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Chapter 2 by SecretLab SecretLab

Und hier geht es zu den Kurzgeschichten – viel Spaß beim Lesen:

Im Bannkreis des Feuersterns

Die Geschichte beginnt als regelrechtes Klischee:

ein einsames Schloss mitten im Nirgendwo, eingewoben in Abermillionen glitzernder Regentropfen eines stürmischen Herbstabends. Die Abenddämmerung war gerade hereingebrochen und konkurrierte mit der massiven Front an Gewitterwolken darum, wer als erstes seine dunklen Schwingen auf das Land werfen dürfte, auf jeden Baum, Grashalm, Stein und jede Maus.

Nicht weit entfernt schlängelte sich zaghaft ein einzelnes kleines Fahrzeug durch den scheinbaren Weltuntergang. Die Scheinwerfer wie zwei schwache Kindertaschenlampen, die nervös nach dem kaum wahrnehmbaren Weg suchten und Angst vor dem großen, bösen Wolf hatten.

Der uralte Renault Twingo rollte schließlich scheppernd und rasselnd in Richtung der alten Gemäuer. Gleißende Blitze erhellten in erschreckend regelmäßigen Abständen die fremde, unheilvolle Szenerie und gewährten dem verzweifelten Fahrzeuglenker für Sekundenbruchteile einen freien Blick auf die Szenerie, wo sich harte Steinmauerzacken und Türme in den Himmel erhoben, bis sie in der Dunkelheit wieder verschwanden.

Mit einem langgezogenen, ohrenbetäubenden Donnergrollen schob sich der jämmerlich stotternde Wagen gefühlt die letzten Meter vor das wuchtige Eingangstor im Schlosshof, ehe die Scheinwerfer ihren Geist komplett aufgaben. Als hätte das tosende Unwetter fast schon Mitleid mit den Insassen und gewährte ihnen in seiner himmlischen Gnade einen Unterschlupf, schubste es mit Nachdruck an diesen besonderen Ort.

Einige Fenster des gewaltigen Gebäudes waren hell erleuchtet und spendeten ein tröstendes, warmes Licht. Es war also keine verlassende Festung der Einsamkeit. Zum Glück.

Zwei Personen stiegen hastig aus und stolperten durchs das dunkle Regeninferno die nassen Treppen hinauf, immer in Richtung des großen und pechschwarzen Eingangstores.

Ein weiterer Blitz erhellte das Ganze und zwischen den prasselnden Regentropfen war für einen kurzen Moment jedes einzelne Rankenornament zu sehen, bestehend seit uralten Zeiten.

Auch der Name des Schlosses war kurz erleuchtet: SCHLOSS FEUERFELS

Was für eine poetische Tragik bei einem solchen Regeninferno. Jegliches Feuer wäre in Sekundenbruchteilen gelöscht gewesen.

Es läutete an der Tür. Gefühlt eine Ewigkeit verging. Die beiden Gestalten kauerten sich währenddessen unter die gewaltigen Mauervorsprünge.

Irgendwann öffnete sich zaghaft eine Hälfte des doppelflügeligen Eisentores. Im Schein hoher Deckenlampen erschien eine alte, aber kräftig aussehende Frau mit schlohweißen Haaren. Sie trug die unverkennbare Tracht einer Haushälterin.

Mit strengem Blick und ohne Worte studierte sie die beiden Fremden, die da vor ihr im Regen standen und sie **** anstarrten, während sie ihre Steppjacken halb über den Kopf geschlungen hatten, um der kalten Nässe irgendwie zu trotzen:

Eine schlanke junge Frau mit langen blonden Locken.

Und ein athletischer junger Mann mit dunklen Haaren und einer ovalen Brille.

Ein braves, hübsch anzusehendes Pärchen Anfang zwanzig.

„Kann ich helfen?“, fragte die Haushälterin kurz und knapp.

Die beiden flehten sie geradezu um Einlass an. Sie hatten eine Autopanne. Und das Schloß hier weit und breit die einzige bewohnte Behausung.

Sie durften gnädigerweise eintreten. Während die alte Frau sich aufmachte, die Herrschaften des Haues zu informieren, schüttelten die beiden Ankömmlinge erleichtert ihre nassen Mäntel ab. Darunter trugen sie feine Festtagskleider, er einen dunklen Smoking und sie eine hübsche Kombination aus pinkem Abendkleid und einem unschuldigen, weißen Westchen.

„Ich habe dir doch gesagt, dass wir nach der Feier ein Hotelzimmer hätten buchen sollen. Aber nein, die feine Dame war wieder zu geizig dafür!“, murmelte der Mann viel zu laut.

Das ließ die hübsche Frau nicht auf sich sitzen. „Ach und der feine Herr hätte sich mal ein neues Auto zulegen können, dass nicht gleich beim ersten Anflug von Regen schlapp macht.“ Dann stockte sie sofort. „Linus – es tut mir leid, lass uns nicht streiten!“

Er nahm sie in den Arm und küsste sie liebevoll. „Mir tut es auch leid, Maxi.“

Dann sahen sie sich in der Eingangshalle um: pompöse Steinsäulen mit Wappen; Wandteppiche, kunstvolle Kronleuchter, als wären sie in einem Museum gelandet. Lediglich die hohen Deckenlampen zeugten davon, dass es hier tatsächlich Strom gab und sie nicht rückwärts in die Vergangenheit zurückgesprungen sind.

