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Chapter 4 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Frisch machen

Kaum hatten sie ein paar Schritte gemacht, löste sich eine Gestalt aus einer Nische nahe dem Aufzug.

Der Mann war ein Schrank. Mindestens eins neunzig, vielleicht mehr. Breite Schultern, ein Körper, der nicht trainiert wirkte, sondern von einem Bildhauer gemeißelt. Das weiße T-Shirt spannte sich über eine massive Brust, darüber eine schwarze Baseballjacke mit Reißverschluss, offen getragen. Sein Blick glitt kurz über Marie, sachlich, prüfend. Sie fühlte sich, als würde sie gemessen und in eine Schublade gesteckt.

„Das ist nur zu unserem Schutz“, beruhigte Soraya. Ihre Hand lag noch immer auf Maries Schulter, leicht, aber bestimmt, als wolle sie verhindern, dass ihr Gast zurückweicht. „Es ist sicherer, wenn wir von einem Mann begleitet werden.“

Marie nickte, obwohl sie wusste, dass sie nicht um Zustimmung gebeten wurde. Der Bodyguard setzte sich ohne ein Wort in Bewegung, immer zwei Schritte vor ihnen, wie ein Bulldozer, der ihnen den Weg freiräumt.

Sie fuhren mit dem Aufzug nach unten, tiefer ins Gebäude hinein. Gedämpfte Fahrstuhlmusik, ringsum Spiegel. Marie bemerkte instinktiv, dass der Mann sich so positionierte, dass sie zwischen ihm und Soraya stand, eingerahmt. Sie war keine Gefangene, aber auch nicht frei.

Der Aufzug hielt. Die Türen öffneten sich zu einen Flur, der breiter war, als Marie erwartet hatte, fast demonstrativ großzügig. Indirektes Licht, dicke Teppiche, keine Fenster.

Soraya führte sie in einen Raum, der nichts mit einem Restaurant zu tun hatte. Der Geruch von Puder, Parfum und Haarspray lag schwer in der Luft. Ein durcheinander heller Stimmen, leises Lachen.

Es herrschte ein Halbdunkel, in dem zahllose Lichtinseln schwammen. An den Wänden reihten sich Schminktische mit großen Spiegeln, umrahmt von warmen Lichtleisten. Davor saßen Frauen. Viele Frauen. Unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Hautfarben, aber alle mit derselben konzentrierten Haltung. Lippen wurden nachgezogen, Lidstriche korrigiert, Haare aufgeschüttelt, Kleider gerichtet. Und noch etwas hatten sie gemeinsam: Alle sahen fantastisch gut aus.

Marie blieb stehen.

„Bevor wir ausgehen, solltest du dich ein wenig frisch machen“, erklärte Soraya, als sei das eine Selbstverständlichkeit. „Das gehört dazu.“

"Frisch machen?" Marie verstand sofort, dass es nicht um Hygiene ging. „Ist das nötig?“, fragte sie, und wusste sofort, dass sie die Antwort schon kannte.

Soraya sah sie kritisch an, musterte sie ruhig, schaffte es, dabei nicht missbilligend auszusehen. Professionell. „Im Grunde bist du schön“, stellte sie mit entwaffnender Offenheit fest. „Aber nicht auf die richtige Weise. Noch nicht.“

Sie führte Marie zu einem freien Platz. Der Bodyguard blieb in der Nähe, lehnte sich an die Wand, die Arme vor der Brust verschränkt. Er sah nicht hin, und doch war seine Präsenz allgegenwärtig.

Soraya zog Maries Stuhl zurecht. Auf dem Tischchen, in Fächern und Schubladen, fand sich alles, was sie brauchte: Make-up, Pinsel, Haarbürsten, Puderdosen, kleine Fläschchen. Alles sorgfältig sortiert.

„Vertrau mir“, sagte sie leise.

Marie hätte widersprechen können. Hätte erklären können, dass sie ein unbedeutendes Mitglied einer diplomatischen Mission war, dass ihr Äußeres irrelevant war, dass sie nicht auffallen sollte. Aber sie saß bereits. Und ein Teil von ihr wusste, dass Widerstand hier zwecklos war.

Soraya arbeitete ruhig, routiniert. Sie band Maries Haare auf, löste den strengen Knoten, ließ sie in weichen Strähnen fallen. Ihre Finger waren geübt, respektvoll, fast zärtlich. Sie trug kaum Farbe auf, nur Akzente. Betonte, was hübsch war, nahm weg, was störte.

„Du wirst nicht auffallen“, sagte Soraya mit einem letzten prüfenden Blick. „Denn nun siehst du so aus, wie du wirklich bist.“

Marie betrachtete sich im Spiegel. Sie erkannte sich wieder – und doch nicht ganz. Ihr Gesicht wirkte attraktiver. Aber auch offener, verletzlicher. Weiblicher, dachte sie.

Um sie herum standen manche Frauen auf, andere kamen hinzu. Sie wurden abgeholt, begleitet, geführt. Niemand ging allein.

Marie atmete tief durch. Sie wusste nicht, wohin man sie bringen würde. Sie wusste nur, dass sie vorbereitet worden war – wie ein Objekt, das präsentiert werden sollte. Wo oder wem blieb ihr ein Rätsel.

Und sie war sicher, dass es an diesem Abend längst nicht mehr um Essen ging.

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