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Chapter 10 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Der Morgen danach

Sie brauchte nach dem Aufwachen einige Zeit, bis sie sich erinnerte, wo sie war. Sonnenlicht blinzelte durch die zugezogenen Vorhänge ihres Hotelzimmers. USA, Handelsgespräche, Ankunft gestern, Abendessen.

Und danach?

Marie Lehnert starrte an die kahle Zimmerdecke und zog die Stirn in Falten. Sie konnte Soraya deutlich vor ihrem inneren Auge sehen. Der Whisky im Wohnzimmer. Der fieberhafte Aufbruch ins Schlafzimmer, wo sie sich Stück für Stück ausgezogen hatte. Die himmlische Nacht zu zweit – ihre erste lesbische Erfahrung außer ein bisschen besoffenem Rumgeknutsche auf Studentenpartys.

War das alles wirklich geschehen?

Oder war es nur ein wilder, außergewöhnlich lebhafter Traum gewesen? Für Letzteres sprach, dass ihr all das gar nicht ähnlich sah. Sie ging gern an Grenzen, lotete ihre Möglichkeiten aus. Aber sie ließ sich eigentlich nie haltlos gehen. Selbst im größten Chaos behielt sie die Fäden in der Hand.

Für Ersteres sprach, dass sie nackt im Bett lag, was auch nicht üblich war. Nur, wie war sie dann von dem abgelegenen Haus zurück ins Hotel gekommen? Unbekleidet und ohne sich daran erinnern zu können?

Sie setzte sich auf. Sofort setzte ein Bohrhammer in ihrem Kopf ein. Stöhnend hielt sie sich die Stirn. So viel, dass sie einen derart schlimmen Kater haben müsste, hatte sie doch nicht getrunken, oder?

Mit zusammengekniffenen Augen sah sie sich nach einer Uhr um. Wie spät war es?

Was war das? Nein, wer war das?

Hastig riss sie die Bettdecke hoch, um ihren Oberkörper zu verstecken. Auf dem Stuhl neben dem Fenster saß ein Mann. Groß, breitschultrig, schwarze Jacke, weißes Shirt.

Steve.

„Was machst du hier?“ Ihre Stimme klang selbst in ihren eigenen Ohren rau.

Er sah sie unbeeindruckt an.

„Ich passe auf dich auf“, war seine lapidare Antwort. Trotz der Watte, die ihren Schädel füllte, wurde ihr bewusst, dass man diesen Satz auf zwei unterschiedliche Weisen auslegen konnte.

Es gab unzählige Möglichkeiten, wie sie darauf reagieren könnte. Das Wichtigste war in diesem Moment aber, dass sie dringend ins Bad musste. Die Decke bis zum Kinn hochgezogen, überlegte sie, ob sie sie beim Aufstehen wie einen Schild vor sich halten sollte. Sie zuckte mit den Schultern. Wenn ihre Erinnerung korrekt war – woran sie immer weniger zweifelte –, hatte Steve schon alles gesehen, was es zu sehen gab. Ausgiebigst.

Sie schwang die Beine aus dem Bett, stabilisierte sich kurz mit einer Hand an der Bettkante und schritt im Evakostüm an ihm vorbei zum Badezimmer. Dabei die Coolness aufrechtzuhalten, fiel ihr nicht leicht. Obwohl er vermutlich die halbe Nacht hier gesessen hatte, wirkte er wie aus dem Ei gepellt. Sie sah hingegen aus, als habe man sie aus der Gosse gezogen. Verlegen kämmte sie sich mit den Fingern durchs Haar.

„Weißt du, wie spät es ist?“ Sie bemühte sich, locker und entspannt zu klingen.

Steve warf einen Blick auf seine Smartwatch. „Acht dreißig.“

„Mist“, entfuhr es ihr. Um neun begann die Konferenz. Fast hätte sie verschlafen.

Sie hastete an ihm vorbei. Beim Schließen der Badezimmertür schoss ihr in den Kopf, ob er es zulassen würde, wo er doch auf sie aufpassen musste. Er blieb stumm. Der Raum hinter der Tür war aber auch winzig und hatte keine Fenster. Es gab also nichts, worüber er sich Sorgen machen müsste. So oder so.

Nachdem sie das Nötigste erledigt hatte, stürmte sie hinaus und suchte ein passendes Outfit aus dem Koffer. Dass sie ihm dabei vornübergebeugt ihr blankes Hinterteil präsentierte, war ihr in diesem Moment gleichgültig.

Eiligst zog sie sich an, schnappte sich ihr Notepad und lief los. Sie musste sich nicht umsehen, Steve wäre sicher direkt hinter ihr.

Würde sie rechtzeitig ankommen?

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