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Das Glashaus

Chapter 3 by Peter_ENF

Am nächsten Montag kaufte Sandra die Folie. Nicht Milchglas. Spiegelglasfolie. Die Rolle war schwerer als gedacht, die Anleitung auf der Rückseite nur überflogen: einseitig spiegelnd, abhängig von den Lichtverhältnissen. Das klang technisch und einfach. Sie wollte keine Vorhänge. Sie wollte Licht, Weite, den Blick auf die Linden und den Streifen Himmel über Hakenfelde – und trotzdem das Gefühl, dass niemand hineinsah.

Den Vormittag verbrachte sie auf den Knien vor den Scheiben. Cutter, Lineal, Wasserflasche, Rakel. Wohnzimmer. Schlafzimmer. Bad. Auch das schmale Fenster zur Treppe. Die Sonne stand hoch, das Glas war warm. Blase für Blase schob sie die Folie glatt. Als sie fertig war, trat sie zurück.
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Von innen blieb die Sicht klar. Die Hecke. Silkes Terrasse. Der schmale Streifen zwischen den Grundstücken, den noch niemand als Weg benutzte.

Von außen musste die Probe kommen.

Sandra zog eine dünne Bluse über das Tanktop, schlüpfte in die Jeans und ging hinunter. Zuerst auf die Straße. Die Fassade war plötzlich ein stummer Spiegel: Himmel, Äste, die aufgeweichte Fahrbahn, ihr eigenes kleines Bild darin welliges dunkelblondes Haar, grünbraune Augen, die suchten und nichts fanden. Kein Wohnzimmer. Kein Karton. Keine Frau.

Dann ging sie um das Haus. Der Streifen Schotter zwischen den Grundstücken war leer. Der Weg zwischen den Häusern war nie als Weg geplant gewesen. Nur ein schmaler Streifen Schotter, Unkraut und Lindenlaub, der Silkes Terrasse von der Rückseite des Mietshauses in Hakenfelde trennte. Jahrelang hatte ihn kaum jemand benutzt. Silke kam aus der Tür, als hätte sie auf genau diesen Moment gewartet. Das Lächeln zu breit. Der Blick zu wach.

„Na?“, fragte sie. „Hält sie?“

„Ich wollte testen“, sagte Sandra. „Ob man wirklich nichts sieht.“

„Komm rüber. Von der Terrasse aus ist der Winkel am klarsten.“

Sandra zögerte nur einen Atemzug. Die Höflichkeit gebot es. Sie folgte Silke durch den Garten, vorbei an den Geranien, und stellte sich dorthin, wo Silke sonst mit der Gießkanne stand. Das Mietshaus gegenüber lag in der Mittagssonne. Die großen Fenster waren blind. Spiegel. Wolken. Ein Stück von Silkes eigener Wand.

„Siehst du?“, sagte Silke weich. „Ich hab’s dir gesagt. Man kann nicht durchgucken. Die Scheiben spiegeln.“

Sandra lachte erleichtert. "Die erste Nacht stand ich am offene Fenster, das Handtuch war mir runter gerutscht und ich habe mich so erschrocken es könnte mich jemand sehen. Ich bin sehr schüchtern, weißt du.“

Silke nickte.

Sandra ging zurück, fast stolz. Die Folie war gekauft, geklebt, geprüft. Von Silkes Haus aus. Am helllichten Tag. Nichts zu sehen. Das Prinzip hatte sie verstanden – dachte sie. Den Nachmittag lebte sie, als gehöre die Wohnung endlich ihr. Die Sonne war weg und sie musste sogar das Licht anmachen.

Sie kocht Tee in der Küche und schnitt Kartons auf. Dieses mal hatte sie nur das weiße Tanktop und einen Tanga an, weil die Hitze in den Wänden hing. Sie war keine Exhibitionistin. Sie lebte nur mit sich im Reinen. Nackt unter die Dusche. Nackt zurück ins Zimmer. Ein Slip, wenn überhaupt.

Draußen lag der Streifen zwischen den Häusern nicht mehr still. Der Effekt der Folie hängt am Licht. Solange es draußen heller ist als drinnen, wirft die Scheibe den Blick zurück. Sobald es dämmert oder bewölkt ist und innen die Lampen brennen, kehrt sich alles um. Dann ist die Folie kein Schild. Dann ist sie Glas. Silke wusste das. Nicht aus der Packung. Silke konnte es schon den ganzen Nachmittag sehen. Sobald die Sonne weg war. Sie saß auf der Terrasse, das Glas in der Hand, und wartete, bis hinter der neuen Folie Wärme aufglomm. Weich. Wie eine Bühne, die jemand absichtlich eingeschaltet hatte.

Sandra kam aus dem Bad. Das dünne Handtuch, weil die großen noch im Karton BETT steckten. Feuchtes Haar, schulterlang, wellig. Sie trat vor die Scheibe, genau wie in der Nacht ohne Folie,. Dieses mal war sie aber sich weil die Folie sie sicher machte. Die Folie hatte einen tollen Effekt. Sie war wie ein großer Spiegel. Der Kleine war beschlagen aber dieser hier war klar. Sie ließ das Handtuch fallen und begutachtet sich im Spiegel. Von Silkes Terrasse aus war nichts verspiegelt. Alles war da und Silke filmte alles mit einer Professionellen Kamera.

Ihre schweren, natürlichen Brüste. Die aufgesetzten Vorhöfe. Die Nippel, empfindlich, steif vom Zug zwischen Rahmen und Glas. Der Apfel-Po, als sie sich drehte. Das Tribal, als sie sich bückte. Die Landebahn. Silke trank und filmte. Es war ihr wichtig, dass man die Nachbarin sehen konnte. Jeder sollte sehen was für eine zeigefreudige Schlampe sie ist. Nicht aus Fürsorge. Aus Ordnung. Die Neue hatte den leisen anderen Touch mitgebracht und das Lächeln, das noch freundlich war, während man sie schon einsortierte. Dass irgendwann jemand den Streifen zwischen den Grundstücken benutzte. Dass Blicke einen Weg fanden.

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