What's next?
Das Trojanische Pferd
Das Yogabuch hatte besser funktioniert, als Silke zu hoffen gewagt hatte. Sandra hatte es nicht weggelegt. Sie hatte es abends aufgeschlagen, erst verlegen, dann länger. Silke hatte vom Garten aus gesehen, wie die Neue auf dem Bett lag, die Beine geöffnet, die eine Hand im Buch, die andere irgendwann nicht mehr. Licht an. Folie nutzlos. Der Pfad unten bereits festgetreten. Ein kleiner Volksport, und Sandra lächelte danach immer noch so, als habe ihr jemand nur Lektüre geschenkt.
Silke wollte mehr. Sie war schon immer niederträchtig gewesen. Nicht laut. Nicht mit der Faust. Mit dem Lächeln, das zu breit war, und mit dem Wissen, wer wann allein war. Die Schlampe aus dem Callcenter sollte begreifen, wo sie gelandet war – oder besser: sie sollte es nicht begreifen und trotzdem liefern. Der Plan war sauber. Sie fragte einen Freund, ob er mit Claude (einer KI), eine App bauen könne. Hörspiele. Sanfte Stimmen. Kategorien wie Achtsamkeit, Vertiefung, Berührung in der Vorstellung. Im Hintergrund Protokolle: welches Stück, welche Uhrzeit, welche Wiederholung. Offiziell ein Geschenkabo. Inoffiziell ein Draht in Sandras Wohnung.
Es kostete Geld. Noch kein Problem. Silke war Kassenwartin. Sie nahm sich, was der Verein nicht sofort vermisste. Erst die Kameras und jetzt die Lizenzen. Dann den Rest, den man auf einer Rechnung als „digitale Öffentlichkeitsarbeit“ verstecken konnte. Ein paar Tage später stand sie vor Sandras Tür.
Nicht zufällig.
Sie hatte gewartet, bis oben das Wasser lief. Bis Sandra eingeschäumt unter der Brause stand. Sie wollte ihr nicht die Zeit geben, dass sie sich was anziehen kann. Dann klingelte sie.
Warte.
Klingelte noch einmal.
Länger.
Hartnäckig.
Oben ging das Wasser aus. Schritte. Ein Fluch, gedämpft. Dann Sandra die Treppe hinunter, nass, hastig, nur das dünne Handtuch um den Körper, weil die großen immer noch irgendwo lagen oder weil sie dachte, es dauere nur eine Sekunde.
Silke lächelte.
In der Hand der Korb. Heu. Sekt. Eine Schachtel Pralinen. Darüber, gut sichtbar, große Over-Ear-Kopfhörer in ihrer Verpackung. Eine Karte. Ein Professioneller Karton.
Sandra öffnete.
Das Lächeln kam trotzdem. Höflich. Grünbraune Augen, unsicher. Die Wangen heiß vor Peinlichkeit. Nasses Haar tropfte auf die Schultern. Das Handtuch saß zu knapp über der Brust und zu knapp über dem Po. Ein falscher Atemzug, und alles wäre vorbei gewesen.
„Silke. Hi. Ich… war unter der Dusche.“
„Seh ich.“ Silke ließ den Blick nicht zu lange unten. Nur lange genug. „Weiß du, wir haben morgen Mitgliederversammlung. Vom Verein. Bei mir im Garten. Meistens wird es etwas lauter. Fast nur Männer.“
Sandra nickte, fragend, die Beine fest zusammen, eine Hand am Türrahmen, die andere krampfhaft am Knoten des Tuchs. Sie ärgerte sich über die langsame Stimme, über jeden Satz, der nicht zur Sache kam. Sie stand praktisch nackt im Türspalt. Der Flur war kühl. Die Nippel wurden hart unter dem Frottee, stachen durch, zwei klare Punkte. Die Vorhöfe zeichneten sich ab. Sandra merkte es und zog das Tuch höher. Es rutschte unten nach.

Silke redete weiter. Du hast doch Frühschicht übermorgen. Ich wollte Rücksicht nehmen. so machen wir das in der Nachbarschaft. Die Männer und das Bier sind immer so laut und dass man das ja nicht ändern könne. Daher ein Kleiner Präsentkorb. Erst dann schob sie den Korb rüber.
„Deshalb. Ich weiß ja, dass du einen Tag später Frühschicht hast. Over-Ear, ein anständiger Sekt, ein paar Süßigkeiten. Damit du mir nicht böse bist.“ Ein kleines Lachen. „Ich hab dir sogar ein Hörspielabo dazu gelegt mit einer neue Hörspiel-App. Die Jungs vom Fußballverein haben mir das geschenkt. Aber ich gucke lieber fern.“
Sandra nahm den Korb, weil sie beide Hände brauchte und das Tuch deshalb nur noch mit dem Oberarm klemmte.
„Wie nett. Wirklich. Du hättest nicht…“
Das Handtuch rutschte.
Nicht ganz. Fast.
Der Knoten gab nach. Ein nasser Zipfel löste sich von der Brust. Für einen Herzschlag lag Haut frei, rund, schwer, echt, die aufgesetzte Vorhof, der steife Nippel noch mit einem Rest Schaum.
Silke fing das Tuch.
Nicht von unten. Von vorn. Die Finger glitten über den Stoff und darunter, streiften die Brust, fest, kurz, als wäre es Hilfe. Wärme. Gewicht. Kein Silikon. Kein Schwindel. „Upps“, sagte Silke.
Sandra stockte. Rot bis unter die Sommersprossen. „Entschuldigung. Ich… danke. Ich zieh mich besser an.“ „Ach was. Wir sind doch nur uns.“ Silke drückte das Tuch zurück, als hätte sie nichts gefühlt. Der Korb blieb in Sandras Armbeuge. „ Du musst die App nur noch installieren. Alles ist schon aktiviert und bezahlt haben die Jungs gesagt. Es gibt wohl eine Vorauswahl. Einfach Kopfhörer auf, Play. Hilft gegen Lärm. Und gegen Gedanken.“
Sandra nickte zu oft. Wollte die Tür zu. Wollte nicht, dass noch jemand die Treppe heraufkam und sie so sah: nass, Handtuch, Nippel, der Po hinten kaum gehalten.
„Morgen wird es also laut“, sagte sie nur.
„Morgen. es tut mir leid“, bestätigte Silke.
Die Tür fiel ins Schloss.
Oben lehnte Sandra den Korb auf die Küchenzeile und wickelte sich fester ein, als könne Frottee die Berührung nachträglich löschen. Die Brust brannte an der Stelle, wo Silkes Hand gewesen war. Nicht nur vor Scham. Die Nippel waren zu wach. Leicht erregbar, immer, selbst jetzt, selbst hier.
Sie öffnete den Korb später, nach der Dusche, nach einem T-Shirt, das sofort wieder zwei Punkte zeigte.
Sekt. Pralinen. Kopfhörer, teuer. Das Abo: eine App namens Sensus. Meditationen. Fantasiereisen. Vertiefung. Sandra dachte an die Versammlung. An Männerstimmen im Garten. An Frühschicht. An eine Nachbarin, die Geschenke brachte. Silke saß unten auf der Terrasse und schaute aufs Handy.
Noch keine Sitzung. Nur die Bestätigung: Abo angenommen. Gerät gekoppelt.
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