What's next?
Die Nachhilfe beginnt
Die Bibliothek der Schule ist nahzu leer, nur vereinzelte Schüler, die Schulsachen und Bücher zusammenpacken um die Schule zu verlassen. Es ist Freotag und die meisten Schüler können es nicht erwarten ins Wochende zu starten.
Anna sitzt am Tisch in der hintersten Ecke, umgeben von aufgeschlagenen Büchern und farbcodierten Haftnotizen. Ihr weißes Hemd ist bis zum obersten Knopf geschlossen, die dunkle Hose sitzt makellos, die Haare zu einem strengen Zopf gebunden. Vor ihr liegt ein Exemplar des Biologie-Lehrbuchs für die Oberstufe, Kapitel 7: Fortpflanzung und Entwicklung, mit zahlreichen Markierungen versehen. Sie hat sich vorbereitet. Theo hat sie angesprochen, etwas verschüchtert, und gefragt, ob sie ihm helfen kann. Anna hat zugestimmt. Nachhilfe gibt sie öfter. Es ist eine ihrer Stärken.
Theo kommt fünf Minuten zu spät. Er lässt seinen Rucksack auf den Stuhl gegenüber fallen und setzt sich neben sie. Sein dunkles Haar ist unordentlich, die obersten Knöpfe seines Hemds geöffnet. „Hey", sagt er „Sorry, ich—"
„Kein Problem", sagt„Wir fangen mit dem an, was du am wenigsten verstanden hast. Kapitel sieben, Fortpflanzung."
Theo hat dieses Thema bewusst gewählt. Anna weiß nicht, dass es eines, der wenigen Themen ist, in drnen Theo keine Nachhilfe braucht. Er will ihr aber näher kommen und hält dies für einen subtilen Wink.
Anna schlägt das Buch auf und legt rs so, dass er mitlesen kann „Die grundlegenden Prozesse der menschlichen Fortpflanzung umfassen die Produktion von Gameten—also Eizellen und Spermien—durch Meiose, die Befruchtung, bei der sich eine Eizelle und ein Spermium verschmelzen, und die anschließende Entwicklung des Embryos."
Theo stützt den Kopf auf die Hand und schaut sie an, nicht das Buch. „Erklär's mir mal von vorne. Ganz langsam."
Anna runzelt die Stirn, aber nur kurz. Sie ist es gewohnt, dass Leute nicht zuhörten. „Die Meiose ist eine Form der Zellteilung, die aus einer diploiden Zelle vier haploide Tochterzellen erzeugt. Beim Menschen findet sie in den Gonaden statt—also in den Hoden bei Männern und den Eierstöcken bei Frauen." Sie zeigt auf ein Diagramm im Buch, das die Phasen der Meiose darstellt. „Während der Prophase I paaren sich homologe Chromosomen und es findet ein Crossing-over statt, bei dem genetisches Material ausgetauscht wird. Das erhöht die genetische Vielfalt der resultierenden Gameten."
Theo lehnt sich vor, sein Ellbogen rutscht über den Tisch, bis er nur noch wenige Zentimeter von ihrem Arm entfernt ist. „Und wie genau funktioniert das Crossing-over? Bei dir zum Beispiel?"
Anna blinzelte. „Bei mir? Das ist unwichtig, der Prozess ist bei allen Menschen gleich. Die Chromosomen brechen an bestimmten Punkten und werden neu kombiniert." Sie schiebt sich eine Haarsträhne hinters Ohr, die sich gelöst hat. „Der synaptonemale Komplex bildet sich zwischen den homologen Chromosomen und ermöglicht den Austausch."
„Und die Befruchtung?", fragt Theo und rutscht mit seinem Stuhl näher.
Anna dreht das Buch um und suchte die entsprechende Seite. „Nach dem Eisprung—also der Freisetzung einer reifen Eizelle aus dem Eierstock—wandert die Eizelle durch den Eileiter zur Gebärmutter. Wenn innerhalb von etwa 24 Stunden Spermien in die Nähe kommen, kann die Befruchtung stattfinden." Sie tippt auf eine Abbildung des weiblichen Fortpflanzungssystems. „Die Spermien durchdringen die Corona radiata, eine Schicht von Follikelzellen, die die Eizelle umgibt, und binden an die Zona pellucida—eine glykoproteinhaltige Schicht. Das löst die Akrosomreaktion aus, bei der Enzyme freigesetzt werden, die es dem Spermium ermöglichen, die Eizellmembran zu durchdringen."
