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Chapter 12
by
Papas_Liebling
What's next?
Klären von Verhältnissen
Steve legte eine Hand an ihren Oberarm. Marie war sich der Berührung überaus bewusst. Er überragte sie. Seine massive Silhouette blendete das Licht der Hängelampen und die Helligkeit, die durch die Fenster fiel, aus. Sie stand in seinem Schatten. Sein herb-männlicher Duft umhüllte sie.
Er sagte, er habe einen Vorschlag. Was für einen Vorschlag?
Marie hatte einen Verdacht.
Sein Griff war nicht fest, aber bestimmt. Wollte er sie abführen? Oder gleich hier…
Sie erschauerte. Ihr Blick wanderte unwillkürlich zu den Frauen, die bewegungslos mit demütig gesenkten Häuptern entlang der Wand knieten. Im Grunde war nur der Zufall, dass sie in einem anderen Land geboren war, dafür verantwortlich, dass sie hier stand und nicht dort bei den anderen kauerte.
„Komm mit.“ Steve sprach leise.
Er führte Marie an die holzgetäfelte Wand und hielt das Handgelenk mit der Uhr an eine Stelle, die mit einem kleinen Schlüssel-Piktogramm gekennzeichnet war. Eine türgroße Sektion der Täfelung schwang zur Seite.
Dahinter gedämpftes, indirektes Licht, matte, abgetönte Farben. Schwere Wandbehänge, die Geräusche schlucken. Die Luft, die ihnen entgegenwehte, roch nach Wärme, Holz, **** und etwas anderem, das Marie nicht sofort einordnen konnte. Sie trat ein.
„Was ist das hier?“ Sie sah sich staunend um.
„Hierher kommt man, wenn man sich entspannen will. Oder vertrauliche Gespräche führen, die nicht jeder mithören soll.“
Marie sah sich eingehender um. Der Raum war kleiner, als er auf den ersten Blick wirkte. Intimer könnte man auch sagen. Eine Sitzgruppe aus dunklem Leder war halbkreisförmig angeordnet, sodass man sich zwangsläufig einander zuwandte, wenn man darin Platz nahm. An der Seite eine Bar zur Selbstbedienung, Flaschen mit verschiedenfarbigem Inhalt, Kristallgläser. Eine Kaffeemaschine, daneben Latte-Macchiato-Gläser und Espressotassen.
Sie ging tiefer in den Raum hinein, nahm seine Atmosphäre auf. Sie registrierte das Erwartete – und dann das Unerwartete.
Im hinteren Teil des Raums war ein separater Bereich. Nicht abgetrennt, nicht versteckt, nur anders beleuchtet. Metall glänzte im Halbdunkel. Sie erkannte Leder – Gurte, Manschetten. An der Wand hingen säuberlich aufgereiht Peitschen, Riemen und Paddles. In einer Vitrine lagen Halsbänder, Augenbinden – und andere Dinge, die Marie nicht beim Namen nennen wollte, deren Sinn und Zweck ihr aber augenblicklich klar war.
Über allem ragte ein großes Andreaskreuz aus Stahl auf, wie das Kruzifix in einer Kirche. Allerdings mit Lederschlaufen, wo Hände, Füße und die Taille anliegen würden, wenn jemand davorstand.
Alles wirkte ordentlich, sauber, fast klinisch. Sie verstand: Hier ging es nicht um Pornografie oder explizite Sexualität, sondern um die Zurschaustellung von Macht und Kontrolle.
Als sie sich zurück zur Tür wandte, hatte Steve sich bereits in einen der Sessel niedergelassen, die Arme locker auf den Lehnen, die Beine breit. Er musterte sie aufmerksam.
Ihr fiel auf, dass der Halbkreis der Sitzgruppe zum hinteren Bereich hin offen war, wie die Zuschauerränge zu einer Bühne. Sie brauchte ein paar Minuten, um all das zu verarbeiten.
„Ist das…?“ Sie konnte den Satz nicht beenden.
