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Chapter 31

Kann Sina ihren Entschluss umsetzen?

Sina schleicht in den Flur

Mit einiger Überwindung schälte sich Sina aus dem Schutz des Bettes. Sie hatte nicht grundsätzlich etwas gegen Nacktheit. Nur, sie war an einem völlig fremden Ort, hatte keine Ahnung und keine Kontrolle darüber, wer, wann, wie hier hereinkommen und sie sehen konnte. Was die Sache noch schlimmer machte: Sie hatte nicht nur nichts an, es gab auch nirgends etwas zu Anziehen. Effektiv war sie dadurch in diesem Zimmer eingesperrt. War die Tür eigentlich offen oder sogar tatsächlich verschlossen?

Sie tapste in Richtung des Ausgangs. Auf dem Weg erhaschte sie einen Blick auf ihr eigenes Bild in dem hohen, breiten Spiegel. Dies brachte ihr einen anderen Fakt zurück ins Bewusstsein. Sie hatte sich rasiert, da unten. Sie sah aus, wie ... wie ein kleines Mädchen. Sie rollte mit den Augen. Immer musste sie darum kämpfen, als Volljährige anerkannt zu werden, den Menschen klar zu machen, dass sie sogar schon über zwanzig war. Aber ihre kleine, schlanke Gestalt, die kaum vorhandenen Brüste, wenig ausgeprägte Taille und schmale Hüften. Alles sagte: Kleines Mädchen. Und nun hatte sie auch noch das eine äußere Merkmal verschwinden lassen, an dem man eindeutig erkennen konnte, dass sie eine erwachsene Frau war.

Ihre Haare halfen auch nicht, das Image zu verbessern. Wirr standen sie in alle Richtungen davon, rechts hielt ein Haargummi die Reste eines Zöpfchens aufrecht, das andere Haarband hatte sie offenbar verloren. Missmutig und letztlich erfolglos versuchte sie, das Durcheinander mit den Fingern zu kämmen und in eine halbwegs präsentable Form zu bringen.

Resigniert blies sie Luft aus dem Backen und setzte ihren Weg fort. Vorsichtiges Bewegen der Türklinke zeigte an, dass die Tür geöffnet werden konnte. Sina ließ einen kleinen Spalt entstehen und lugte hindurch. Der Flur war menschenleer und lag im Halbdunkel. Offenbar war niemand hier oder alle Bewohner schliefen noch. Sollte sie es wagen, hinaus zu flitzen?

Sie schüttelte den Kopf als Antwort auf ihre eigene unausgesprochene Frage. Selbst wenn sie das Haus unbemerkt verlassen könnte, was dann? Sie hatte keine Ahnung, wo genau sie sich befand, wie weit es bis zu ihrem Hotel zurück wäre und wie sie dorthin kommen sollte.

Dann hörte sie Schritte auf den Stufen von unten. Alarmiert schob sie die Tür bis auf eine millimeterbreite Ritze zu und blinzelte mit einem Augen in Richtung des Geräuschs. Bald tauchte eine Frau auf. Langes, hochgeschlossenes Kleid, darüber eine grüne Schürze. Die Haare sorgsam unter einem straffgezogenen Kopftuch verborgen. In den gummibehandschuhten Händen hielt sie einen Eimer, über dessen Rand ein feuchter Lappen hing, und einen Plastikkorb mit Putzutensilien. Sie ging zur ersten Tür, klopfte. Als keine Antwort kam, betrat sie den Raum.

Sina erwog die Option, hier auf die Putzfrau zu warten und sie um Hilfe oder zumindest um Informationen zu bitten, die ihr helfen konnten. Doch sie bezweifelte, dass sie die Geduld dazu aufbringen konnte. Sie schloss die Zimmertür und sah sich noch einmal nach etwas Nützlichem um. In Ermangelung einer Alternative riss sie das Laken von der Matratze und wickelte sich hinein. Sorgsam raffte sie den vorderen Saum nach oben, um nicht über das viel zu lange Leintuch zu stolpern. So schlich sie auf leisen Sohlen und mit angehaltenem Atem aus dem Schlafzimmer in Richtung Treppe.

Kann Sina entkommen?

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