What's next?
mein neuer Style
Im Auto herrschte für einen Moment eine ungewohnte Stille. Rainer blickte mich von der Seite an, ruhig und aufmerksam, als wolle er prüfen, ob ich wirklich verstand, was zwischen uns unausgesprochen im Raum stand. „Wie solltest du sitzen, auch wenn ich nicht da bin?“, fragte er leise. Ich antwortete nicht. Stattdessen veränderte ich meine Haltung, fast automatisch. Sein anerkennendes Lächeln traf mich unerwartet und ließ mein Herz schneller schlagen.
Dann reichte er mir eine schlichte Visitenkarte. Das Papier fühlte sich kühl und fest zwischen meinen Fingern an. „Ich möchte, dass du morgen zu dieser Adresse gehst“, sagte er. „Lass dich dort beraten — Haare, Nägel, Haut, Kleidung. Sie wissen Bescheid.“ Ich starrte auf die Karte, als stünde dort mehr als nur ein Name und eine Straße. „Warum?“, fragte ich unsicher. Rainer lächelte, doch seine Antwort ließ auf sich warten.
„Weil du viel mehr bist, als du dir selbst zugestehst“, sagte er schließlich. „Und weil Veränderung manchmal dort beginnt, wo man sich am meisten davor fürchtet.“ Seine Worte blieben an mir hängen. Vor unserem Haus kam der Wagen zum Stehen. Für einen Augenblick rührte ich mich nicht. Rainer öffnete die Tür, sah mich noch einmal an und sagte: „Bleib offen. Vertrau dir. Und geh deinen Weg bewusst.“ Dann verabschiedete er sich, als hätte er mir nur eine gewöhnliche Empfehlung gegeben.
Als ich das Haus betrat, war mein Mann noch wach. Das warme Licht im Wohnzimmer wirkte vertraut, beinahe beruhigend, doch in mir arbeitete alles weiter. Ich erzählte ihm von dem Abend, von der Karte, von Rainers Worten. Wir tranken Wein, redeten lange und lachten mehr, als ich erwartet hatte. Trotzdem spürte ich diese leise Unruhe in mir — ein Gefühl, als hätte sich eine Tür geöffnet, von der ich nicht wusste, ob ich hindurchgehen wollte.
Am nächsten Morgen rief ich in dem Studio an. Wegen meines Dienstplans bekam ich erst für Mittwoch einen Termin. Zwei Tage lang lag die Visitenkarte auf dem Tisch, scheinbar harmlos, und doch zog sie meinen Blick immer wieder auf sich. Als ich am Mittwoch gegen elf Uhr den Laden betrat, wurde ich sofort erwartet. Nichts daran fühlte sich zufällig an. Man begrüßte mich mit einer Höflichkeit, die keine Fragen offenließ: Rainer hatte klare Anweisungen hinterlassen. Erst zögerte ich, dann ließ ich mich darauf ein. Schritt für Schritt verwandelte sich etwas — nicht nur an meinem Aussehen, sondern auch in meinem Inneren. Meine Nägel erhielten eine neue Farbe, meine Haut wirkte frischer, und schließlich fiel mein Haar in einem frechen, ungewohnten Schnitt: eine Seite kurz, die andere wild und lebendig. Als ich später in den Spiegel sah, erkannte ich mich kaum wieder. Doch gerade das machte mir am meisten Angst — und zugleich wollte ich wissen, wer diese neue Frau war, die mir aus dem Spiegel entgegenblickte.
Endlich wollte ich auch die neuen Kleidungsstücke aussuchen, doch die Beraterin lächelte nur geheimnisvoll. „Die hängen bereits in Ihrem Schrank“, sagte sie ruhig. „Ihre alten Sachen haben wir mitgenommen. Eine Anleitung zu den einzelnen Outfits finden Sie an der Innenseite der Schranktür.“ Ich blinzelte überrascht. Für einen Moment wusste ich nicht, ob ich lachen oder protestieren sollte. Alles war vorbereitet, alles schien einem Plan zu folgen, den ich selbst noch nicht kannte. Dann reichte sie mir ein weiteres Kleidungsstück. „Und das hier ist für heute vorgesehen.“
Sie legte mir ein ungewöhnliches Jeanskleid bereit: modern geschnitten, selbstbewusst, mit einer auffälligen Form, die nichts dem Zufall überließ. Dazu stellte sie knöchelhohe blaue Schuhe, etwas klobig auf den ersten Blick, fast wie robuste Wanderschuhe. Ich hätte nie gedacht, dass diese Kombination funktionieren könnte. Doch als ich alles angezogen hatte und mich im Spiegel betrachtete, passte es erstaunlich gut zu meinem neuen Stil. Es wirkte frech, mutig und vollkommen anders als alles, was ich bisher getragen hatte. Ein Teil von mir wollte sofort zurück in die vertraute Sicherheit meiner alten Kleidung. Ein anderer Teil wollte wissen, wie weit dieser neue Weg noch führen würde.
Auf dem Heimweg war ich nervös. Immer wieder musste ich daran denken, was wohl in meinem Schrank auf mich wartete. Jeder Schritt fühlte sich leichter und zugleich unsicherer an, als hätte ich eine Grenze überschritten, ohne genau zu wissen, was dahinterlag. Als ich zu Hause ankam, war mein Mann bereits da. Er sah auf, musterte mich einen Augenblick lang schweigend und bekam dann große Augen. „Wow“, sagte er schließlich, fast atemlos. „So habe ich dich noch nie gesehen.“ Seine Reaktion brachte mich zum Lächeln, doch zugleich wurde mir bewusst, dass diese Veränderung nicht nur mich betraf. Zwischen uns lag plötzlich eine neue Spannung, ungewohnt und aufregend — nicht laut, nicht überstürzt, sondern wie ein Versprechen, dass sich etwas in unserem gemeinsamen Leben verschoben hatte und ohne es zu planen zu sagen hatten wir spontan Sex einfach geilen hemmungslosen Sex.
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