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Chapter 7 by Lysarion Lysarion

What's next?

Die Nacht vor dem Aufbruch

POV Bernd

Die Wohnung war zu ruhig.Nicht still – sondern gespannt, so als lausche sie selbst. Meine Frau war früh schlafen gegangen. Kein Streit. Kein Frieden. Etwas Dazwischen, das sich über Jahre eingeschliffen hatte.

Ich saß im Wohnzimmer, das Licht gedimmt, ein Glas Wasser unangetastet auf dem Tisch. Meine Augen fixierten die Bücher in den Regalen so als könnten Sie von dort Vertrautheit, Antworten beziehen. Meine Gedanken liefen Kreisbahnen, immer wieder vorbei an demselben Punkt: Ich habe eine Wahl.

Dieser Gedanke war neu. Und beunruhigend.

Lange hatte ich mir eingeredet, dass es keine echte Alternative gebe. Verantwortung, Gewohnheit, Geschichte. Man geht nicht, wenn man gemeinsam Jahre gefüllt hat – selbst dann nicht, wenn sie leer geworden sind. Und doch wusste ich jetzt: Ich könnte gehen. Nicht kopflos. Nicht ins Nichts. Beruflich, finanziell – ja. Ich war kein Gefangener.

Und trotzdem tauchten Bilder auf. Sommerurlaube, an denen wir gelacht hatten. Abende, an denen Nähe selbstverständlich war. Nicht alles war Fassade gewesen. Nicht alles falsch. Das machte es schwerer, nicht leichter.

Ich dachte an Desiree.

Nicht zuerst an ihren Körper, sondern an ihren Blick. An diese Mischung aus Ernst und Offenheit. An die Art, wie sie fragte, ohne zu fordern. Wie sie sah, ohne zu sezieren. An ihre Klugheit die über die gelebten Jahre hinausreichten.

Und dann kam die Angst.

Was, wenn sie geht?

Nicht morgen, nicht übermorgen – aber irgendwann. Weil sie **** ist. Weil sie wachsen will. Weil sie sich nicht festlegen sollte, schon gar nicht an einen Mann, der doppelt so alt ist und dessen Leben bereits Spuren trägt.

Spiel könnte Ernst werden, dachte ich.

Und ich wusste nicht, ob ich den Ernst aushielte.

Ich stand auf, ging ans Fenster. Draußen lag die Stadt dunkel, indifferent und für alle Möglichkeiten offen. Da waren wenige Lichter, es musste schon spät sein. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es wäre, Entscheidungen zu treffen, statt sie zu verwalten. Nicht aus Trotz. Nicht aus Flucht. Sondern aus Wahrhaftigkeit. Meine Gedanken kreisten und mit ihnen die Augen, blieben an dem einen und dem anderen Interieur hängen. Aber die Bilder und Bücher schwiegen

Am Ende blieb nur ein Gedanke, der sich ruhig anfühlte:

Ich muss nichts erzwingen.

Nicht die Ehe zerreißen, um etwas Neues zu retten.

Nicht Desiree festhalten, um mich selbst zu bestätigen.

Ich würde gehen. Paddeln. Schlafen unter freiem Himmel.

Und den Dingen erlauben, sich zu zeigen.

Nicht aus Feigheit.

Sondern aus Respekt – vor ihr, vor mir, vor dem, was war und dem, was vielleicht werden konnte.

Ich legte mich ins Bett. Es war wirklich spät geworden, aber nun kam der Schlaf ohne Kampf.

POV Desiree – dieselbe Nacht

Ich lag wach, das Handy unberührt neben mir. Es hätte mich beruhigt, ihm zu schreiben. Gerade deshalb tat ich es nicht

In meinem Zimmer stapelten sich Bücher, Notizen, Zettel – Pläne ohne Ordnung. Ich war immer gut darin gewesen, Ziele zu formulieren. Abitur. Studium. Weggehen. Frei sein.

Nur jetzt wusste ich plötzlich nicht, wo Freiheit endete und Ausweichen begann.

Bernd war kein Traum im klassischen Sinn. Kein Mann, der mir Abenteuer versprach oder mich in etwas Undefiniertes zog. Und vielleicht genau deshalb war er gefährlich.

Er sah mich. Nicht als Projekt. Nicht als Episode.

Und das verpflichtete.

Ich dachte an gestern Nachmittag. An seine Hände am Geländer. An die Ruhe in seiner Stimme, als er von dem Fluss sprach. Er hatte mich eingeladen – nicht gezogen. Mir Raum gelassen. Das war selten.

Und doch fragte ich mich:

Will ich ein Teil eines Lebens sein, das schon so viel Vergangenheit hat?

Oder suche ich nur Halt, weil mein eigenes Leben gerade erst anfängt?

Ich hatte Angst vor Festlegung. Nicht aus Unreife – sondern weil Festlegung etwas Echtes war. Und Echtes konnte wehtun.

Gleichzeitig wusste ich: Ich wollte nicht mehr nur Möglichkeiten sammeln. Nicht nur ausprobieren. Nicht nur vermeiden, jemanden wirklich nah heranzulassen.

Was mich zu ihm zog, war nicht Sicherheit

Es war Tiefe.

Und Tiefe bedeutete Risiko.

Ich stellte mir den Morgen vor. Kühle Luft. Wasser. Keine Kulisse, keine Rollen. Nur wir – außerhalb aller Räume, in denen man Erwartungen erfüllt.

Vielleicht musste ich nicht wissen, was wir waren.

Vielleicht reichte es, zu wissen, dass ich da sein wollte, solange es wahrhaftig war.

Ich nahm das Handy in die Hand, legte es wieder weg.

Lächelte in die Dunkelheit.

Angst war da.

Aber keine, die mich stoppen wollte.

Eher eine, die sagte: Das hier zählt.

Ich schlief ein mit dem Gefühl, dass etwas begann – nicht festgelegt, nicht benannt, aber bewusst gewählt.

Wie verläuft der Tourstart

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