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Chapter 21
by
Meister U
What's next?
Liv konnte nicht schlafen
.Johannas Atem strich warm über ihren Nacken, der Arm lag wie ein eisernes Band um ihre Taille, und in ihrem Kopf kreisten unentwegt die Bilder. Die drei Gesichter. Sie selbst hatte diese unsichtbaren Linien übertreten, immer wieder, hatte geglaubt, als stille Beobachterin immun zu sein gegen die Konsequenzen. Doch jetzt, mit Johannas Haut an ihrer, der Hand auf ihrer Brust, wusste sie es mit einer eisigen Gewissheit: Irgendwann musste es auf sie zurückfallen. Diese Neugier. Diese Schuld.
Das erste Mädchen: Clara.
Liv sah sie wieder vor sich, wie sie an jenem Abend auf der Hausparty in einer Ecke saß, unsicher und schüchtern, die Hände um ihr Glas gepresst. Claras Freund Markus hing lachend mit seinen Kumpels an der Theke. Liv setzte sich zu ihr, ihr Lächeln war ein offenes Geheimnis, ihre Stimme ein vertrauliches Flüstern, das den Lärm der Musik zerschnitt.
„Markus guckt immer zu der Blonden an der Theke rüber. Hast du das gesehen?“
Ein kleiner, giftiger Samen des Zweifels, den sie in den fruchtbaren Boden von Claras Unsicherheit fallen ließ. Sie beobachtete, wie der Keimling Wurzeln schlug, wie Claras Blick immer wieder zu Markus hinüber schoss, misstrauisch, verletzt.
Später, als Clara sich eine neue Cola holen wollte, bewegte Liv sich mit der Präzision einer Schachspielerin. Sie stellte sich Paul, den auserwählten Jungen mit dem Tribal-Tattoo am Unterarm, scheinbar zufällig in den Weg. „Paul, das ist Clara. Clara hat vorhin gesagt, sie findet dein Tattoo cool.“ Sie senkte ihre Stimme zu einem bedeutungsschweren Raunen, das nur er verstand. „Das heißt eigentlich, sie will das du sie flachlegst. Sie ist bloß zu schüchtern, es dir direkt zu sagen. Mach ihr ein paar Komplimente, und sie ist bereit für dich.“
Gleichzeitig flüsterte sie Clara, die bereits verunsichert von der Theke zurückkehrte, eine andere Wahrheit ins Ohr: „Dein Markus? Der interessiert sich nicht wirklich für dich oder vielleicht ist er sogar schwul. Warum beachtet er dich nicht? Guck ihn dir doch an!“.
Paul, der den Hinweis von Liv nur zu gut verstanden hatte, ließ ein Lässigkeit vortäuschendes Lächeln aufblitzen und trat einen Schritt näher an Clara heran. Sein Blick hing an ihr, als wäre sie das einzige Mädchen im Raum.
„Hey Clara“, sagte er, seine Stimme war absichtlich tief und konzentriert. „Liv sagt, du magst das Tattoo.“ Er drete seinen Unterarm, um das Tribal-Muster besser zu zeigen. „Erzähl mir was darüber. Was gefällt dir daran?“
Clara, die eben noch von Livs giftigem Geflüster über Markus erfüllt war, war verwirrt von der plötzlichen, ungeteilten Aufmerksamkeit. Sie zuckte mit den Schultern, unsicher, wo sie hinschauen sollte. „Ähm… ja, es ist… irgendwie detailreich.“
„Mehr als das“, widersprach Paul charmant und beugte sich etwas vor, um näher an ihr Ohr zu kommen. „Es steht für Stärke. Für einen Krieger. Aber weißt du was? Jetzt, wo ich dich sehe… du wirkst auch stark. Auf eine stille Art. Das mag ich.“
Ein Kompliment. Ein echtes, persönliches Kompliment. Etwas, das Markus ihr seit Wochen nicht mehr gegeben hatte. Eine Wärme, die der eisigen Kälte von Livs Worten trotzte, breitete sich in ihrer Brust aus. Sie riskierte einen Blick zu ihm hoch. „Wirklich?“
„Klar“, sagte er und sein Lächeln wurde weicher, vertraulicher. „Die meisten Mädchen hier plappern nur. Aber du… du beobachtest. Das ist interessant. Man weiß nie, was in dir vorgeht.“ Seine Hand berührte leicht ihren Arm, eine flüchtige, aber bewusste Geste. „Komm, lass uns was ****. Ich will nicht die ganze Nacht über mich selbst reden. Erzähl du mir was.“
Verführt von der Wärme in seiner Stimme und der seltenen, beglückenden Erfahrung, wahrgenommen und sogar interessant gefunden zu werden, ließ Clara sich an die weniger volle Seite der Theke führen. Sie warf einen letzten, verstohlenen Blick zu Markus hinüber, der immer noch lauthals mit seinen Freunden lachte, ohne einen Blick für sie zu verschwenden. Ein Stich, scharf und schmerzhaft.
Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Paul, der sie mit einem aufmunternden Nicken ansah. „Was soll ich denn erzählen?“, fragte sie, und ihre eigene Stimme klang plötzlich ein wenig sicherer.
„Alles“, flüsterte er und sein Blick hing an ihren Lippen. „Einfach alles.“
Liv beobachtete, wie Clara sich nach einiger Zeit von Paul in das dunkle Schlafzimmer führen ließ. Sie sah den angespannten, fast erstarrten Rücken des Mädchens, das Zögern in ihren Schritten, den flehenden Blick, den Clara über die Schulter zurück zu ihrem Freund warf – der sie längst nicht mehr beachtete. Dann, als Clara die Tür fast schon zugemacht hatte, schlüpfte Liv lautlos hinein.
Sie lehnte sich an die Wand und beobachtete.
Die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken und schnitt den Lärm der Party abrupt ab. Es war dunkel, nur ein Streifen Licht fiel durch das Schlüsselloch und ein schwacher Schein von der Straße erhellte den Raum schummrig. Liv lehnte reglos an der Wand, ein Schatten im Schatten, ihre Anwesenheit war kaum mehr als ein Hauch.
Paul, angestachelt von Livs Versprechen und dem Wunsch, sich zu beweisen, konzentrierte sich ganz auf Clara. Seine Hände lagen auf ihren Hüften.
„Weißt du, was ich an dir mag?“, murmelte er, seine Lippen berührten fast ihr Ohr. „Dass du so… echt bist. Nicht so aufgesetzt wie die anderen.“ Eine Hand glitt von ihrer Hüfte nach oben, über ihre Taille, bis zu ihrem Rücken. „Du hast so eine zierliche Figur. Als würde man etwas ganz Besonderes beschützen müssen.“
Clara erstarrte für einen Moment, ein Zittern lief über ihren Rücken. Seine Worte waren süßes Gift, das die bittere Stimme in ihrem Kopf übertönte, die von Markus sprach. Sie schloss die Augen.
„Komm schon“, flüsterte Paul und drehte sie sanft zu sich um. Seine Finger fanden den Saum ihres Shirts. „Lass mich dich sehen. Wirklich sehen.“ Langsam, fast ehrfürchtig, schob er den Stoff nach oben. Die kühle Luft traf ihre nackte Haut, und sie zuckte zusammen.
„Siehst du?“, raunte er, während er sie musterte. „Perfekt. Einfach perfekt.“ Seine Hand strich über ihre Schulter, hinab über die Kurve ihrer Hüfte. „Du bist so schön, Clara. Warum zeigst du das nie?“
Ein ersticktes Geräusch, halb Seufzer, halb Schluchzer, entfuhr ihr. Die Scham und die Kälte vermischten sich mit einem betäubenden, tückischen Gefühl der Befriedigung. Jemand fand sie schön. Jemand begehrte sie. Seine Komplimente waren Rettungsringe in einem Ozean aus Unsicherheit, und sie klammerte sich daran, ließ den Stoff über ihre Arme gleiten und zu Boden fallen.
