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Chapter 13 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Marie hätte aufstehen können

Marie klammerte sich an ihr Glas, als sei es ein Rettungsanker, der sie in der Gegenwart festhielt. Sie sah bewusst nicht in den hinteren Bereich des Raumes. Trotzdem konnte sie das Bild des großen, aufrechtstehenden Kreuzes nicht aus ihrem Kopf verbannen.

Steve saß ihr gegenüber. Er tat nichts. Er sagte nichts. Er war einfach da.

Marie räusperte sich. „Steve, das ist nicht…“ Ihre Stimme erstarb. Sie suchte nach Worten und begann erneut: „Ich weiß nicht…“ Wieder konnte sie den Satz nicht zu Ende führen.

Steve zog einen Mundwinkel nach oben. In seinen Augen blitzte es belustigt auf.

„Du musst nichts wissen. Du brauchst nichts zu entscheiden.“ Er sprach die Sätze mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Fragen oder Diskussionen zuließ. „Heute entscheide ich für dich. Morgen vielleicht ein anderer Mann. Du siehst, wie einfach und angenehm das Leben bei uns für Frauen ist.“

In ihr regte sich Widerspruch. Das war nicht richtig. Und doch brachte sie kein Wort über die Lippen. Ihr Zittern verstärkte sich, zur Beruhigung leerte sie den Whiskey in einem großen Schluck.

Steve erhob sich. Er erklärte Marie nicht, was er vorhatte. Er sah sie noch nicht einmal an. Ruhig ging er zur Tür, öffnete sie und schaute hinaus in den Konferenzsaal. Die fünf Frauen warteten dort noch immer, demütig mit gebeugtem Kopf. Er deutete mit einer knappen Kinnbewegung auf eine von ihnen. Die Auswahl schien zufällig.

Die Frau zögerte keine Sekunde. Als sie ins Zimmer trat, registrierte Marie jedes Detail an ihr. Helle Haut, lange rote Haare. Vermutlich hatte sie irische Vorfahren. Sie ging aufrecht, aber mit gesenktem Blick. Sie musste sich nicht umschauen, sie kannte den Raum. Zielsicher steuerte sie auf das Andreaskreuz zu, drehte sich um und stellte sich davor.

Steve folgte ihr langsam. Er musste ihr keine Anweisungen geben, ein Blick genügte. Sie legte ruhig ihr Oberteil und das Höschen ab, dann trat sie mit gespreizten Beinen auf zwei Fußrasten unten am Kreuz, bückte sich und schloss die Schlaufen um ihre Fußgelenke. Unter ihrem Bikini war ein kurzes, schmales Dreieck tiefroter Haare aufgetaucht, in dem sich das indirekte Licht wie kleine Flammen fing. Ergeben wartete sie mit nach oben gestreckten Armen, während Steve die Fesseln um ihre Handgelenke befestigte.

Kurz trafen sich die Augen der Rothaarigen und Marie, ehe die Amerikanerin wieder nach unten sah. Marie traf es wie ein Schock. Im Blick der anderen las sie dieselben Gefühle, die auch in ihrer Brust vorherrschten: Verunsicherung, aber auch Neugier und – unerwartet – Verlangen. Sie verstand, dass es nur eines kleinen Streichs des Schicksals bedurft hätte, dann würde sie jetzt dort stehen und darauf warten, was Steve sich für sie ausgedacht hatte.

Sie wollte den Blick abwenden, sah aber immer wieder hin. Ihr Herz schlug schneller. Sie bemerkte, dass sie tiefer einatmete und **** die Luft anhielt, während sie beobachtete.

Am meisten war sie darüber verwirrt, mit welcher Selbstverständlichkeit alles passierte. Die Frau wurde zu nichts ****. Umgekehrt bat Steve nie um Zustimmung. Es geschah, die Rollen waren verteilt und niemand stellte irgendetwas infrage.

Marie hätte aufstehen und den Raum verlassen können. Es wäre vernünftig gewesen, eine Grenze zu ziehen und klarzustellen, dass sie nicht damit einverstanden war und kein Teil dessen sein wollte, was hier geschah. Aber sie blieb.

Marie rutschte tiefer in den Sessel. Ihre Schultern waren leicht nach vorne gezogen, als wolle sie sich kleiner machen. Durch halbgeschlossene Lider schaute sie unverwandt zu.

Die Geräusche waren leise, doch nahm sie alles wahr. Ein unterdrücktes Keuchen, als Steve die Nippelklemmen anbrachte. Ein schwaches Stöhnen, untermalt von einem anhaltenden Summen, nachdem er den Mini-Vibrator, den er ihr eingeführt hatte, einschaltete. Gelassen betrachtete er die Sammlung von Peitschen und Riemen an der Wand, um mit Bedacht eine auszuwählen.

Marie reagierte schon, bevor sie es verstand. Ein Ziehen in der Brust. Ein Verkrampfen im Bauch. Ihre Oberschenkel pressten sich eng aneinander, um verräterische Zeichen zu verbergen. Sie ärgerte sich darüber, dass sich ihr Körper eine Meinung über das Geschehen gebildet hatte, ohne sie zu fragen.

Dabei geschah gar nichts mit ihr, sie saß nur daneben. Sie war nicht direkt beteiligt, aber auch nicht außen vor. Sie senkte den Kopf. Nicht aus Scham oder als Geste der Unterwerfung, sondern um sich zu sammeln und die Gedanken zu sortieren, die wirr und ungebeten auf sie einprasselten.

Ist es leichter, etwas zu ertragen, wenn jemand für dich entscheidet?
Ist Freiheit anstrengender, als die Kontrolle abzugeben?
Ist Selbstbestimmung eine Illusion, wenn dein Körper macht, was er will?

Ein Geräusch ließ sie aufschrecken. Scharf, zischend, kurz. Unmissverständlich.

Sie richtete sich auf. Atmete ein, atmete aus. Sie sah hin.

Du bist nur Beobachterin, sagte sie sich. Das ist deine Rolle.

Und damit bist du Teil des Spiels.

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