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Chapter 3
by
Reyhani
What's next?
Über 700 Jahre später ...
Theodor von Hohenried rückte unmerklich nach rechts und wieder zurück. Die Holzbank vor dem Direktionszimmer war unbequem. Es war bestimmt eine umfunktionierte Kirchenbank. Er hatte seine Tochter Amalia beim Probeunterricht abgegeben und wartete jetzt auf seinen Termin bei der Direktorin.
Grundsätzlich war er sehr angetan von der Klosterakademie Venusberg. Distinktion, Diskretion, Disziplin – das waren die Versprechen, die die Institution ihm seit seiner Ankunft zuflüsterte. Das alles würde Amalia guttun und hoffentlich dazu beitragen, dass sie trotz ihres gesegneten Alters doch noch zu einem ordentlichen Schulabschluss käme. Mit der Teenagerrebellion war jetzt jedenfalls endgültig Schluss.
Die traumhafte Lage der Akademie, abgeschieden in einem versteckten Tal am Fuße der Berge, würde ihr übriges tun. Hier konnte man sich noch ganz auf Bildung und Erziehung konzentrieren ohne die allfälligen Ablenkungen des modernen Großstadtlebens.
Was Hohenried besonders imponierte war der Wert, den man hier auf Tradition legte. Die Wurzeln der Akademie reichten weit ins Mittelalter zurück – das behauptete jedenfalls die Broschüre, in der er aus Langeweile seit einer geraumen Zeit blätterte.
Die Ursprünge der Klosterakademie Venusberg
Es war in der Woche nach Septuagesima im Jahre des Herrn 1261 als Gott einen Schneesturm sandte und seine Magd, Schwester Magdalena, ****, den Weg zu verlassen, um in einem finsteren Wald Schutz zu suchen.
Mit diesen Worten beginnt die Vita Magdalenae abbatissae Thannhausensis und damit die Geschichte unserer Akademie.
Das besagte Unwetter legte sich erst gegen Abend, die Dunkelheit brach schon herein, und Magdalena begann zu verzweifeln, denn sie konnte den Weg nicht wiederfinden. Da sah sie in der Ferne zwischen den Bäumen ein Licht schimmern und fand bald einen Pfad, der sie einen steilen Hügel hinauf direkt darauf zu führte. Am Ende des Pfades stand sie vor einer kleinen Pforte, die in eine hohe Mauer eingelassen war. Sie dankte Gott, dass er ihr den Weg zu diesem Zufluchtsort gewiesen hatte.
Schwester Magdalena war auf dem Weg nach Rom, um Vergebung für ihre Sünden zu erbitten. Nach ihrem Zusammenbruch – Historiker spekulieren, sie habe eine Fehlgeburt erlitten – und ihrer Genesung hatte sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Die Beschwerlichkeit und Unwägbarkeit der langen Reise sollte im Verhältnis zur Schwere ihrer Sünden stehen. Magdalena hatte sich zeitig auf den Weg gemacht, um zu Ostern die Heilige Stadt zu erreichen, als sie in der Einöde des Gebirges von dem Unwetter überrascht worden war.
Voller Hoffnung klopfte sie drei Mal an die Pforte und bat um Einlass und eine Herberge für die Nacht, wie es ihr als Christin und Pilgerin wohl zustand. Als auf ihr resolutes Hämmern und ihr lautes Rufen niemand öffnete, öffnete sie selbst – Magdalena war nicht ängstlich, auch wenn sie ihren Pilgerstab ein wenig fester packte. Hinter der Tür war es dunkel aber geschützt und trocken. Es roch vertraut nach Weihrauch und nach einigen Schritten konnte sie den flackernden Schein von Kerzen ausmachen.
Laut rief sie in das Seitenschiff der kleinen Kirche hinein, durch das sie sich tastete. Keine Antwort. Schließlich blieb sie vor einer Kapelle stehen, in der auf einem reich geschmückten Altar eine einzelne Kerze brannte. Er war der Heilige Jungfrau Maria geweiht. Erschöpft fiel sie auf die Knie und murmelte ein Dankgebet. Dann sank sie zur Seite und schlief auf dem dicken, weichen Teppich vor dem Altar ein.
What's next?
Kloster Sankt Marien zu Helfta
anno 1260
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