Können sie die Verfolgung aufnehmen?
Besser als gedacht
Als Steffen und Pandora eine knappe Stunde später am Boot auftauchten, hatten sie gleich gute Neuigkeiten: "Wir wissen, wo Ikarus hin will", strahlte Pandora. "Er hat den Navicomputer in seinem Schiff nicht auf eine Route, sondern auf ein Ziel eingestellt."
"Und die noch bessere Nachricht ist, dass er in einem viel langsameren Schiff unterwegs ist", ergänzte Steffen, "im Prinzip ein Fischerboot. Er fährt etwa 25 Kilometer pro Stunde, wir kriegen ne Reisegeschwindigkeit von knapp 40 hin und müssen noch nicht mal nachtanken. Sein Ziel ist ein Inselchen gut 200 Kilometer im Nordosten."
"Das heißt, er braucht etwa zehn Stunden dafür", rechnete Tom kurz im Kopf nach, "wir knapp 7. Eine Stunde Vorsprung hat er- Das sollte trotzdem reichen, um ihn zu überholen und vor ihm anzukommen."
Alex blinzelte. "Ich vermute mal, Shangri-La liegt auf diesem Inselchen?"
Tom schüttelte den Kopf. "Shangri-La liegt auf einer etwas größeren Insel, nochmal 10 Kilometer entfernt. Aber wenn sie da einfach so tagsüber hintuckern, fangen die Amis sie ab, ehe sie einen Fuß aufs Gelände setzen können. Ich nehme an, sie werden auf was Unauffälligeres umsteigen. Aber vorher können wir sie stellen. Weiter weg von der Zivilisation bekommen wir sich nicht."
"Quatsch keine Opern", drängte ihn Pandora, "ab ans Steuer mit dir! Und dann hoffe ich mal, dass ihr alle wasserfest seid!"
Wasserfest waren sie, allerdings stellte sich heraus, dass Diana Seegang nicht sonderlich gut verkraften konnte und ihr recht bald übel wurde. Es brauchte eine Menge Zuwendung von Roadie, um sie in diesem Zustand irgendwie erregt zu bekommen; als es ihm dann aber gelang und sie ein wenig wachsen konnte, war auch die Seekrankheit verschwunden. Ihr zäherer Körper war auch in dieser Hinsicht widerstandsfähiger. Alex beneidete sie ein bisschen: ihm verursachte das Geschaukel zwar nicht besonders viel Probleme, aber ganz unbeeindruckt ließ es ihn auch nicht, und selbst in vergrößerter Form wurde er das Unwohlsein nicht ganz los.
Die anderen schienen keine derartigen Probleme zu haben, Malia schien die Fahrt sogar zu genießen und verbrachte lange Stunden auf dem Bugdeck, wo sie sich ausgiebig sonnte. Steffen und Pandora saßen in einer Kabine beisammen und planten das genaue Vorgehen, während Ria Tom am Steuer Gesellschaft leistete. Nur Sandy wirkte etwas unruhig und spazierte auf dem Boot auf und ab - vielleicht dachte sie über die Rolle nach, die man ihr zugedacht hatte? Alex entschied sich dazu, einmal nachzuhaken und trat zu ihr.

"Spatz?"
"Paps?" Sie sah ihn an. "Ist was?"
Alex lächelte. "Das wollte ich eigentlich fragen. Du wirkst etwas... nachdenklich."
Ertappt nickte Sandy. "Bin ich auch. Ich- Also, als Steffen das ganze mit mir besprochen hat, klang alles noch ziemlich cool. Aber jetzt... Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin. Das hier ist mein erstes Mal auf so einer Mission, und dann ist es gleich was so Großes." Sie sah zu Alex. "Denkst du, Steffen lässt mich noch aussteigen?"
"Wahrscheinlich würde er das", gab Alex zurück, "aber offen gesprochen denke ich nicht, dass du aussteigen solltest. Wir brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können, insbesondere jetzt, wo Jessie nicht dabei ist. Und hätte Tamara nicht die Babys, wär sie wohl auch hier. Also, ich bin echt froh, dass du deine Hilfe angeboten hast."
"Wenn ich da mal keinen Fehler gemacht hab", seufzte Sandy. "Ich bin total nervös."
Mit einem Lächeln nahm Alex sie in den Arm. "Da könnte ich was gegen tun", sagte er. "Diana ist immer sehr entspannt, wenn sie ein bisschen gefickt wird. Das klappt bestimmt auch bei dir."
Mit einem Schmunzeln drückte Sandy ihn. "Ooh, Daddy, eine schöne Idee. Aber..." Sie seufzte. "Vielleicht trotzdem eine schlechte Idee."
"Warum?"
"Willst du nach der Sache mit Diana im Flugzeug nochmal einen Anschiss von Tom bekommen?"
Das sah Alex ein, und so blieb Sandy vorerst noch ungefickt, auch wenn Alex ihr versprach, das an Land bei erster Gelegenheit nachzuholen. Aber schon seine Nähe reichte aus, um ihr ein bisschen die Sorgen zu vertreiben, und als sich auch noch Diana zu den beiden gesellte und ihr ein bisschen Mut zusprach, war sie schon viel optimistischer als zuvor.
Und dank guten Wetters verging die Fahrt recht schnell, und noch in der Abendsonne näherten sie sich der kleinen Insel, die das Ziel von Ikarus' Navigationscomputer war. Zu ihrer Überraschung gab es dort sogar eine Art kleinen Hafen - zumindest standen dort ein recht neu aussehendes gemauertes Gebäude sowie ein Wohncontainer, und am Strand hatte jemand einen längeren schwimmenden Steg ins Meer installiert. An dem legten sie auch an, allerdings nur um alle außer Tom abzusetzen, der das Schiff dann außer Sicht um die Insel herumfuhr, dort ankerte und zu ihnen zurückschwamm. Er kam gerade noch rechtzeitig zurück - in der Ferne war bereits der Kutter zu sehen, mit dem Ikarus' Team anreiste.
"Denkst du echt, dass er drauf eingeht?" sprach er Steffen an. "Nach allem, was passiert ist..."
"Wir haben gute Argumente", gab der zurück. "Und wenn die nicht helfen sollten, haben wir außerdem noch schlagkräftige Argumente."
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