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Chapter 3
by
Reyhani
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Laufbursche
Fortsetzung von Gerds Bericht:
„Du hast also zugesagt, Werners Frau Ingrid zur Hand zu gehen, in der Hoffnung seine Tochter Bea weiter beobachten zu können?! Und Angst hattest du auf einmal keine mehr?“
„Nein, das war ja mit dem Segen von Werner. Er hat mich ja ausdrücklich gefragt. Und ich hatte auch so eine Ahnung, dass das alles ein abgekartetes Spiel war.“
„So eine Ahnung hatte ich auch schon.“
„Außerdem habe ich ja sowieso immer im Schrebergarten rumgehangen. Kino, Saufen oder Mädchen – das hat ja alles Geld gekostet und das war als Lehrling nun mal knapp. Also dachte ich, kann ich ja mal mein Glück versuchen und bin in der nächsten Woche gleich nach Feierabend bei Ingrid vorbei.
Sie war allein und hat sich sehr gefreut mich zu sehen. Mir hat sie auch sehr gefallen. Du musst wissen, sie war eine etwas ältere Version von Bea und noch ziemlich knackig. Da war auch das Sommerkleid, in dem sie steckte, zu verschmerzen. Sie meinte, sie könnte dringend Hilfe gebrauchen, das würde ihr langsam alles über den Kopf wachsen. Und ich dachte schon, na toll, schon wieder Hecken schneiden. Aber zum Glück keine Gartenarbeit, sondern sie hatte ihr kleines Nebengeschäft gemeint.
In der Laube stand ein Tisch, auf dem das Wirtschaftswunder zu bestaunen war: Dort stapelten sich Umschlägen und Päckchen. Sie hat mir erklärt, dass sie Bestellungen für alle ihre Freundinnen und die halbe Kolonie macht. Sie käme mit dem Verteilen und Abkassieren gar nicht mehr hinterher. Ihre Tochter, die Bea, sei leider so unzuverlässig.
Ich habe die ganze Zeit nur ja, ja gesagt ohne richtig zuzuhören, denn ich war total abgelenkt von den ganzen Katalogen, die da offen auf dem Tisch lagen.“
„Was denn für Kataloge?“
„Na, von den Versandhäusern, wo Ingrid bestellt hat. Könnt ihr euch heute gar nicht vorstellen, dass wir ganz ohne Internet auch schon Amazon hatten. Aber da lagen nicht nur die üblichen von Neckermann und Otto. Viel mehr haben mich die Spezialkataloge für Wäsche und die sogenannten Ehehygieneartikel interessiert.
Das hat Ingrid auch gesehen, sie hat gelacht und mir durchs Haar gestrubbelt und gesagt, dass ich das bald nicht mehr nötig haben würde, ich müsste mich nur gescheit anstellen. Als gute Chefin wollte sie mir gerne helfen aber sie müsste eins wissen: ‚Schaust du bei Frauen zuerst auf den Busen oder auf den Popo?‘, hat sie mich im Ernst gefragt.
Da haben sofort meine Ohren angefangen zu glühen. Ich war es damals noch nicht gewöhnt, so offen über Dings zu sprechen und schon gar nicht mit einer so schönen Frau wie Ingrid. Und dann ist mir natürlich gleich Beas Busen und ihr Hintern in den Sinn gekommen, benetzt von tausenden Wassertropfen die in der Sonne funkelten. Und dann musste ich daran denken, dass Ingrid mir das bestimmt an der Nasenspitze ansieht und ich bin noch röter geworden.
Sie hat mich noch einen Moment zappeln lassen, hat dann wieder gelacht und mich vom Haken gelassen: ‚Das war eine gemeine Frage, ich weiß. Du musst dich ja nicht sofort entscheiden, du findest es schon noch früh genug raus.‘ Sie schlug vor, dass ich mit ein paar Bestellungen hier in der Anlage anfangen sollte. Zur Eingewöhnung, wie sie sagte, aber wahrscheinlich wollte sie erst einmal testen, wie ich zurecht kam.
Sie hat in einer Liste nachgeschaut und dann aus dem Haufen von Bestellungen, die auf dem Tisch lagen, ein kleines Päckchen herausgesucht. Dann hat sie mir genau beschrieben, für wen das war, und hat mich ermahnt, stets höflich, zuvorkommend und hilfsbereit zu sein. In der Industrie sei das nicht so wichtig aber im Handel das A und O. ‚Wenn du dich daran hältst, werden die Damen dir alle ein großzügiges Trinkgeld geben und bei mir hast du dann auch was gut, versprochen‘, schloss sie.“
„Und war das eine lohnende Aufgabe? Ich kann mir vorstellen, das alles noch nach der Arbeit auf sich zu nehmen, war schon stressig. Wie ist das mit dem Austragen der Bestellungen denn genau gelaufen?“
„Am Anfang war das sehr ungewohnt für mich. Ich hatte vorher nicht so viel mit Frauen zu tun außer mit meiner Mutter und meiner Schwester. Ich wusste noch nicht richtig, wie das läuft und wie ich mich verhalten soll. Aber alle waren sehr nett und haben mir gezeigt, wie es geht. Besonders die ersten paar Lieferungen sind mir ins Gedächtnis eingebrannt, als wäre es gestern gewesen.“
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