Theo rutscht mit seinen Stuhl jetzt so nahe, dass ihre Knie sich fast berühren. „Und was passiert dann?"
Anna merkt, dass ihre Stimme etwas dünner wird, und räuspert sich. „Nach der Verschmelzung der Zellmembranen kommt es zur Pronukleusverschmelzung—die genetischen Materialien von Eizelle und Spermium kombinieren sich zu einer diploiden Zygote. Diese beginnt mit der mitotischen Teilung, während sie weiter durch den Eileiter zur Gebärmutter wandert, wo sie sich in die Gebärmutterschleimhaut einnistet—die Implantation."
Theo legt seine Hand auf das Buch, direkt neben ihre. Sein Daumen berührt ihren Handrücken, nur eine Sekunde, dann zieht er ihn zurück. „Und wenn sich zwei Menschen körperlich nahe kommen—was passiert da biologisch gesehen?"
Anna schluckt. „Es gibt verschiedene physiologische Reaktionen. Bei sexueller Erregung kommt es zu einer Vasokongestion, also einer vermehrten Blutfüllung der Genitalien. Bei Männern führt das zur Erektion, bei Frauen zur Lubrikation und—"
„Lubrikation?", fragt Theo und beugte sich näher. Sein Atem riecht nach Kaugummi.
„Feuchtigkeit", sagt Anna und merkt, wie ihr Gesicht rot wird. „Die Bartholin-Drüsen und die Scheidenwände sondern ein Sekret ab, das die Reibung reduziert und die Spermien beim Transport unterstützt." Sie versucht, das Buch umzuschlagen, aber ihre Hand zittert leicht. „Die Erregungsphase geht in die Plateauphase über, in der sich die physiologischen Parameter stabilisieren, und dann—"
„Dann?"
„Dann der Orgasmus. Rhythmische Kontraktionen der Beckenbodenmuskulatur mit einer Frequenz von etwa 0,8 Sekunden." Anna spricht schneller , als kann sie die Worte wie ein Schutzschild vor sich herschieben. „Beim Mann kommt es zur Ejakulation, der Ausstoß von Samenflüssigkeit, die etwa 200 bis 500 Millionen Spermien enthält."
Theo hat seine Hand jetzt ganz auf ihre gelegt. Sie ist warm und etwas feucht. „Und bei der Frau?"
Anna starrt auf ihre Hände. Auf seine Hand, die auf ihrer liegt. „Bei der Frau—ähnliche Kontraktionen. Der Uterus zieht sich zusammen, die Scheidenwände, der Schließmuskel—"
„Zeig mir das Diagramm nochmal." Theo steht auf, kommt um den Tisch herum und steht jetzt hinter ihr. Er beugt sich über ihre Schulter und legt eine Hand auf die Lehne ihres Stuhls. Sein Kinn ist fast an ihrer Schläfe. „Welches?"
Anna blättert mit zitternden Fingern zurück, bis sie die Abbildung des weiblichen Beckens findet. „Das—das ist die Anatomie. Labia majora und minora, Klitoris, Vagina, Uterus, Eileiter, Ovarien."
Theo legt seine andere Hand auf ihre Schulter. „Und die Klitoris—was ist die Funktion?"
„Sie ist—die Klitoris ist ein—ein hochempfindliches Organ, das aus Schwellkörpergewebe besteht und eine große Anzahl an Nervenenden enthält. Etwa 8000, mehr als jede andere Struktur im menschlichen Körper." Anna merkt, dass sie die Luft anhält, und zwingt sich zum Ausatmen.
Still schreit sie ihren Körper an, dass er sich beherrschem soll, sie versucht ,nur mit kühlem Kop,f sachlich zu bleiben, aber ihr Körper gehorcht ihr nicht. Sie spürt eine wohlige Wärme im Bauch und ein Kribbeln zwischen den Beinen.
Die Vorstellung des Geschlechtsaktes zweier Menschen, Theos Berührungen, sein Atem in ihrem Nacken, Anna kann nichts dagegen tun, sie ist erregt.
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