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Ersatzteile

Chapter 4 by kokosmilch kokosmilch

Eylem kannte diese Typen, die glaubten, mit allem durchkommen zu können. Sie würde ihm gehörig auf den Zahn fühlen.

"Was ist in den Kisten?"

"Ersatzteile...
für Landmaschinen."

Der Nachsatz klang, als habe er ihn sich eben erst ausgedacht.

"Lieferscheine?"

Falk betrachtete sie schweigend. Seine Miene blieb unverrückbar. Kein genervtes Seufzen, kein spöttisches Grinsen. Seine Aufmerksamkeit ruhte ganz auf ihr, als würde nicht sie ihn, sondern er sie kontrollieren.

Eylem spürte seinen Blick überdeutlich, als sehe er unter ihre Haut. Das ärgerte sie mehr, als sie sich eingestehen wollte.

„Sie verschwenden die Zeit meiner Mitarbeiter. Und sie schädigen die Geschäfte meiner Kunden. Es handelt sich um Terminware, die pünktlich ausgeliefert werden muss“, sagte Falk ruhig, ohne auf ihre Frage einzugehen.

Sie richtete sich auf und trat dicht vor ihn. Ganz dicht. Ihre Körper berührten sich fast.

„Ich entscheide hier, was Zeitverschwendung ist.“

Sie musste den Kopf heben, um ihm in die Augen zu sehen. Er war größer als sie. Viel größer. Trotzdem wich sie keinen Zentimeter zurück.

Ein Duft von Tabak und Leder umfing sie. Für einen flüchtigen Augenblick schien die Welt ringsum stillzustehen. Das Stimmengewirr vom Bahnsteig, das Quietschen eines einfahrenden Zuges – alles trat in den Hintergrund.

Falk lächelte und schaute überheblich auf sie herab.

„Sie scheinen Ihren Beruf sehr ernst zu nehmen, Frau Dogan.“

Sie fragte sich unwillkürlich, woher er ihren Namen kannte. Erst dann fiel ihr auf, dass er ihn auf ihrem Namensschild lesen konnte.

„Und Sie scheinen sich für unangreifbar zu halten.“

„Nein.“ Er hielt ihrem strengen Blick mühelos stand. „Ich habe nur gelernt, dass man sich nicht alles gefallen lassen sollte. So wie ich das sehe, gibt es keinen Grund für eine Durchsuchung meines Eigentums. Wenn Sie die Frachtpapiere kontrollieren wollen, können Sie das gerne in meinem Büro tun. Die Adresse steht auf der Karte.“

Seine ruhige Art brachte sie mehr aus dem Gleichgewicht als jede offene Provokation. Sie wollte ihn zurechtweisen, ihn aus seiner Selbstsicherheit reißen. Stattdessen hatte sie das Gefühl, dass er jeden ihrer Schritte voraussehen konnte, noch ehe sie selbst wusste, was sie tun würde.

„Gut. Sie können gehen.“

Eylem steckte die Visitenkarte in ihre Brusttasche. Falks Blick folgte ihren Fingern und sein Lächeln wurde anzüglich, als sehe er in der schlichten Bewegung mehr, als beabsichtigt war. Ihr wurde plötzlich eiskalt und mit Unwillen bemerkte sie, wie sich ihre Brustwarzen unter der Uniformbluse aufrichteten.

Sie räusperte sich. "Ich werde in einer Stunde bei Ihnen in der Firma sein, um die Lieferpapiere zu prüfen. Bei der kleinsten Unregelmäßigkeit werde ich Zoll und Steuerfahndung hinzuziehen."

„Davon bin ich ausgegangen.“

Dann nickte er betont höflich und rief seinen Mitarbeitern zu, dass sie fertig verladen und sich beeilen sollten.

Eylem blieb noch einen Moment stehen. Sie sagte sich, sie habe ihm deutlich gezeigt, wer das Sagen hatte. Sie würde seine Unterlagen so gründlich filzen, dass sie jeden Fleck auf seiner weißen Weste finden musste.

In Gedanken hörte sie schon das zufriedenstellende Klicken ihrer Handschellen, wenn sie ihn wegen Steuerbetrugs oder Verstößen gegen das Außenhandelsgesetz festnehmen würde.


Martin Falk setzte sich in seinen mattschwarzen Mercedes SUV und dachte währenddessen an etwas völlig anderes. Er griff sich in den Schritt und richtete seinen sich angenehm prall anfühlenden Schwanz, um bequemer zu sitzen. Die Vorstellung, dass sie allein in sein Büro kommen würde, ließ seine Fantasie heißlaufen.

Sie war stolz, impulsiv und reizbar. Und sie versuchte, jede Unsicherheit hinter zur Schau getragener Autorität zu verstecken.

Menschen wie sie waren manchmal gefährlich. Aber auch erstaunlich berechenbar.

Er freute sich schon auf das Wiedersehen.

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