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Weg, nur weg!
Die bedrückende Stille der Nacht wurde plötzlich von einem tiefen, mechanischen Summen zerschnitten. Es war kein flaches Brummen, sondern das hochfrequente, unbarmherzige Surren von Elektromotoren.
Karsten erstarrte augenblicklich. Er riss den Kopf hoch, schärfte die Sinne und starrte in den dunklen Himmel über dem rauchenden Wrack der A400M.
„Drohne!“, zischte er und lauschte. „Suchdrohne... Russisches Modell!“, fluchte er mit erstickter, scharfer Stimme durch das Unterholz. „Runter! Sofort alle flach auf den Boden! Kein Laut, keine Bewegung! Sonst bringen uns die Russen um, bevor die Ukrainer uns gefunden und rausgeholt haben.“
Die Nachricht fuhr wie ein elektrischer Schlag durch die geschwächte Gruppe. Das helle, grüne Licht eines Infrarot-Scanners tastete sich bereits durch die Baumkronen und schnitt dichte Schneisen in die Dunkelheit. Die Aufklärungsdrohne schwebte mit unheimlicher Präzision direkt über die rauchenden Trümmer der Frachtmaschine, verharrte in der Luft und richtete ihre hochauflösende Wärmebildkamera direkt auf das angrenzende Wäldchen. Das leise, klickende Geräusch der optischen Sensoren war in der Stille grausam deutlich zu hören.
„Gott... sie filmen uns... sie suchen Überlebende!“, wimmerte Agnieszka mit ersterbender Stimme. Sie legte sich lang auf den Bauch, presste ihr Gesicht tief ins kühle Moos, während sie krampfhaft versuchte, das schmerzhafte Wimmern zu unterdrücken, das ihre schwer geprellte Brust bei jedem Atemzug verursachte.
„Agnieszka, Mund halten!“, raunte Karsten drohend, der sich flach neben Sabine ins nasse Unterholz gedrückt hatte. Er legte schützend seinen Arm über ihren Rücken. Sabine zitterte unter seinem Griff und krallte die Finger in die Erde, unfähig, den Blick von dem roten Lichtkegel zu wenden, der nur wenige Meter von ihren Köpfen entfernt über den Waldboden strich.
Siemtje Berger lag neben Sara Manni auf dem Bauch. Sie griffen nach der Hand der anderen, drückten sie fest und wurden von einer reinen, primitiven Todespanik erfasst. Die Vorstellung, von den Suchscheinwerfern der Drohne erfasst und anschließend von einem feindlichen Trupp exekutiert zu werden, trieb sie an den Rand des Wahnsinns.
„Sara... ich schaffe das nicht, die sehen uns... die sehen die Wärme unserer Körper!“, keuchte Siemtje ganz leise zu Sara, die mit ihrem wuchtigen Körper versuchte, in der Erde zu versinken, um sich zu retten. Trotz der höllischen Schmerzen in ihrem gequetschten Unterleib und Schambein rutschte Siemtje wie eine Ertrinkende so nah an Sara, dass jede den weichen Körper des anderen spürte.
„Du muss still sein... bitte, Siemtje, sei still!“, flehte Sara bettelnd an ihrem Ohr, während sie sich selbst so eng an die Erde presste, dass der feuchte Schlamm ihre Brust und ihr Gesicht bedeckte. Sie machten sich so winzig, dass sie vollkommen mit dem dunklen Erdreich verschmolzen.
„Hier rüber, Lea! Schnell, unter die Wurzel!“, flüsterte Sven Gramlich mit überschlagender, heiserer Stimme.
Lea schien paralysiert Sven machte zwei Schritt, packte Lea am T-Shirt und zog sie mit einer schier unmenschlichen Verzweiflungskraft in das dunkle Hohlmaß einer umgestürzten, moosbewachsenen Eiche. Die Höhlung unter den massiven Wurzeln war eng, feucht und roch nach modriger Erde. Ohne Rücksicht auf Leas Körper quetschte er sie so tief wie möglich in das Loch. Dann stieg er hinein, drängte sich zwischen die Erde und Leas warme Formen.
„Danke“, flüsterte Lea nur, aber sie nahm mit beiden Händen die seine und drückte zu. Dann krümmte sich zusammen, zog die Beine krampfhaft an den Bauch und presste ihre Stirn gegen Svens nackte Schulter.
Oben in der Luft drehte sich die Drohne langsam um die eigene Achse. Der Infrarotkegel wanderte über den Stamm der Eiche, verharrte für zwei endlose, folternde Sekunden direkt über dem Versteck von Sara und Siemtje – und zog dann weiter über die Baumkronen hinweg.
Das Summen der Motoren entfernte sich langsam, als die Drohne ihren Flugkorridor fortsetzte, um das hintere Feld abzusuchen.
Karsten hob ganz langsam den Kopf, der Schweiß stand ihm blank auf der Stirn. „Sie hat uns nicht erfasst... Wahrscheinlich … Noch nicht. Vielleicht wartet sie weiter oben, ob sich noch etwas tut. Die Daten sind auf jeden Fall übertragen. Man sagt, es gäbe eingesickerte Russen hinter der Front im Donbas. Wenn ja, dann machen die sich jetzt auf den Weg. Das wäre ein Fest. Deutsche Soldaten in russischer Gefangenschaft, obwohl Deutschland sich nicht am Krieg beteiligt. Was mit euch passiert, brauch ich ja nicht zu sagen. Ihr landet in einem Frontpuff, nachdem euch die Offiziere durchgefickt haben. Alle Offiziere“, sagte er gerade so laut, dass ihn alle hörten. Bei den letzten Worten schaute er die Frauen an. Jede wurde bleicher, egal ob Soldatin, Politikerin oder Oberstleutnant.
Er richtete sich auf und blickte zu den verstörten Frauen. „Aufstehen! Egal wie weh es tut! Wir müssen hier weg. Jetzt!“
Aus der Wurzelhöhle krochen Lea und Sven hervor, völlig dreckverschmiert, zitternd und nach Luft ringend. Sara stützte Siemtje, die vor Schmerzen kaum stehen konnte.
„Wohin, Karsten?! Wohin sollen wir?!“, rief Désirée Bäcker panisch, während Sascha sie am Arm hochzog.
„In den tiefen Wald, Richtung Westen! Wenn wir uns verlieren, immer Richtung Westen gehen. Bewegung, bewegt eure Ärsche!“, befahl Karsten nun unerbittlich.
Die kleine, geschundene Gruppe stolperte, sich gegenseitig stützend und von Angst gepeitscht, durch das dichte Unterholz davon – weg nur weg von den Trümmern der einstmals stolzen A400M
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