holoprogramm für Thea wieder, dann war da die Datei, die sie als Scan von seinem Penis erstellt hatte und die dritte Datei war nur mit „Sophia“ gekennzeichnet.
Durch die Dateiendung konnte sie sehen, dass es sich um eine Holoaufzeichnung handelte.
„Computer: Datei „Sophia“ abspielen“
Auf dem Schreibtisch entstand durch die Holoprojektoren ein Abbild von Patrick.
„Hallo Sophia“ grüßte das Holobild.
Fast hätte sie darauf geantwortet, konnte sich aber gerade noch davon abhalten.
„Du hast die Aufzeichnung gefunden, dass bedeutet, dass ich entweder tot oder verschollen bin.“
Tränen schossen Sophia in die Augen.
„Auf die große Liebe folgt nicht selten großes Leid. Du bist oder warst eines der wichtigsten Lebewesen in meinem Leben, wieso haben wir es nicht geschafft uns festzuhalten? Allein sein ist schön wenn man es will, aber nicht wenn man es muss. Ein Abschied verleitet immer dazu, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte. Gerne hätte ich viel mehr Zeit mit dir verbracht, aber auch so habe ich jede Minute mit dir genossen. Eine große Aufgabe des Lebens ist es, dass wir lernen müssen Abschied zu nehmen. Es gehört nun mal zum Leben dazu, genau wie sich weiterzuentwickeln. Wenn du an mich denkst, erinnere dich an die Zeit, in der du mich am liebsten hattest und der Mensch ist erst dann wirklich tot, wenn niemand an ihn denkt. In diesem Sinne, bleib' gesund und lebe lang und in Frieden“.
Das Bild verschwand und für Sophia gab es kein Halten mehr. Dicke Tränen rollten über ihr Gesicht und sie schlug mit der Faust immer wieder auf die Tischplatte.
Sie war so abgelenkt, dass sie nicht bemerkte, wie sich die Quartiertür öffnete.
„Thea hat mir gesagt, dass du...“ Svea verstummte und wich einem PADD aus, welches Sophia nach ihr geworfen hatte.
„Sophia“
„Verschwinde, lass mich alleine“ brachte Sophia kaum verständlich zwischen zwei Schluchzern hervor.
Langsam ging Svea auf Sophia zu. „Was ist denn los?
Sophia zitterte am ganzen Körper und begrub ihren Kopf zwischen den Händen.
„Hey,… Sophia“ sagte Svea nun sichtlich besorgt und versuchte ihre Hand beruhigend auf Sophias Schulter zu legen. Diese schleuderte Svea mit einer kräftigen Armbewegung zu Boden.
Völlig überrascht blieb Svea regungslos liegen. Ihr fiel der kleine Kampf zwischen Thea und Sophia ein und wie stark ein Cait doch sein konnte.
Sophia sprang auf und stieß dabei den Stuhl um.
„Nein, nein, nein, dass, dass wollte...“ stammelte sie und half Svea wieder auf die Beine.
Kaum stand Svea, da wurde sie auch schon von Sophia umarmt und sie fing erneut an zu Schluchzen und konnte die Tränen nicht ****.
Beruhigend redete Svea auf Sophia ein und nach ein paar Minuten hatte sie sich so weit beruhigt, dass sie von der Holoaufzeichnung berichten konnte.
Behutsam dirigierte Svea ihre Freundin zur Sitzgruppe und Sophia ließ sich in einen der Sessel fallen.
Gerade als Svea nachfragen wollte, ob Thea schon etwas herausgefunden hatte, öffnete sich die Quartiertür.
„Ah, gut, dass Du hier bist“ meinte Thea zur XO und schaute ziemlich ernst.
„Was hast Du herausgefunden?“
„Naja, ich weiß, was alles nicht passiert ist. Es fehlt kein Raumanzug und es wurden auch in den letzten 72 Stunden keine Schotten oder Außenluken geöffnet. Es gab keinen unerlaubten Transporterversuch und es gibt auch keine Anzeichen auf irgendwelche Raumverzerrungen.“
„Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache.“
„Bitte was?“ fragte Thea irritiert.
„Ach, das ist aus einer Geschichtssammlung, die mir Patrick gegeben hatte. Da war noch so ein Spruch: Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag, oder irgendwie so.“
„Dann hat so ein Q ihn ****“ meinte Thea bissig, worauf Sophia, die sich gerade etwas beruhigt hatte, sofort wieder losheulte.
Wütend schaute Svea zu Thea, die etwas betroffen zu Boden blickte. Beide versuchten Sophia zu trösten, was mehr oder weniger gut gelang.
„OK, wir werden noch einmal alles durchgehen, irgendwo muss er doch sein“ sagte Thea und verließ das Quartier.
Die Suche
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Eine Reise durch Zeit und Raum
Eben noch auf der Erde und jetzt schon im All
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