Das klingt nach einem eher miesen Plan
Eventuell gibt es ja eine Alternative?
Malia sah ihn skeptisch von der Seite an. "Okay, und erklärst du jetzt bitte auch noch, warum das keine absolute Scheißidee ist?"
"Weil wir so die Beteiligung unseres Helfers verschleiern", sagte Steffen. "Er ist später derjenige, der den Alarm auslöst. Damit kommt er nicht in Verdacht, uns erst reingelassen zu haben."
"Dann wird das aber eine ziemlich heiße Flucht", gab Alex zu bedenken. "Wir arbeiten doch ohne Pandora - wie wollen wir verhindern, dass die einfach unsere Fahrzeuge registrieren und dann per Kameras bis zurück hierher verfolgen, wenn sie sofort Alarm geben können?"
Steffen wandte den Blick zu ihm. "Wie in Berlin: Fahrzeugwechsel außer Sicht von irgendwelchen staatlichen Kameras. Und diesmal verschwindet unser 'Einsatzwagen' auch noch spurlos." Er lächelte. "Ich hab das ganze schon recht gut ausgeknobelt. Der einzige heikle Moment ist tatsächlich der, in dem wir vom Gelände verschwinden. Wenn wir den reibungslos hinbekommen, ist die ganze Sache quasi gelaufen."
Jessie wirkte nicht sonderlich begeistert. "Steh ich denn wenigstens diesmal nicht prominent mitten in allen Fadenkreuzen, bei deinem sogenannten heiklen Moment?"
"Ein bisschen schon", gab Steffen zu. "Du bist bis zuletzt noch drin, und der Alarm geht quasi in dem Moment los, indem du rauskommst und zum Fluchtwagen läufst. Genauer gesagt, die Tatsache, dass du drin bist, ist die Begründung, warum es bis dahin keinen Alarm gibt. Du hast die Wachzentrale nämlich unter deiner Kontrolle, und erst, wenn du gehst, können die den Vorfall melden. Dao ist zu dem Zeitpunkt zusammen mit Malia schon im Auto und abfahrbereit."
"Mit mir?" Malia wirkte verwirrt. "Was mach ich denn auf der Mission?"
Steffen lächelte. "Wird dir gefallen. Du holst Dao aus ihrem Zimmer und bringst sie raus. Du bist nämlich die Person, die auf den Kameras auftauchen wird. Quasi das Gesicht der ganzen Operation."
Das schien Malia tatsächlich gut anzukommen, und sie grinste zurück. "Womit hab ich denn die Ehre verdient?"
"Dein Gesicht ist der Regierung ja bestens bekannt, da du schon mal in ihren Händen warst", erklärte Steffen, "wir verraten unseren Gegenspielern also nichts, das die nicht schon wüssten. Oder hast du Einwände?"
"Nö, das passt alles." Malia war zufrieden.
Im Gegensatz zu Jessie. "Und ich seh hinterher einfach zu, dass ich rauskomme, ehe mir die Kugeln um die Ohren fliegen?" beschwerte sie sich. "Hab ich gar keine Rückendeckung?"
Steffen sah sie nachdenklich an. "Ich könnte euch noch Alex als Fahrer zuteilen", schlug er vor, "dann kann er dich zumindest im Notfall ein bisschen abschirmen."
"Aber machen wir uns das nicht irgendwie zu kompliziert?" meldete sich unerwartet Viktor zu Wort.
"Mh?"
Viktor sah zu Jessie. "Sie hier wird doch nur gebraucht, damit es keinen Alarm gibt", sagte er und blickte dann zu Malia, "und sie hier, damit hinterher auf den Kameras ein bekanntes Gesicht ist. Hab ich doch richtig verstanden, oder?"
Steffen nickte. "Schon."
"Warum geh ich dann nicht rein und hol die Gefangene raus?" fragte er. "Ich kann da einfach reinspazieren, ohne dass wer Alarm deswegen gibt, und wenn hinterher auf den Kameras mein Gesicht ist, wissen die auch nur, dass das der Flüchtling von vor ein paar Wochen war. Und niemand wird eurem Kontaktmann danach irgendwas vorwerfen - die Schweine wissen ja ganz genau, was ich kann. Es gäbe auch erst fünf Minuten später Alarm, wenn wir längst weg sind."
"Also-" Steffen sah in die Runde. "Viktor, wir hatten wegen dir und die Möglichkeiten, dich einzusetzen, bereits einige Gespräche miteinander. Und wir waren uns einig, dich erst noch ein bisschen besser kennenzulernen, ehe wir dich auf Einsätze mitnehmen."
Jessie hob die Hand. "Aber vielleicht können wir das jetzt doch noch mal ausdiskutieren?"
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