Sie fühlte sich gleichzeitig bloßgestellt und begehrt, verloren und endlich gesehen. Pauls bewundernder Blick war der Beweis, dass sie es wert war, beachtet zu werden – ein Beweis, den Markus ihr verweigerte. In diesem Moment, in der dunklen Stille des fremden Zimmers, war die Aufmerksamkeit dieses fast fremden Jungen der einzige Anker, den sie hatte.
Clara zitterte, als Pauls Finger den Verschluss ihrer Jeans lösten.
Liv beobachtete, wie Pauls Hände noch einmal innehielten, als Clara etwas zu ihm hinauf flüsterte, ihre Worte so leise, dass sie kaum zu verstehen waren. Doch Liv kannte sie auch so: "Ich... ich habe das noch nie... gemacht."
Ein fast unmerkliches Lächeln glitt über Livs Gesicht. Die Perfektion.
Paul, überrascht, strich ihr sanft über die Wange. "Das macht doch nichts", murmelte er, und seine Stimme war jetzt weicher, überzeugender. "Wir machen das langsam. Nur das, was du willst. Versprochen." Seine Lippen berührten ihre Schläfe, dann ihren Mund, ein sanfter, forschender Kuss, der ihre erste Steifheit langsam schmelzen ließ. "Du bist so schön, Clara. Ich werde ganz vorsichtig sein. Vertraust du mir?"
Es war eine geschickte Mischung aus Druck und Erlaubnis. Clara, überwältigt von der Situation, der Nähe, dem betäubenden Gefühl, endlich im Mittelpunkt zu stehen, nickte kaum spürbar. Ihre Zustimmung war ein hauchdünnes Eis, über das Paul nun ging.
Liv sah, wie Paul sie langsam auf das Bett sinken ließ, die Matratze unter ihrem Gewicht nachgab. Er beugte sich über sie, sein Mund malte eine Bahn von Küssen von ihrem Hals hinab, über das Schlüsselbein, weiter, immer weiter hinab, bis Clara einen erstickten Laut ausstieß, ihre Hände sich in die Bettwäsche krallten. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Gesicht eine Maske aus Angst und einer sich langsam entzündenden, fremden Erregung.
"Danke", flüsterte Paul gegen ihre Haut, als er sie endgültig entblößte, seine Hände ihren Körper erkundeten, jeden Zentimeter, den er ihr versprochen hatte zu bewundern. "Dass du mir das schenkst."
Dann kam der unvermeidliche, zentrale Moment. Liv, reglos in der Dunkelheit, sah die Anspannung, die Claras ganzen Körper durchfuhr, als Paul sich über sie schob. Sie sah, wie Claras Augen sich weit öffneten, voller ungläubigem ****, wie ihr Mund sich zu einem stummen Schrei formte. Ein kurzer, abgehackter Druck, ein Eindringen, das die letzte Barriere ihrer Unschuld durchbrach.
Paul bewegte sich in einem langsamen, behutsamen Rhythmus, seine Flüsterweise ein monotoner Strom der Beruhigung. "Alles okay... Ist gleich vorbei... Du machst das großartig."
Und langsam, fast unheimlich in ihrer Verwandlung, sah Liv, wie der **** in Claras Gesicht einem anderen, dumpferen Ausdruck wich. Einem stumpfen, trägen Erstaunen über die körperliche Intimität. Ihre Hände lösten sich aus der Bettwäsche und fanden Halt auf Pauls Rücken, ihre Finger gruben sich suchend in seine Haut. Ihre Atemzüge wurden schwerer, keuchender, vermischten sich mit seinen. Sie gab sich hin.
Liv beobachtete, wie Paul in ihr kam, wie sein Körper sich versteifte und dann erschlaffte. Sie sah, wie er sich von ihr rollte, atemlos. Sie sah Claras nackten, glänzenden Körper, der jetzt still dalag, die Augen wieder geschlossen, als versuche sie, das eben Erlebte in der Dunkelheit hinter ihren Liedern zu sortieren. Die Unschuld war genommen, nicht geraubt, sondern in einem Akt trügerischer Hingabe geopfert.
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Johanna
[18 | Hamburg | Dominanz & Unterwerfung | Teil 2 - Reiterhof]
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