What's next?
Stufe 2 im Abo
Silke war nur noch sauer.
Peter und Sandra waren sich zu nah. Der Markt. Der Bäcker. Die Sauna. Die Reparatur. Ein Foto, von dem das Dorf noch nicht sprach und das Silke trotzdem in den Knochen hatte, weil Peter rot durch die Gegend lief und Sandra lächelte, als gehöre ihr jemand. Silke wollte sie jetzt endgültig zur Schlampe machen. Vor dem ganzen Dorf. So deutlich, dass selbst Peter begriff, dass diese Frau nichts für ihn war.
Sie rief Dr. Henrik Dorn an. Ich erinnert euch. Dr. Henrik Dorn war Psychologe und Programmierer. Er hatte Hypnose gelernt und die Zulassung verloren, für immer. Nicht wegen eines Gerüchts. Wegen Akten. Patientinnen, denen er Orgasmen an Sätze gekoppelt hatte, bis sie taten, was die Stimme wollte. Seitdem arbeitete er im Darknet. Hörspiele. Module. Ein Programm, das sich Wellness nannte und Konditionierung war. Silke bezahlte ihn.
Das Geld stammte aus der Vereinskasse. Erst ein Betrag für Lizenzen. Dann einer für Stimmen und neuen Content. Dann einer für Expressversand und Hardware, den sie als digitale Öffentlichkeitsarbeit verbucht hatte. Der Kassenbericht würde das später nicht überleben. Silke dachte nicht an später. Sie dachte an Peter, der Sandra für lieb und naiv hielt, und an ein Dorf, das ihm das abnahm.
„Sie hängen aneinander“, sagte Silke. „Ich will Tempo.“
Dorn blieb ruhig. Die Stimme klang wie Sandras Kopfhörer, nur ohne Wärme.
„Dann nutzen wir den Beta-Test um ihr unauffällig Hardware zu schicken. Zweieinhalbtausendste Kundin oder so. Ein Dankeschön. Sie sieht die Falle nicht, wenn das Paket wie ein Gewinn aussieht.“ Am Abend lag das Pop-up auf Sandras Handy.
*Sensus gratuliert. Sie sind unsere 2.500. Hörerin. Als Dank: ein kostenloses Vertiefungsset entsprechend ihres Abos. Bitte Adresse und Größe bestätigen.*
Sandra sah die Falle nicht. Sie sah eine Zahl und ein Geschenk und eine Ablenkung nach den letzten Tagen mit Peter. Sie gab Name und Adresse ein und wählte S. Sie hakte die Kästchen und sah, dass bei ihr nur Erotik ausgewählt wurde. Sie konnte da sich zwischen Anfänger, Fortgeschrittener und Profi entscheiden. Sie dachte an Silkes Abo und an Jungs vom Verein und an ein Start-up, das Kunden halten wollte. Sie wählt Fortgeschrittener.
Am nächsten Tag kam das Paket per Express.
Keine Panik, stand auf dem Karton. Wir haben dir alles geschickt. Fang klein an. Wenn du willst, sofort.
Sandra lachte kurz, weil genau das fühlte sie gerade. Etwas Panik. Das Programm heft war günstig aber es erklärte was man als erstes tun soll. Wenn man möchte Tagsüber die Ohrstöpsel tragen und mit dem Handy verbinden. Ab und zu schickt dir die App zufällig etwas. Solltest du das Erotik-Abo nutzen, hast du neben den Stöpseln mehr Zubehör. Wenn du magst, trag das kleine Ei. Es ist mit dem Hörspiel verbunden.
Darunter, noch verschweißt und blickdicht, die zweite Stufe. Sandra fasste sie nicht an weil da Stand man soll mit Stufe 1 anfangen. Sie hatte nach dem Schlamassel mit Peter Ablenkung nötig. Das Foto. Sie brauchte etwas, das nicht Peter hieß.
Sie wusch das Ei, schob es in sich und erschrak über die Leichtigkeit. Es war klein, glatt, lag direkt hinter dem Eingang und drückte nur so viel, dass sie beim Gehen daran dachte. Den Bluetooth-Stöpsel setzte sie ins rechte Ohr, unauffällig unter dem Haar. Das Heft hatte recht. Keine Panik.
Nach ein paar Minuten kam die erste leichte Vibration.
Keine volle Geschichte. Ein Kurzstück. Eine Frau im Büro. Zwei Männer. Die Stimme beschrieb, wie die Frau sich auf den Schreibtisch setzte, die Bluse öffnete, den ersten Schwanz in ihre Möse nahm, während der zweite sie an den Brüsten berührte. Sandra stand in der Küche mit einer Tasse und biss auf die Lippe. Das Ei pulsierte weich, genau auf der Stelle, die immer zu empfindlich war sogar mit der Geschichte abgestimmt. Die haarlosen Schamlippen wurden feucht. Der Kitzler pochte gegen den Slip. Es war schön. Es war zu schön für den Vormittag.
Sie beendete das Ticket am Headset und hoffte, die Kundin habe das leise Stöhnen für Räuspern gehalten.
So ging das weiter und Abends war sie vollkommen fertig weil sie den ganzen Tag immer kurz vor dem Orgasmus war. Sie wollte jetzt noch Stufe 2. Sie machte die blickdichte Verpackung auf. Als erstes war da die Augenmaske. Im Heft stand, sie sei gut, weil man nicht abgelenkt werde. Innen saßen LEDs wie bei so einem Sternenhimmel. Sandra war neugierig. Sie schaltete nur die Infrarotlampe an, legte sich auf die Couch und zog die Maske fest. Licht von außen weg. Innen ein langsames Glitzern, Punkte, die wanderten. Die Stöpsel wieder rein. Das Ei noch immer in ihr.
Die Stimme kam zurück, länger als mittags und auch Sandra kam.
Sandra merkte nicht, dass das Glitzern denselben Takt hatte wie der Atem in der Geschichte. Sie merkte nur, dass die Hand zwischen die Beine wanderte und das Ei von innen gegen die Finger arbeitete.
Silke saß unten am Monitor und sah den Stream der Wohnung, so weit die Kameras reichten. Sie lächelte nicht. Sie war immer noch sauer. Peter sollte sehen, was aus der lieben, naiven Mieterin wurde, wenn man ihr ein Paket schickte, auf dem keine Panik stand.
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Sie war neugierig, weil das Heft sagte, Neugier sei Teil der Vertiefung. Die nächste Stufe lag unter einer zweiten Pappe. Die Stimme sagte, sie solle anlegen, was sich richtig anfühle. Kleine Schritte. Oder alles. Du behältst die Kontrolle.
Sie behielt sie nicht.
Augenbinde. Ohrstöpsel. Ei. Das Ei, das sie schon trug. Ein Dildo mit Stoßfunktion und Gurt, zum Anziehen. Ein magnetisches Zeitschlossschloss, schwarz, glatt, mit einem Hinweis: öffnet sich nach Ende der Session. Notöffnung im Heft. Abbruch setzt den Fortschritt zurück.
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