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Chapter 11 by Reyhani Reyhani

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Undercover

Die Kürbisse – sie haben die Lösung angedeutet. Sie begannen überall in der Stadt in den Fenstern von Häusern und Geschäften aufzutauchen, als knallorange Tupfer auf Werbeprospekten und Plakaten. Aber erst als die Website des Weißen Salons voll davon war, habe ich es verstanden.


Bereit für Halloween? Der Weiße Salon lädt ein zu einem Umtrunk mit frivoler Überraschung. Die letzte Gelegenheit erotische Accessoires für die Party zu shoppen.

Do. 31.10., 17:00 Uhr bis Ladenschluss.

Kostümpflicht!


Es ist schon fast dunkel, als ich die Tür zu Madeleines Laden vorsichtig öffne. Ein Schwall feuchter, warmer Luft kommt mir entgegen. Der kleine Verkaufsraum ist gerammelt voll. Gedämpftes, farbiges Licht und eine basslastige Musik aus dem Hintergrund. Hexen, Vampire, Monster und Animecharaktere, die ich nicht erkenne. Insgesamt viel Lack, Leder und Gummi. Madeleines altersmäßig erstaunlich diverse Stammkundschaft steht in kleinen Gruppen herum, unterhält sich und trinkt Blut aus Sektkelchen. Da fällt Zorro, der Rächer mit der Maske, nicht weiter auf. In gedecktem Schwarz bin ich fast unsichtbar.

Madeleine steht an der Kasse umringt von drei jungen Männern. Sie redet, lacht und berührt immer wieder den bloßen, muskulösen Oberkörper des Kerls mit der hochgeschobenen Gasmaske. Ihr Verhalten passt so gar nicht zu ihrem Kostüm: eine schwarze, lange Kutte aus schimmerndem Latex, dazu ein weißer Schleier aus demselben Material und um den Hals ein schweres silbernes Kreuz.

Johanna sehe ich nicht. Auch niemanden, auf den die Beschreibung von Coco der Gummischlampe passt. Ich bleibe im Schatten, beobachte die Szene, bereit den Degen zu ziehen, um gegen jede Ungerechtigkeit vorzugehen.

Jetzt hat sich ein seltsames Paar zu Madeleine durchgedrängelt: Frankenstein und ein Strapsmädchen im ultrakurzen Matrosenkleid. Umarmung, Küsschen, Lachen. Die Chefin weist auf ein Schild über dem Durchgang nach hinten: DUNGEON leuchtet es in phosphoreszierender Schrift im Schwarzlicht. Sofort zieht es mich in die Richtung. Mit einigem Abstand folge ich Frankenstein und dem Strapsmädchen, die lachend Madeleines Hinweis folgen.

Als sich die Mutter Oberin wieder ihren drei Novizen zuwendet, schlüpfe ich unbemerkt hinter ihr in den Durchgang. Ich tauche in einen dunklen Korridor ein. Rechts ein verschlossenes WC, von links fällt aus einer angelehnten Tür blaues Licht in den Gang. Ich drücke mich an einem knutschenden Paar vorbei nach ganz hinten, wo es rot leuchtet.

Ein lautes Klatschen gefolgt von einem unterdrückten Stöhnen lässt mich zusammenzucken. Aus dem roten Licht kommen mir Frankenstein und seine Gespielin entgegengelaufen Sie kichern wie ****, die etwas Verbotenes gemacht haben, und verschwinden schnell in der Tür mit dem blauen Licht.

Der Schein der Glut sickert aus dem Verlies der Inquisition ganz am Ende des Ganges. An ein Andreaskreuz gefesselt die der Hexerei beschuldigte junge Frau. Ich trete ganz nahe heran. Sie kann mich nicht sehen, denn sie trägt eine Augenbinde und einen Knebel. Zum Zeichen ihrer Buhlschaft mit dem Teufel haben ihre Peiniger ihr einen Drudenfuß auf die Stirn gemalt. Mit Blut.

Das ist also Coco. Der Name glitzert auf ihrem Halsband im kalten Licht des Spots, der auf sie gerichtet ist. Das muss Coco sein, unmöglich Johanna. Die prallen, weißen Titten sind der Beweis. Sie hängen schwer aus der Aussparung im Catsuit aus rotem Gummi, herausgedrückt von dem schwarzen Unterbrustmieder, das die Taille der jungen Hexe noch ein wenig schmaler erscheinen lässt. Die Werkzeuge der Inquisition sind noch präsent: an jeder ihrer rosa Zitzen eine Klemme verbunden durch eine silberne Kette. Wie ihr Name funkelt sie im kalten Licht. Coco.

Johanna hat keine Brüste. Sie trägt immer eine Strickjacke oder einen weiten Pulli, über dem sie die Arme verschränkt. Johanna ist ein klares Mädchen, stets freundlich und hilfsbereit. Keine geile Hexe, für die Strafe und **** nur ein Spiel sind, wie für die schamlose Coco.

Als ich die Kette berühre, schreckt Coco auf. Sie hat mich bisher noch nicht bemerkt. Die Kette schwingt stärker, sie atmet schwerer. Ich stabilisiere die Kette, warte, bis sich Coco beruhigt hat. Dann ziehe ich. Ihre Brustwarzen werden länger. Sie sind die empfindliche Verbindung zwischen den Metallklemmen und ihrem weichen Busen. Langsam heben die Titten ab. Es ist, als ob sie durch den anschwellenden Laut, der aus ihrer Brust kommt, emporgehoben werden. Ob es Lust oder **** ist, weiß ich nicht zu sagen.

„Schön vorsichtig, die ist noch neu.“

Ertappt lasse ich die Kette los und mache hektisch einen Schritt zur Seite. Ein halbhoher Tisch ist im Weg und rammt mein Knie. Eine Auswahl an Folterwerkzeugen, um die Hexe auf den rechten Pfad des Glaubens zurückzuführen, purzelt mir entgegen. Während ich alles aufsammle, bekomme ich am Rande mit, wie Madeleine mit einer Gruppe Freaks das Verlies betritt. Neugierig umringen sie das Ausstellungsstück. Ich taumele nach hinten ins Dunkel. Die Mutter Oberin beginnt die Deliquentin vorzuführen. Hoffentlich hat sie mich nicht erkannt.

Auf der Straße Normalität. Die ****, die mir entgegenkommen, zeigen begeistert auf mich. Die junge Mutter, die die Kleinen begleitet, lächelt mir zu. Ich bin ein Schwein, denke ich. Nicht des Kostüms des Rächers wert. Ich muss Johanna beschützen grade vor Typen wie mir. Ich muss dem ganzen ein Ende setzen, koste es, was es wolle.

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