Die Haushälterin tauchte schon bald mit den Herrschaften auf. Der Graf und die Gräfin. Eindrucksvoll in samtener Abendgarderobe stolzierten sie so die große, zentrale Treppe herunter, die von Ritterrüstungen, Hellebarden und Lanzen zu beiden Seiten gesäumt war. Das junge Pärchen hielt den Atem an, als die beiden Adeligen immer näherkamen und sie wohlwollend von oben herab anblickten. Maxi und Linus widerstanden dem Impuls, demütig in die Knie zu gehen.

„Herzlich willkommen auf Schloss Feuerfels!“, so tönte der Graf mit warmer, edler Stimme. Er hatte eine Glatze, aber war ansonsten einigermaßen muskulös, trug einen fast schon modernen, graumelierten Hipster-Bart unter seinen geheimnisvollen dunklen Augen.

„Natürlich seid ihr unsere Gäste. Bei diesem schrecklichen Unwetter und dem Pech mit eurem Kraftfahrzeug können wir euch unmöglich gehen lassen.“ Seine Frau hatte eine markante, lockige Haarpracht, die wie rotes Kupfer im Schein der Lampen glänzte. Im Gesicht trug sie eine edle Nase, sanfte Augen und war wie ihr Mann hochgewachsen und schlank. Beide musste etwa Mitte Vierzig sein, schätzungsweise.

Das junge Pärchen nahm das Angebot dankend an. Sie waren so erleichtert. Man führte sie sogar durch die Räumlichkeiten und zeigte ihnen alles. Lediglich um den Westflügel machten sie einen Bogen, der wurde wohl gerade renoviert.

In der Küche werkelten mehrere Bedienstete und richteten ein mehrgängiges Abendessen zu, unter den wachsamen Augen eines grummeligen Butlers.

Linus und Maxi sahen sich alles neugierig an, staunten über jedes Detail, das Zeugnis aus der Vergangenheit gab. Beide studierten Geschichte, daher war es besonders interessant für sie. Gönnerhaft spielten der Graf und die Gräfin die perfekten Gastgeber und unterhielten die dankbaren jungen Leute mit Anekdoten und Erzählungen.

Währenddessen wurde das Abendessen aufgetreten. So gut hatten die jungen Leute noch nie gegessen! Das Pärchen fühlte sich wie im siebten Himmel. Was für ein Glück, ausgerechnet hier gestrandet zu sein. Der Graf und die Gräfin nahmen das geschmeichelt zur Kenntnis. Zu später Stunde verabschiedeten sie sich schließlich zur Nachtruhe.

Der grummelige, namenlose Butler brachte die Gäste nun zu deren Nachtlager. Ein wunderschönes Zimmer im Ostflügel mit Himmelbett und verzierten Holzmöbeln, an der bemalten Decke rankten viele kleine Rosen ineinander und webten ein farbenprächtiges Gemälde aus rot und grün. Sie kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Nur beim Fortgehen murmelte der Butler noch eine komische Warnung in seinen Bart.

„Nehmt euch in acht… nicht das Zimmer verlassen…“

Schon war er fort. Das Pärchen wunderte sich kurz, doch dann waren sie schon ganz und gar der Behaglichkeit des gemütlichen Schlafzimmers verfallen. Sie merkten, wie müde und kaputt sie mittlerweile waren. Was für ein spannender und ereignisreicher Tag heute doch gewesen war! Beide nahmen dankbar die bereitliegende, altmodische Nachtwäsche und streiften sich die klammen Sachen ab.

Maxi streifte sich das weiße, bestickte Nachthemd über ihren nackten Körper und bewunderte sich kurz im Spiegel. „Ich bin eine süße kleine Zofe!“ Linus bewunderte seine hübsche Freundin und wäre jetzt am liebsten über sie hergefallen. Sie reckte ihm verführerisch den kleinen Knackarsch entgegen und lächelte. Sie sah aus wie ein Engel in ihrem knappen strahlenden Hemdchen.

Aber das Bett fühlte sich zu himmlisch an. Für einen kurzen Moment nickten beide ein, kaum dass sie unter die Decke gekrochen waren, hatten alles andere um sie herum vergessen.

Ein merkwürdiges, heiseres Heulen holte beide aus dem Schlaf. Es konnte noch nicht viel Zeit vergangen sein. Die einzige Wanduhr in ihrem Zimmer schien schon seit Ewigkeiten stehengeblieben zu sein. Die Mobiltelefone funktionierten noch, hatten aber hier keinerlei Empfang. Zumindest die Uhrzeit konnte man ablesen: 23:11 Uhr

Es folgte ein Knarzen, und ein Heulen. Als ob ein finsterer Geist durch die Gemäuer spukte. Kurz schauderte es den beiden, aber Maxi war die mutigere von beiden. „Ich MUSS jetzt da mal rausschauen – wer weiß, vielleicht gibt es wirklich einen Geist hier!“

„Auf keinen Fall!“ Linus würde seine Freundin niemals alleine da rausgehen lassen. „Ist sicher nur der Wind oder so… Und du weisst ganz genau, dass wir fit und ausgeruht sein müssen!“ Er drehte sich müde wieder um und schlief ein. Eigentlich wollte er ja wach bleiben, aber das Bett war einfach so himmlisch kuschelweich… Zzz

Wie geht es weiter im Gruselschloß?

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