„Ja.“ Steve lächelte nicht.
Marie musste schlucken. Sie versuchte, ihre Gedanken und Gefühle zu sortieren. Ein solcher Ort, hier? In einem Luxushotel mit internationalen Gästen? Unmittelbar neben einem Konferenzsaal, in dem diplomatische Verhandlungen stattfanden? Das war absurd.
„Warum?“ Sie schaute Steve forschend an.
„Zur Entspannung. Und zum Klären von Verhältnissen.“
Er sagte es ohne jede Ironie. Auf einmal wirkte er auf Marie nicht mehr wie ein Bewacher, sondern wie ein Jäger. Lauernd, gefährlich. Sie hielt Abstand.
„Schenk mir ein Glas ein.“ Er wies zur Bar. Und ohne, dass sie gefragt hätte: „Du darfst dir auch eins nehmen.“
Während sie tat, worum er gebeten hatte – sie bevorzugte, es als Bitte zu verstehen und nicht als Befehl –, sprach er weiter.
„Macht braucht Kontrolle. Und Kontrolle funktioniert besser, wenn man sie ritualisiert.“
„Macht über Frauen?“, fragte sie, obwohl sie die Antwort schon kannte.
Steve lachte trocken.
Der Raum fühlte sich auf einmal enger an. Marie wurde sich ihres Körpers überdeutlich bewusst. Ihr Businesskostüm war bewusst förmlich geschnitten, hatte aber auch einen femininen Touch. Die Bluse spannte plötzlich über ihrer Brust.
Sie reichte ihm sein Glas und setzte sich ihm gegenüber.
Er sah sie über den Rand hinweg an. „Du wirkst ängstlich.“
„Ja, das bin ich“, gab sie ehrlich zu. „Und… neugierig.“
Die Erinnerung an die vergangene Nacht kehrte zurück. Sie gefesselt auf dem Bett. Steve an der Tür mit verschränkten Armen. Sein Blick kalt und gleichzeitig warm.
Sie zitterte. Steve wirkte so präsent und stark. Es schien fast natürlich, dass er die Kontrolle übernahm. War es das, was die amerikanischen Frauen fühlten, wenn sie sich beugten und den Männern unterwarfen?
Zu jedem, der kontrolliert, gehört jemand, der sich kontrollieren lässt.
Um sich abzulenken und Zeit zu gewinnen, schnupperte sie an dem Rye-Whiskey, den sie eingeschenkt hatte. Zuerst stieg ihr eine deutliche Note von Eichenholz und Vanille in die Nase, darunter etwas Scharfes – Pfeffer. Vielleicht war da auch Zimt und ganz sicher ein Hauch von Rauch.
Der erste Schluck schmeckte kräftig, aber überraschend rund. Der Whiskey breitete sich langsam bis zu ihrem Gaumen aus, legte sich warm auf die Zunge. Zuerst kam die Würze, dann eine milde Süße, fast wie karamellisierter Zucker, bevor sich eine trockene, leicht bittere Note im Abgang zeigte. Er brannte nicht, er forderte Aufmerksamkeit. Und er blieb.
So wie die Erinnerung.
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Amerika 2075
Eine dystopische Zukunft ... oder doch nicht?
**Diese Geschichte ist reine Fantasie und hat keinen Bezug zur Realität und stellt keinen Kommentar zu tatsächlichen Ereignissen oder Personen dar.** - Die USA haben gewählt und einen Präsidenten an die Macht gebracht, der das Land Zug um Zug in eine frauenfeindliche Diktatur umwandelte. Internationale Handelsbeziehungen wurden gekappt, die Grenzen abgeschottet. Fünfzig Jahre in unserer Zukunft lässt das Regime einige Ausländer ins Land, um ein Handelsabkommen auszuhandeln. Was werden sie vorfinden? Werden sie Amerika verändern oder wird Amerika sie verändern?
Updated on Jun 12, 2026
by Papas_Liebling
Created on Dec 29, 2025
by Papas_Liebling
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