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Chapter 32

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Heinrich stellt eine Falle

„Komm! Nimm deine Sachen und lass uns fliehen."

Einem ersten Impuls folgend nahm er sie bei der Hand und strebte dem Ausgang zu, dann stockte er. Draußen war tiefdunkle Nacht. Das Abkommen besagte, dass er bis Sonnenaufgang bleiben musste. Vermutlich war dies erneut einer ihrer hinterhältigen Tricks. Sobald er die Ruine verließ, könnte sie ihm höhnisch erklären, dass er gescheitert war und die Gefangene nicht herausgeben. Nein, so dumm war er nicht!

„Was hast du?", erkundigte sie sich.

„Draußen ist es pechschwarz und es tobt ein Unwetter. Nie und nimmer würden wir unter diesen Bedingungen den unwegsamen Wald durchqueren können. Unsere Flucht wäre von Beginn an zum Scheitern verurteilt."

„Was sollen wir denn sonst tun?"

„Wir verbergen uns und warten bis Tagesanbruch, dann sind unsere Erfolgsaussichten größer."

Heinrich war unglaublich stolz auf sich, dass er nicht nur ihren Versuch, ihn zu übertölpeln durchkreuzt hatte, sondern dabei noch nicht einmal aus seiner Rolle gefallen war. Im Gegenteil, wenn sie weiterhin Laureana spielen wollte, müsste sie ihn jetzt zu einem Versteck führen, anstatt ihn wieder ins Schlafgemach zu schleppen, wo er ihr zu Willen sein musste. Nun war es an ihm, ihr eine Falle stellen, damit sie sich endgültig verriet und aufgeben musste.

„Aber meine Geliebte, sagt mir zuvor: Als ich euch das erste Mal fand, lagt ihr in Ketten und wart kaum sittsam bekleidet. Wie seid ihr aus dem Kerker entkommen und woher habt ihr dieses wundervolle Gewand?"

„Nicht hier, wo wir jeden Moment entdeckt werden können. Dort vorne ist eine kleine Seitenkammer. Verstecken wir uns darin, dann kann ich dir alles erzählen."

Sie zog ihn mit sich ins Badezimmer. Hinter verschlossener Tür erzählte sie ihrem Prinzen, was ihr widerfahren war, seit er sie im Verlies gefunden hatte und anschließend von der bösen Hexe überrascht und überwältigt worden war. Nur die Episode in der geheimen Spiegelkammer behielt sie für sich. Es wäre zu heikel, wenn er erfahren würde, dass sie entgegen allen Regeln des Anstands zugesehen hatte, wie er mit der anderen verkehrte.

Obendrein fürchtete sie, dass ihre Chancen, seine Liebe zurückzugewinnen, schwinden würden, wenn er den Eindruck gewänne, dass sie aus gekränktem Stolz und Eifersucht agierte. Nein, sie musste ihn überzeugen, dass sie ihn nur seiner selbst willen begehrte und nichts von seinen Eskapaden wusste.

Heinrich hörte sich die unglaubliche Geschichte zunehmend amüsiert an. Ein Riese, der die Geisel ins Bad führte, pah! Nun, da er die Oberhand hatte und seiner Widersacherin einen Schritt voraus war, gewann er mehr und mehr Spaß an dem Theater. Interesse heuchelnd stellte er Zwischenfragen, um die Betrügerin zu zwingen, ihr Lügenmärchen immer weiter zu spinnen. Ihre Fähigkeit, auf alles eine Antwort und selbst kleinste Details zu erfinden, faszinierte ihn. Gleichzeitig frustrierte ihn, dass es ihm nicht gelang, sie aufs Glatteis zu führen und sie dazu zu bewegen, ihre Tarnung aufzugeben. Er beschloss, den Einsatz zu erhöhen.

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