What's next?
Martin Falk
Eylem bog auf den kleinen Bahnhofsvorplatz ein. Außer einigen Pendlern, die zu ihren Zügen hasteten, herrschte kaum Betrieb. Lediglich ein dunkler Lieferwagen ohne Beschriftung stand an der Laderampe. Drei Männer verluden sorgfältig verschlossene Kartons in den Kleintransporter.
Irgendetwas an der Szene kam ihr seltsam vor. Eylem kniff die Brauen zusammen und ging auf die Männer zu. Ihr Blick blieb an dem hängen, der ein wenig abseits stand und die Arbeiten überwachte.
Er war vielleicht Mitte vierzig. Die braunen, nach hinten gekämmten Haare waren an den Schläfen leicht angegraut. Dunkelgraues Sakko über am Kragen offenem weißen Hemd. Er wirkte nicht geschniegelt oder geziert, sondern strahlte diese gelassene Überheblichkeit aus, die nur Männer kennzeichnete, die dachten, alles müsste sich nach ihren Wünschen richten.
Eylem hasste solche Typen.
"Polizeikontrolle! Ihre Ausweise – bitte."
Die Pause vor dem letzten Wort war lang genug, um zu betonen, dass es eine Floskel und keine Höflichkeit war.
Die Arbeiter gehorchten sofort.
Der Mann drehte sich zu ihr, provokant langsam. Sein Lächeln wirkte freundlich und blieb doch reine Fassade. Seine Augen musterten sie von oben nach unten, von ihrer exakt gerade sitzenden Dienstmütze bis zu den Spitzen ihrer blankpolierten Stiefel. Was er sah, schien ihn nicht sonderlich zu beeindrucken. Er machte einen Schritt auf sie zu, ohne im Mindesten besorgt zu sein.
„Kann ich Ihnen helfen?“
Seine Stimme war tief und ruhig. Es war klar, dass er nicht beabsichtigte, sich zu rechtfertigen. Genau diese zur Schau getragene Gelassenheit empfand Eylem als äußerste Provokation.
„Ich sagte: Ausweise. Von allen.“
Ihre Stimme klang gepresst und ein wenig zu laut, wodurch sie ihre innere Anspannung verriet.
Er griff in die Innenseite seines Jacketts. Unwillkürlich legte Eylem ihre Hand an das Holster ihrer Dienstpistole.
Falks Lächeln wurde breiter. Betont lässig zog er mit zwei spitzen Fingern seine Brieftasche hervor. Statt seines Personalausweises reichte er der Polizistin eine Visitenkarte.
Martin Falk
Import – Export
Sie hielt die Karte etwas länger in ihrer Hand, als nötig gewesen wäre.
„Transportunternehmer?“
„Unter anderem.“
Die knappe Antwort gefiel ihr nicht. Hier ging mehr vor sich, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte.
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