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Silke und Sandra

Chapter 22 by Peter_ENF

Am nächsten Tag klingelte Sandra mit einem Blechkuchen bei Silke. Silke öffnete, vollkommen fertig. Das Haar war ungekämmt, die Augen gerötet, das T-Shirt saß schief. Sandra stellte zuerst die Sachen ab: den Kuchen auf die Arbeitsplatte, die Tasche an den Stuhl, als könne Ordnung die Stimmung halten.

„Was ist los?“

Silke wollte abwinken. Der Satz kam nicht. „Probleme. Mit dem Bürgermeister. Mit der Vereinskasse.“

Sie setzten sich an den Küchentisch. Der Kaffee blieb kalt. Nach zehn Minuten war klar, dass das kein Thema für Kaffee und Kuchen war. Silke holte Wein. Dann eine Flasche Schnaps, die hinten im Schrank stand. Sie sprachen und tranken. Das erste Glas machte Silkes Stimme weich. Das zweite machte sie ehrlich, oder das, was bei ihr wie ehrlich aussah.

„Ich vertraue dir“, sagte sie und sah Sandra an, als koste der Satz mehr als der Schnaps. „Ich habe einem Mann Geld überwiesen. Für das Dorffest. Bühne, Technik, die ganze Nummer. Er wollte Vorkasse. Jetzt ist das Geld weg. Er war ein Betrüger und das Konto ist leer. Der Vorstand und der Bürgermeister machen mir die Hölle heiß.“

Sandra stellte das Glas ab. „Ich helfe dir.“

Silke lachte kurz, ohne Freude. „Womit. Mit einem Kuchen.“ Sie drehte den Stiel zwischen den Fingern. „Ich könnte jetzt nur noch meinen Körper verkaufen, um Geld zu verdienen. Ob du dabei auch helfen willst wage ich zu bezweifeln ob wohl du bestimmt viel Umsatz machen würdest.“

Sandra lachte und freute sich über das "Kompliment". Laut, unsicher, ein Laut für die Küche, nicht für den Satz. In ihrem Kopf war sofort etwas anderes. Der Ruheraum. Ein Körper, der sich schon verkauft hatte, ohne dass Geld geflossen war.

„Das sagst du nur so.“

„Vielleicht.“ Silke trank. „Vielleicht auch nicht.“

Dann wechselte sie das Thema, zu glatt, zu schnell.

„Wie geht es dir.“

Sandra wärmte das Glas in der Hand.

„Ich hab da jemanden. Also. Einen Freund. Noch nicht richtig. Es ist kompliziert. Er ist… zurückhaltend. Aber es gibt da Sachen.“ Sie wurde rot. „Wir haben uns gesehen. Mehr als gesehen. Und trotzdem schreibt er, als wäre nichts.“

Silke nickte, als höre sie das zum ersten Mal.

Sie wusste bereits alles. Seit Sandra die App installiert und die Rechte für Kamera, Mikrofon und Dateien freigegeben hatte, konnte Silke das sogenannte Tagebuch lesen. Notizen. Chatverläufe. Fotos. Videos. Den Zettel. Das Bild von der unbekannten Nummer. Silke ließ sich nichts anmerken.

„Wenn schon geheimnisvoll“, sagte sie, „dann macht es doch richtig anonym. Im Vereinsheim gibt es ein Glory Hole. War schon immer da. Alte Männersachen. Ich hab das auch mal benutzt, als ich jung war.“ Sie ist schon betrunken dachte Sandra als sie das hörte.

„Ein Loch in der Wand?“
Sandra starrte sie an.

„Ein Loch in der Wand. Eine Seite nackt. Die andere Seite macht, was sie will. Kein Gesicht. Kein Name. Nur Mund oder… der Rest.“

Überraschung und Geilheit kamen bei Sandra in demselben Atemzug. Zwischen den Beinen zog es warm, deutlich, als hätte jemand das Ei eingeschaltet. Sie sah Silkes Küche und sah gleichzeitig eine Sperrholzplatte, ein rundes Loch, ihre Knie auf dem Boden.

„Und das weiß der Verein.“

„Der Verein weiß, dass da eine Kammer ist. Was darin passiert, ist Nachbarschaft ist Spaß. Wir haben hier ja sonst nichts.“ Silke schenkte nach.

Sandra machte sich Gedanken über Silkes Problem. Und über Peter. Mehr über Peter. Wenn er sich nicht traute, sie als Vermieter zu ficken, dann vielleicht ohne Gesicht. Durch ein Loch. Ihr Mund. Ihre Schamlippen. Keine Zeugen.

Zu Hause, den Wein noch in den Wangen, nahm sie das Handy. Sie schickte an Peters zweite Nummer nur einen Standort. Das Vereinsheim, hinterer Trakt, die alte Gerätekammer.

Ein Foto. Kein Gesicht. Ihre nackte Hüfte, die haarlose Muschi, zwei Finger, die die Lippen einen Spalt öffneten. Darunter der Text, den sie dreimal schrieb und zweimal löschte.

"Heute um 19 Uhr bin ich da. Nackt, auf der einen Seite. Wenn du meinen Mund oder meine Schamlippen spüren willst, komm. Keine Namen. Keine Worte, Keine Zeugen. Nur du und ich.

Senden.

Sandra legte das Handy hin und strich sich über den Slip. Der Stoff war schon feucht. Sie dachte an Silke, die ihren Körper verkaufen wollte, und an sich, die ihn verschenkte, und an ein Loch in einer Wand, das angeblich schon immer da gewesen war.

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