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Chapter 6
by
Lysarion
Zwischenzeit
Unerwartet Begegnung
POV Desiree
Das Café im Oberstock des Shoppingcenters war einer dieser Orte, an denen ich gern Zeit verbrachte. Die Zeit weich wurde, oder wie andere mich schalten, ich die Zeit vergaß. Glas, Chrom, der immer gleiche Geruch nach Kaffee und etwas Süßem. Stimmenrauschen wie ein Meer, das keine Richtung kannte. Ich saß mit dem Rücken zur Brüstung, den Becher zwischen den Händen, ohne wirklich zu ****. Menschen gingen vorbei, Paare, Familien, Tüten. Alles wirkte gleichzeitig belanglos und endgültig.
Ich hatte nicht vor, ihn zu sehen. Es war Zufall das wir am gleichen Ort zur gleichen Zeit waren.
Und doch wusste ich sofort, dass er es war.
Nicht wegen seines Aussehens. Nicht wegen einer Geste.
Sondern wegen dieser Art, Raum einzunehmen, ohne ihn zu beanspruchen.
Bernd ging ein paar Schritte hinter seiner Frau. Sie war keine auffällige Erscheinung, aber gepflegt, sicher, jemand, der wusste, wie Dinge laufen sollten. Sie sprach, während sie ging. Nicht laut. Nicht schrill. Aber mit dieser Schärfe, die keinen Widerspruch erwartete. Er hörte zu. Nickte. Sagte etwas, das ich nicht verstand, lächelte sogar kurz. Sie reagierte nicht.
Sie blieb an einem Schaufenster stehen, drehte sich abrupt um, sagte etwas. Seine Schultern spannten sich kaum merklich an, dann entspannte er sie wieder. Er antwortete ruhig. Ich konnte an seinem Mund sehen, dass er einen Ausgleich suchte. Kein Recht behalten. Keine Spitze setzen.
Sie verdrehte die Augen. Griff nach einer Tasche, die er trug, als wäre sie selbstverständlich ihr Eigentum. Er ließ es zu, ohne Groll, ohne Unterwerfung. Nur mit einer Geduld, die mich unruhig machte.
Ich merkte, wie ich den Atem anhielt.
Er war kein Mann, den man anstarrte. Kein Körper, der etwas forderte. Kein Gesicht, das versprach. Und doch war da diese Ruhe, dieses Bei-sich-Bleiben, selbst dort, wo es wehtat.
Ich fragte mich, wie viele Jahre man braucht, um so zu werden. Oder wie viele Enttäuschungen.
Seine Frau sagte etwas, das deutlich schärfer war als zuvor. Ich sah, wie etwas in seinem Blick kurz aufblitzte – nicht Wut, eher Müdigkeit. Dann machte er einen kleinen Schritt näher zu ihr, sagte etwas Leises. Beschwichtigend. Er nahm sie ernst, auch da, wo sie ihn nicht ernst nahm.
Das war es.
Nicht sein Körper.
Nicht sein Alter.
Nicht einmal das, was zwischen uns geschehen war.
Es war diese Haltung.
Mir wurde plötzlich klar, wie selten ich Männer gesehen hatte, die nicht zurückschlugen, weder mit Lautstärke noch mit Rückzug. Die blieben. Aufrecht. Höflich. Nicht aus Schwäche, sondern aus einer Entscheidung heraus.
Und ich spürte in mir das ich unruhig wurde. Spontan war das Gefühl wieder da, wie er in mir steckte, in mir kam, wie ich das Gefühl hatte, ich würde platzen von der Flut seines Samens in meiner Enge. Und gleichzeitig zog sich etwas anders in mir zusammen.
Will ich so einen Mann?
Einen, der trägt?
Einen, der aushält?
Einen der kein Spiel ist, weil er schon müde genug ist, nicht mehr zu spielen?
Oder suche ich nur jemanden, bei dem ich mich sicher fühle, an den ich mich anlehnen kann, der auf der Klaviatur meines Körpers eine Partitur der Lust spielt?
Der Gedanke erschreckte mich.
Sie gingen weiter. Er drehte sich nicht um. Natürlich nicht.
Ich blieb sitzen, sah auf meine Hände. Ich war ****. Und zugleich fühlte ich mich plötzlich unfertig. Nicht im Mangel, sondern im Offenen. Als hätte ich zu viele Möglichkeiten und keine klare Richtung. Mein junger Körper sehnte sich nach seinen Küssen, nach seinen Händen, seinem Schwanz.
Und doch das alles konnte ich ignorieren und rationalisieren. Aber da war das andere was mich zu ihm zog. Ich wusste eines: Es, war nicht Begehren im einfachen Sinn. Es war etwas Tieferes, Gefährlicheres. Eine Nähe zur Seele eines anderen Menschen – und die Angst, dass genau das bindet.
Nicht nur an ihn.
Sondern an eine Version von mir, die noch keine Antwort hatte auf die Frage, wen ich lieben konnte, ohne mich zu verlieren.
Als ich später aufstand, war mein Kaffee kalt.
Aber in mir war etwas wach geworden, das sich nicht mehr ignorieren ließ.
Nicht Verliebtheit des Herzens. Sondern des Verstandes, das war ernster und das machte mir mehr Angst als alles andere.
What's next?
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