Kommen sie jetzt gut an ihrem Zielort an?
Es klappt alles wie am Schnürchen
Eine gute Stunde später landete Maurice die Maschine dann zum Auftanken in Singapur, und während der Standzeit bemerkte er auch den Schaden an seinen Sitzen. Er sagte nichts, warf Tom aber einen etwas genervten Blick zu.
"Äh, okay, ich verstehe." Tom sah in die Runde seiner Mitstreiter. "Wer von euch war das?"
"Wir", hob Alex die Hand. "War keine Absicht; es ist passiert, als wir-"
Tom schüttelte nur den Kopf. "Euch ist schon klar, dass wir mit diesem Flugzeug auch wieder heim müssen, oder? Wenn ihr hier irgendwelche Schäden anrichtet, die auch nur ein bisschen schwerwiegender als das hier sind, sitzen wir fest. Auf unbestimmte Zeit."
Diana errötete leicht. "Tut uns ja leid. Wir passen das nächste Mal besser auf."
"Warum hast du eigentlich nicht aufgepasst, was die beiden anstellen, Eidolon?" wandte sich Tom an Steffen. "Du musst das doch mitgekriegt haben!"
"Ich war, mh, abgelenkt", gab Steffen zu. "Aber du hast recht. Das hier geht auf meine Kappe. Kommt nicht wieder vor."
Tom sah zu Maurice. "Ich hoffe, das ändert nichts an unserer Abmachung?"
Der seufzte. "Ich hab schon mit Leuten zusammengearbeitet, die waren noch weniger professionell als Sie, dementsprechend lass ich das mal gut sein. Aber eins interessiert mich jetzt aber doch."
"Mh?"
"Warum wollen Sie unbedingt hinterher nach Deutschland zurück?" wollte Maurice wissen. "Warum bleiben Sie nicht, sagen wir mal, in Thailand? Das ist doch ein viel sichereres Pflaster für Ihresgleichen. Keine aktive Verfolgung, und solange sie die Köpfe unten halten, fallen Sie unter den anderen dort gar nicht auf."
Tom wollte schon antworten, aber Steffen kam ihm zuvor. "Wir haben unsere Gründe", sagte er knapp. "In Deutschland können wir mehr für, wie Sie sagen, 'unseresgleichen' tun als von Fernost aus."
Etwas verwirrt sah Maurice zu ihm. "Aber Sie stammen doch selbst aus Fernost, oder irre ich mich da?"
"Meine Abstammung ist doch hier nicht relevant", gab Steffen zurück. "Ich bin dort zuhause, wo ich meine Berufung sehe. Und das gilt für alle hier."
"Oh." Maurice schien plötzlich zu verstehen. "Oh! Das ist es also." Er nickte. "Okay, das erklärt natürlich- Entschuldigung für die Frage. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten."
Steffen schüttelte im Kopf. "Keine Sorge. Wir haben noch niemandem für eine unbedachte Frage den Kopf abgerissen."
Und Malia grinste. "Höchstens ihn ein wenig durchgefickt."
Nach dem Zwischenstopp ging es dann weiter, und nach etwa anderthalb Stunden waren sie dann endlich in Jakarta gelandet. Laut Ortszeit war es Vormittag, auch wenn es sich für die Gefährten nicht so anfühlte - die kleine Ruhe auf dem Flug hatte sie nicht vor dem Jetlag bewahrt. Aber trotzdem konnten sie jetzt keine Pause machen; es gab viel zu tun. Das Boot, das sie von Maurice gemietet hatten, war zwar noch nicht angekommen, Proviant für ein paar Tage mussten sie trotzdem kaufen, brauchten außerdem eine Unterkunft für die nächsten Tage, und dann galt es außerdem noch, Vorbereitungen für das Zusammentreffen mit Ikarus zu treffen - letzteres übernahmen Steffen und Pandora gemeinsam.
Erst am Morgen des nächsten Tages trafen die beide sehr übermüdet in dem kleinen Hotel ein, das Tom hatte buchen können. "Wir haben's zwar nicht in der letzten Sekunde geschafft", berichtete Steffen erschöpft, aber in der letzten Dreiviertelstunde: Wenn Ikarus jetzt gleich auf sein Schiff kommt, schickt uns dessen Navigationssystem immer seine aktuellen Daten. Pandora hat ganze Arbeit geleistet."
"Du warst aber auch nicht übel", lächelte Pandora müde, "wie du die Leute von der Reederei abgelenkt hast. Woher sprichst du so gut Indonesisch?"
"So gut sprech ich das gar nicht", gab Steffen zu, "aber ich hab getan, als wär ich angetrunken, damit die Lücken in meinem Wortschatz nicht so auffallen. Dass ich total übermüdet bin, hat das bestimmt noch überzeugender aussehen lassen. Aber jetzt muss ich mich erst mal aufs Ohr hauen. Atlas, wo sind unsere Zimmer?"
Die beiden schliefen sich noch den ganzen Tag lang aus, während sich die anderen am frühen Nachmittag um das Boot kümmerten, das ihnen Maurice zur Verfügung gestellt hatte. Es war eine Achtzehn-Meter-Yacht - nicht riesig, aber luxuriös ausgestattet, und auch wenn sie etwas enger zusammenrücken mussten, würden sie doch genug Platz haben, um ein paar Tage zu überstehen.
Maurice begleitete sie bei der Übergabe. "Nur dass eins klar ist", sagte er, "der Pattaya Princess passiert nichts. Die alleine hat mich mehr gekostet als das, was ich von euch für diese ganze Tour bekomme. Ich krieg sie unversehrt wieder, verstanden?"
"Sollte was passieren", beruhigte ihn Tom, "ersetzen wir Ihnen den Schaden natürlich. Wir haben das Boot nur gemietet, und wir haben nicht vor, damit was Riskantes zu machen."
"Sie haben noch mal achthunderttausend zur Verfügung?" Maurice legte den Kopf zur Seite. "Ich hätte mehr verlangen sollen."
Tom schmunzelte. "Aber ein Geschäft ist ein Geschäft, oder?"
Das Geschäft stand natürlich, und den Rest des Tages verbrachten sie damit, die gekauften Vorräte und zusätzliches Benzin an Bord des Schiffs zu bringen und unter Toms Anleitung zu verstauen. Danach galt es zu warten. Laut ihrem Plan wollten sie Ikarus' Team so weit wie möglich entfernt von möglichen Beobachtern konfrontieren, und damit würden sie es bestimmt nicht hier im Hafen von Jakarta versuchen. Besser, sie irgendwo kurz vor ihrem Ziel abzufangen. Und dann, am nächsten Morgen in aller Frühe, ging es dann los.
"Raus aus den Federn!" weckte Pandora alle über eine Gruppennachricht auf ihren Handys auf. "Die andere Reisegruppe ist eben aufgebrochen! Treffen am Boot!"
"Wir sind schon da", meldete sich Tom binnen Sekunden bei ihr zurück, "wir haben auf dem Boot geschlafen. Checkt uns im Hotel aus und schafft eure Hintern hierher, und zwar gleich!"
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