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neue Kleidung

Chapter 19 by rallebonn

Als wir wieder zur Ruhe gekommen waren, ging ich ins Schlafzimmer und öffnete den Schrank. Einen Moment lang blieb ich reglos stehen. Dort hingen zahlreiche Kleider, dazu Schuhe, Stiefel und sorgfältig ausgewählte Accessoires. Alles war farblich abgestimmt, hochwertig und auffällig anders als meine gewohnte Kleidung. Doch etwas fehlte: Unterwäsche fand ich nirgends. Einige der Kleider wirkten zudem ungewohnt gewagt, als sollten sie nicht nur angezogen, sondern mit Haltung getragen werden.

An der Innenseite der Schranktür hing eine Liste. Darauf war genau vermerkt, welche Kleider, Schuhe und Accessoires zusammengehörten. Daneben befand sich ein Plan für den aktuellen Monat, Tag für Tag festgelegt. Ich las ihn zweimal, weil ich zunächst glaubte, mich zu täuschen. Für jeden Tag gab es eine Vorgabe, manchmal sogar mit kleinen Hinweisen zum Auftreten. Die Sorgfalt, mit der alles vorbereitet worden war, machte mich zugleich neugierig und unruhig.

An manchen Abenden standen sogar Uhrzeiten und geplante Unternehmungen dabei: Essen, Kino, Oper, Theater oder Museum, manchmal mit meinem Mann, manchmal ohne ihn. Offenbar hatte Rainer unsere Dienstpläne genau gekannt oder sich auf eine Weise beschafft, die mich erschreckte. Alles fügte sich zu einem Plan, der längst begonnen hatte, bevor ich ihn überhaupt bemerkt hatte.

Ich ging hinunter. In wenigen Stunden begann meine Nachtschicht, und allein der Gedanke, in dieser Kleidung zur Wache zu fahren und mich dort umzuziehen, ließ mich nervös werden. Was, wenn meine Kollegin etwas bemerkte? Schon bei der Vorstellung spürte ich, wie mir die Wärme ins Gesicht stieg. Trotzdem nahm ich meine Tasche und machte mich auf den Weg.

Vor meinem Spind blieb ich stehen und zögerte. Die Umkleide war still, nur das entfernte Brummen der Lüftung war zu hören. Schließlich atmete ich tief durch, zog mich um und schlüpfte in meine Rettungskleidung. Das ungewohnte Gefühl blieb, leise und störend präsent. Meine Kollegin hatte mich kurz gesehen, doch sie sagte nichts. Vielleicht hatte sie nichts bemerkt. Vielleicht wollte sie nur nichts sagen.

Die Schicht verlief beinahe normal, wie so oft. Einsätze, Routinen, kurze Gespräche, Kaffee aus Pappbechern. Doch im Hintergrund blieb dieses Gefühl, als hätte sich etwas verschoben. Als ich morgens um sechs die Wache verließ, stand Rainers Fahrerin bereits vor dem Eingang. „Ich soll Sie zu einem Frühstück abholen“, sagte sie freundlich und hielt mir die Tür auf. Ich hätte fragen können, warum. Stattdessen stieg ich ein. Die Fahrt führte uns aus der Stadt hinaus, zu einer Villa in ruhiger Lage, umgeben von einem großen, fast parkähnlichen Garten. Als ich ausstieg und die Treppe zum Eingang hinaufging, schlug mein Herz schneller.

Eine junge Frau, ganz in Schwarz gekleidet, öffnete mir. „Bitte folgen Sie mir. Der Herr erwartet Sie bereits.“ Ihre Stimme war höflich, aber so selbstverständlich, als sei mein Erscheinen längst eingeplant. Ich folgte ihr durch das Haus und auf die hintere Terrasse. Dort saß Rainer bereits, in einem perfekt sitzenden Maßanzug, als wäre es völlig normal, am frühen Morgen so empfangen zu werden. Er begrüßte mich ruhig, bat mich, Platz zu nehmen, und musterte kurz mein Auftreten. „Gut gelernt“, sagte er. Ich spürte, wie ich verlegen wurde. „Danke“, antwortete ich leise. „Das kam alles etwas überraschend. Und ich müsste bald schlafen, ich komme gerade aus der Nachtschicht.“

Rainer nickte nur. „Das darfst du gern nach dem Frühstück.“ Kurz darauf wurde aufgetischt: Saft, Kaffee, Tee, verschiedene Brotsorten, Obst, Marmelade und Käse, so sorgfältig arrangiert, als säße ich in einem kleinen Hotel. „Wohnst du hier?“, fragte ich, obwohl die Antwort offensichtlich war. „Ja“, sagte er. „Und ich lade nur wenige Menschen hierher ein.“ Während wir frühstückten, redeten wir zunächst beiläufig. Trotzdem lag zwischen jedem Satz eine Spannung, die ich nicht einordnen konnte. Plötzlich stand er auf und reichte mir die Hand. „Dreh dich einmal“, sagte er. Ich gehorchte zögernd. Sein Blick war prüfend, aber nicht hastig. Dann sagte er ruhig: „Für heute genügt es, wenn du Vertrauen lernst.“ Die Worte trafen mich unerwartet. Ich wurde nervös, blieb aber stehen. Einen Moment lang wusste ich nicht, ob ich widersprechen oder abwarten sollte. Schließlich trat ich einen Schritt zurück und sagte leise: „Nur, wenn ich selbst entscheiden darf.“ Rainer hielt inne. Dann lächelte er „das hast du doch schon längst aufgegeben. Ich möchte das du nackt mit mir weiterfrühstückst“. Ich werde wieder rot zögere stehe nervös da.

„Ich kann das nicht“, sagte ich leise. Meine Stimme klang unsicherer, als ich es wollte. Rainer lächelte, doch diesmal wirkte sein Blick ernster. „Du musst nichts tun, was du nicht willst“, sagte er ruhig. „Aber du darfst lernen, dir selbst zu vertrauen.“ Ich blieb stehen, den Atem flach, die Hände angespannt an den Seiten. Aus dem Haus war ein leises Geräusch zu hören; jemand näherte sich der Terrasse. Für einen Moment fühlte ich mich beobachtet, obwohl niemand etwas sagte. Rainer trat einen Schritt zurück, als wolle er mir Raum geben. „Soll ich dir helfen?“, fragte er leise. Die Frage hing zwischen uns, schwer und offen. Ich spürte, wie nervös ich war, doch diesmal zwang mich niemand zu einer Antwort. Ich nickte nur kaum merklich — nicht aus Unterwerfung, sondern weil ich selbst entscheiden wollte, ob ich den nächsten Schritt wagte.

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