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Chapter 3 by Daemony Daemony

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Schlechtes Benehmen

Das Lachen war verklungen, aber die Anspannung hing noch immer in der Luft. Carola spürte es in ihrer Brust, in ihren Fingerspitzen, in den Sohlen ihrer nackten Füße, die sich in das kühle Gras drückten. Die Stimmen der Jungs und Mädchen klangen ein wenig zu laut, ein wenig zu hell.

"Er beichtet nachher."

Wie war sie darauf gekommen? Sie hatte sich selbst mit diesem letzten Satz überrascht. Und dann hatten alle gelacht. Sogar Lena, die Stille. Und für einen Moment waren alle Augen auf sie gerichtet – nicht weil sie die Erwachsene war, oder die Aufpasserin, oder diejenige, die dafür sorgte, dass morgen früh alle Sonnencreme auftrugen und ihr Frühstück hatten – sondern weil sie etwas gesagt hatte, das sich niemand sonst getraut hätte.

Und das gefiel ihr.

Der Wein war noch in ihrem Blut. Ihre Haut kribbelte. Sie schwitzte, jetzt nicht mehr vom Feuer, sondern vor Aufregung. Von dem Gefühl, eine Grenze berührt zu haben. Sie fühlte sich wie ein kleines Mädchen, das Bonbons geklaut hatte und alles abstritt, obwohl ihre Fingerspitzen noch klebten. Sie drehte sich leicht, beiläufig – als würde sie nur ihre Position ändern –, aber ihr Blick glitt zur Baumgrenze, wo die Nacht die Schatten verschluckte. Und ja.

Er war da.

Er war nicht Teil des Kreises. Stand aber auch nicht ganz draußen. Nur ein paar Meter entfernt, in der Nähe des Weges zur Straße, auf der sie hergekommen waren. Die Arme verschränkt, die Haltung lässig, aber zu aufrecht, um wirklich entspannt zu sein. Er beobachtete.

Vielleicht hatte er aus dieser Entfernung nicht alles gehört, die Worte nicht verstanden. Vielleicht.

Carola blickte zurück zum Feuer. Die anderen waren wieder abgelenkt – Noah hatte angefangen, weiter Gitarre zu spielen, schlechter denn je. Tasha filmte ihn mit dem Handy und kicherte. Markus und Lena stritten sich spielerisch über irgendwas.

Niemand achtete auf Carola. Aber sie wollte beachtet werden. Sie war so lange treusorgende Mutter, liebende Ehefrau und mustergültige Elternbeirätin gewesen. Nun wollte sie endlich sie selbst sein. Und gesehen werden.

Ja, es war purer Leichtsinn. Aber nur wer ohne Sünde ist, sollte den ersten Stein werfen. Soll Pater Georg sie doch beurteilen. Verurteilen könnte er sie nicht.

Sie stand auf.

Zuerst bemerkte es niemand – erst als sie sich langsam, wie eine Schlafwandlerin, vom Schein des Feuers entfernte. Ihre Füße waren nackt, das Gras kühl und weich. Der Wein machte sie mutig. Oder vielleicht ließ er nur etwas herausscheinen, das seit Jahren still und verborgen in ihr schlummerte. Sie ging nicht weit – nur zu dem flachen Felsen in der Nähe der Feuerstelle, den die Gruppe als provisorischen Tisch benutzt hatte. Sie kletterte darauf.

Nicht schnell. Nicht hastig. Ruhig. Das war es, was es so merkwürdig machte und die Aufmerksamkeit aller auf sie zog.

Tasha fragte als Erste. „Carola? Was hast du vor?“

Carola lächelte. Unschuldig. Oder zumindest versuchte sie es. „Da die Stimmung offenbar einschläft, bin ich jetzt mal für die Unterhaltung zuständig.“

„Bist du ****?“, fragte Markus und hob die Augenbrauen.

„Nur trunken von Freiheit“, sagte sie und breitete die Arme aus wie die spöttische Karikatur einer Heiligen.

Und dann – bevor sie zu lange nachdenken konnte, bevor ihre Vernunft sie einholen konnte – hob sie den Saum ihres Tanktops. Und zog es nach oben.

Erst die sanfte Rundung ihres Bauchs. Der Bauchnabel. Der Ansatz ihrer Brüste, rund und schwer. Kein BH. Nichts unter dem Shirt außer Hitze und Wagemut.

Und dann war es über ihrem Kopf. Sie wirbelte es herum wie eine Trophäe und ließ es in hohem Bogen davonflattern.

Alle schauten sie entgeistert an.

Aber noch wichtiger, er sah sie.

Die Gruppe war fassungslos. Nicht wirklich schockiert – eher verwirrt. Noah sah aus, als wüsste er nicht, ob er applaudieren oder die Augen abwenden sollte. Tasha blinzelte zweimal und lachte dann ungläubig. Lena starrte nur. Markus pfiff leise. „Gelobt sei der Herr“, murmelte er.

Carola trat mit der Haltung einer Priesterin, die ein Ritual vollzogen hat, von dem Felsen herunter.

Und sie spürte seinen Blick. Aus der Dunkelheit jenseits der Flammen. Von dem Mann, der außerhalb des Kreises stand. Von dem, der alles gesehen hatte. Ihre Haut brannte jetzt heißer als das Feuer. Aber sie schämte sich nicht.

Noch nicht.

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