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Chapter 2 by Reyhani Reyhani

Ihre erste Reportage

Der Kleingarten-Report

Es war Ende August – saurer wurde die Saure-Gurken-Zeit nicht mehr. Julia saß im Büro und schwamm wie besagtes Gemüse im eigenen Sud. Da half es nichts, dass sie nur ein knappes Bikini Top, weite Shorts und Flip-Flops trug. Selbst die klebten unter ihren Fußsohlen. Aber am unangenehmsten war die Feuchtigkeit, die sich zwischen ihren Brüsten sammelte.

Enttäuscht warf sie den Handventilator zurück in die Schublade. Er sah zwar lustig aus, wie ein Phallus, die Flügel oder wie die Dinger hießen waren unterhalb der Eichel angebracht, und auf Knopfdruck sprühte vorne Nebel zur Erfrischung raus. Aber er brachte gar nichts. Wieder eines dieser unnützen auf Sex gebrandeten Spaßprodukte. Was hatte der Produktdesigner wohl geraucht, um auf so eine Idee zu kommen? Wahrscheinlich Viagra. Hätte sie nur nicht diese dämliche Kolumne übernommen, dann müsste sie jetzt nicht immer diesen Scheiß testen.

Sollte sie es für heute gut sein lassen? Es war zwar erst Mittag, aber Zeit war relativ. Bei annähernd 30 Grand im Büro konnte man da gut und gerne noch drei Stunden draufrechnen und noch eine extra für den Freitag. Allerdings war es in ihrer kleinen Wohnung wahrscheinlich noch heißer. Ein Garten wäre jetzt schön. Im Schatten in der Hängematte liegen, den Bienen beim Summen zuhören und ab und zu am Aperol-Spritz nippen ...

Als hätte er ihre Gedanken gelesen erschien Julias Chef, Herr Schmidt, in der Tür zu ihrem Büro. Sein Gesicht war rot wie eine Tomate und feuchte Flecken breiteten sich unter seinen Armen aus. Sehr sexy. Sie sollte mal was über Pheromone machen ...

"Ich habe einen heißen Tipp bekommen, morgen Sommerfest in der Kleingartenanlage am Busenberg. Schaffst du das?", schnaufte er und wischte sich den Schweiß von der Halbglatze.

Julia gefror das Grinsen über Schmidts unfreiwilliges Wortspiel im Gesicht. Kleingartenverein, Taubenzüchterverein, Skatbruderschaft und wie sie noch alle hießen – sie hatte sich geschworen, das nie mehr zu machen. Wozu arbeitete sie denn bei einer Porno-Postille, wenn es dann doch wieder auf diesen Lokalblatt-Mist hinauslief?! Wollte der Chef sie etwa loswerden, wenn er ihr jetzt schon solche Aufträge andiente? Waren ihre Reportagen etwa nicht gut gewesen? Mein Gott, sie würde diesen Job vermissen.

"Na, jetzt guck doch nicht so ****, es ist ganz anders, als du denkst. Es geht um einen sexpositiven Kleingartenverein. Der Vorsitzende, Horst Kazmirek ist ein alter Freund von mir. Er hat mich gefragt, ob wir nicht mal was über den Verein machen können. Die haben Nachwuchsprobleme, weil alle so ein Gesicht wie du grade machen, wenn sie Kleingartenverein hören."

Julia guckte immer noch skeptisch, ließ sich von Schmidt aber die Nummer des Vorsitzenden geben. Ein bisschen neugierig war sie schon geworden. Sie beschloss, es gleich einmal zu versuchen. Dann könnte sie beruhigt Feierabend machen, mit dem Gefühl heute doch noch etwas geleistet zu haben. Der erfolglose Test des Phallus-Ventilators zählte für sie irgendwie nicht. Vielleicht hätte sie doch lieber den selbstkühlenden Plug ausprobieren sollen.

Zum Glück ging Kazmirek sofort dran und war hocherfreut, dass es mit der Reportage klappte. Sie verabredeten sich morgen am frühen Nachmittag am Vereinsheim der Gartenfreunde Adam und Eva. Julia solle immer die Vereinsflagge im Auge behalten, dann könne sie sich in der weitläufigen Anlage gar nicht verirren.

Julia hatte noch so viele Fragen, was denn ein sexpositiver Kleingartenverein sein sollte und was sie auf dem Sommerfest erwartete. Aber der Vorsitzende vertröstete sie auf morgen. Bevor es mit dem Fest losginge, wäre noch genug Zeit, ihr alles zu zeigen und den Verein ausführlich vorzustellen.

"Jetzt müssen wir hier noch für morgen was schaffen, Mädchen", würgte Kazmirek Julia jovial ab. "Und dann muss ich noch mit meiner Alten das Gemüse für den Wettbewerb aussuchen. Wird dann morgen früh geerntet, gemessen und gewogen, damit alles korrekt abläuft. Aber das siehst du dann ja selbst. Freue mich schon und Grüße an Frank. Wie gut, dass es sein räudiges Heftchen noch gibt."

Das fand Julia auch. Der Laden war ihr echt ans Herz gewachsen.

Was passiert am Samstag?

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